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Channel Classics download number two: Iván Fischer in Hochform – Schuberts C-Dur-Sinfonie

27.05.2011  | von Thomas Schulz
 
Iván Fischer hat sich in den letzten Jahren auf angenehm unaufdringliche Art in die Top-Liga der (nicht nur!) europäischen Dirigenten gespielt. Seine für das Label Channel eingespielten Mahler- und Dvorák-Interpretationen wurden zu Recht allgemein gelobt, und auch seine etwas älteren, bei Philips veröffentlichten Bartók-Einspielungen beweisen höchstes Niveau.

Channel Classics download number two: Iván Fischer in Hochform – Schuberts C-Dur-Sinfonie
In Fischers jüngster Unternehmung mit dem von ihm gegründeten Budapest Festival Orchestra – Franz Schuberts Große C-Dur-Sinfonie – zeigen sich beispielhaft die unverwechselbaren Charakterzüge seiner Interpretationshaltung: Es geht ihm weder darum, dynamische oder agogische Extreme aufzuzeigen, noch entwickelt er besonderen Ehrgeiz im Aufstellen von Temporekorden. Vielmehr gelingt es ihm, bei souveräner Offenlegung der kompositorischen Struktur, die Musik in all ihrer charakterlichen und farblichen Vielfalt zu erfassen. Er bevorzugt einen eher weichen, seidigen, von innen heraus leuchtenden Orchesterklang, den man wohl „kakanisch‟ nennen könnte und der von der Tontechnik mustergültig unterstützt wird: Schon rein klanglich bereitet die SACD größte Freude.

Vor allem die zahlreichen slawisch-ungarischen Untertöne, die sich in der Sinfonie finden, erscheinen so prominent wie sonst selten. Das sanft wiegende Seitenthema des Kopfsatzes etwa, das besonders von Apologeten der Originalklangbewegung oft unflexibel und unwirsch heruntergebürstet wird, erhält durch Fischers wunderbare, rubato-gesättigte Phrasierung genau jenen leicht melancholischen, kantablen und tänzerischen Charakter zuerkannt, der es so unverwechselbar macht.

Durch die Verwendung von Naturhörnern wird die changierende Farbigkeit des einleitenden Hornmotivs (offene und gestopfte Töne) hörbar, ohne dass hier mit dem ausgestreckten Zeigefinger argumentiert würde. Die Naturhörner geben dem zweiten Satz klanglichen Biss, der zu Fischers relativ verhaltenem Tempo (eher Andante als con moto) gewinnbringend kontrastiert. Den harten Zusammenbruch im letzten Drittel des Satzes hat man indes schon katastrophischer vernommen, und auch im Finalsatz (sowie im wunderbar beschwingten Scherzo) bevorzugt Fischer eher die gutherzigen und lächelnden Charaktere. Wer hier mit zusammengebissenen Zähnen präsentierten Ingrimm vernehmen möchte, der greife lieber zu Günter Wand und den Berliner Philharmonikern (RCA). Fischers „freundlicher‟ Schubert bietet jedoch, zumal wenn mit solch bestechender Konsequenz präsentiert, ein gleichwertiges Pendant zu anderen Interpretationen, die eher die gefährdete Seite dieser Musik in den Vordergrund stellen. Dazu passt die heitere Zugabe: fünf Deutsche Tänze des gerade einmal sechzehnjährigen Schubert.

Interpretation 95%
Repertoirewert 70%

Franz Schubert
Sinfonie Nr. 9 C-Dur D 984 („Große‟)
Fünf Deutsche Tänze D 89
Budapest Festival Orchestra
Leitung: Iván Fischer
Aufgenommen 06/2010
Channel / Harmonia Mundi SACD CCS SA 31111 (69')


Franz Schubert
Sinfonie Nr. 9 C-Dur
1. Satz
ca. 911 mb (wav)

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