Der 1978 in Zagreb geborene, seit kurzem im Amsterdam lebende Pianist Dejan Lazic ist eine echte Mehrfachbegabung: Neben dem Klavier beherrscht er auch die Klarinette und beschäftigt sich seit seiner Kindheit ernsthaft mit dem Komponieren.
| Channel Classics download number one: Dejan Lazic spielt Beethoven |
Jetzt hat er sein zweites Beethoven-Album vorgelegt, und wie schon früher, einen Live-Mitschnitt (des vierten Klavierkonzerts) mit der Studioproduktion von zwei berühmten Sonaten, der „Mondschein“ und der späten As-dur op.110, kombiniert: Das sorgt für wechselnde Klangbilder und Stimmungen, deren Wirkung durch Lazics individuelle, tiefschürfende Lesart aller drei Werke noch verstärkt wird: Und durch die von ihm neu komponierten grossartigen Kadenzen erscheint das mysteriöse G-dur-Konzert auch in einem neuen Licht. Kernpunkt von Lazics neo-romantischem, durchaus introspektivem Ansatz dürfte die wunderbare Orpheus-Szene im Andantesatz sein, deren radikale Kontrast-Dramaturgie – zwischen Gut und Böse, zwischen beseeltem Individuum und schroffem Kollektiv – er im atmenden Dialog mit dem schlank besetzten, wunderbar mitgehenden Australischen Kammerorchester quasi auf das ganze Konzert überträgt. Er verdichtet und verschärft das ständige Wechselbad von zärtlichen und heroischen Gefühlen durch seine flexible Tempo-Agogik, ohne dabei die Aura des Mysteriösen und Geheimnisvollen zu durchbrechen. So dominieren hier die träumerischen, utopisch-phantastischen Charakterzüge einer innerlichen Traumreise und der improvisatorische Gestus eines kammermusikalischen Seelen-Abenteuers gegenüber der üblichen, staatstragenden Statuarik massiver Orchestersounds.
Ähnlich ungewohnt und vergeistigt klingt bei ihm auch der weltberühmte, und eigentlich abgespielte Adagio-Kopfsatz der „Mondscheinsonate“, den Lazic mit Schubertscher Innerlichkeit, mit offenem Pedal (wie von Beethoven gewünscht), und echtem Pianissimo als sanft fliessenden, fast schon tröstlichen Seelengesang und als Botschaft aus einer anderen, stillen Welt der reinen Empfindung ausweist. So schön, so behutsam, zärtlich und versöhnlich hat man diese schönste Liebeserklärung Beethovens an seine unerreichbare Geliebte Giulietta Guicciardi schon lange nicht mehr gehört. Geradezu schlüssig fügt sich zu diesen beiden Gipfelwerken Beethovenscher Poesie die abgeklärte Weisheit und die unglaubliche Metamorphosentechnik der späten As-dur-Sonate mit ihrem bespiellosen Schlußsatz, der noch einmal in erschütternder Weise Beethovens Selbstüberwindung an Hand einer zum strahlenden Hymnus sich steigernden Fuge beschwört: Lazic gestaltet auch diesen „Durchbruch“ mit grosser Sensibilität und einer sogartigen erzählerischen Kraft. Der unglaublich suggestive, „magische“ Klangeindruck der beiden Sonaten verdankt sich auch dem perfekten, körperreichen und warm timbrierten Klaviersound, den Labelchef und Tonmeister C. Jared Sacks in den Konverter zauberte.
| Interpretation | 90% |
| Editorischer Wert | 85% |
| Dejan Lazic spielt Beethoven |
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| Beethoven, Klavierkonzert Nr.4 G-dur; Klaviersonaten cis-moll op.27,2 („Mondschein“) und As-dur op.110 |
| Aufnahmen 2009-2010 |
| Dejan Lazic, Klavier, Australian Chamber Orchestra, Richard Tognetti |
| Channel Classics CCS SA 30511 (Hybrid-SACD) |
| TT: 69’40 |
![]() Beethoven Klavierkonzert Nr. 4 G-dur 3. Rondo Vivace ca. 809.9 mb (wav) |













