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Monoswezi

03.11.2010  | von Marcus A. Woelfle
 
Die interessantesten Alben stammen nicht immer von den bekanntesten Musikern. Und auch aus der derzeit so vielbestaunten norwegischen Szene ist noch nicht jeder Könner berühmt.

Monoswezi
Viele international bekannte Jazzmusiker stammen aus Norwegen, was nicht zuletzt damit zusammenhängt, dass der norwegische Staat sich seines kulturellen Reichtums auch als Exportartikel bewusst ist und deshalb auch seine Jazzmusiker in einer Weise fördert, wie man es sonst selten erlebt. Dass einige renommierte deutsche Plattenfirmen eine besondere Vorliebe für nordischen Jazz haben, trägt zusätzlich bei uns dazu bei, dass bei Außenstehenden, die sich nicht mit Jazzgeschichte beschäftigen, durchaus der Eindruck entstehen kann, Jazz sei eine insbesondere skandinavische Musikform, in der Klaviertrios und zarte Damenstimmchen dominieren. Kurz, man hat bestimmte Vorstellungen, wie skandinavischer Jazz klingt, doch dabei fügen sich einige der interessantesten Produktionen aus dem hohen Norden überhaupt nicht in gängige Klischees. Und die wiederum stammen oft von kleinen unabhängigen Labels, von Musikern, die noch nicht einmal einen Eintrag in der norwegischen Wikipedia haben, wie etwa der Norweger Hallvard Godal.

Der Name „Monoswezi“ klingt afrikanisch, ist es aber nicht, erklärt mir Hallvard Godal, der Leiter des Labels Parallell, und sein zart gepustetes Klarinettenspiel klingt ebenso meditativ wie es von einer verhaltenen Bluesigkeit zeugt, während man seinem Saxophonspiel anhört, dass er mit Free Jazz groß geworden ist, ohne dabei stehen zu bleiben. Der Bandname stehe für „MOzambique, NOrway, SWEden, ZImbabwe,“ den Heimatländern der Musiker. 2008 arbeitete Godal ein Jahr lang als Musiker und Musiklehrer in Maputo und tauchte dabei tief in die Musik Mosambiks ein. Dort traf er auch Xavier Samito Tembe, der in diesem Album als ebenso hellhöriger wie fingerfertiger Trommler zu hören ist. Als dieser im Rahmen eines Austauschprogramms nach Norwegen kam, brachte er einen Kollegen mit: Nqobile Khoza  (dessen Vorname auf der CD übrigens als Nqoblie vertippt ist), „brachte sein Instrument von Harare mit und ich verliebte mich vollkommen in die die traditionelle Musik der Shona aus Zimbabwe.“

Khoza spielt Mbira, das Daumenklavier. Bei uns kennt man es auch aus Dritte-Welt-Läden - ein beliebter Artikel, kann sich doch „jedes Kind“ auf diesem Lamellophon ohne vorherige Übung durch Zupfen an den Metallzungen „Alle meine Entchen“ zurechtfingern. Und dabei schaut die „Mbira“ auch in ihren professionellen Ausführungen so aus, als könnte ein einigermaßen handwerklich begabter Mensch sie selbst basteln. In Simbabwe, wo sie von den Shona seit über 1000 Jahren gespielt wird, ist sie kein Spielzeug, sondern eine Art Nationalinstrument, das bei Stammesriten wichtige Aufgaben erfüllt. Wer es spielt, ist ein von Ahnengeistern geschützter Auserwählter. Musiker und Hörer fallen beim Mbira-Spiel in Trance und man ist überzeugt, mit ihrem Klang Geister anlocken zu können, die man dann durch ein Medium um Rat befragen kann. Auch in profaner Umgebung bewahrt ihr Klang etwas Mystisches, so auf „Monoswezi“, wo Nqobile Khoza aus Simbabwe diesem Instrument beziehungsweise der Marimba jene melodisch und rhythmisch ostinaten, „minimalistischen“ Motive entlockt, die so leicht einen sanften Taumel im Hörer erwecken können.

Noch bevor die beiden Afrikaner im Sommer 2010 in ihre Heimat zurück mussten, wurde in Oslo das klangfarblich reizvolle, traumwandlerisch sichere und erstaunlich homogene Zusammenspiel des internationalen Quintetts auf CD gebannt, in dem skandinavische Jazzer, der Bassist Putte Johander und der Drummer Erick Nylander die afrikanische um eine skandinavische Rhythmusgruppe erweitern. Vom Eröffnungsstück an, das mit dem faszinierenden Zusammenklang der Mbira mit Putte Johanders recht free gestrichenen Bass und Hallvards verträumter Klarinette aufhorchen lässt, zieht die meist auf Sparflamme köchelnde Scheibe bis zum Schluss in ihren Bann. Nebenbei beschert sie uns die Erkenntnis, dass ein zweistimmig geblasenes afrikanisches Motiv schon mal klingen kann wie ein nordischer Choral. Zigtausend Kilometer Distanz lösen sich in der Musik in einem Nichts auf. Hoffentlich können sie auch dem Fortbestand dieser Gruppe nichts anhaben.

Monoswezi
1. Tsviborume
2. Lipiye
3. Majaira
4. Xai xai
5. Matalana
6. Mugarandega
7. Jiti
8. Hello Mama
9. Ndendele
Nqobile Koza - voice, percusion, mbira, marimba (Z)
“Xavier” Samito Tembe  - voice, percusion (M)
Hallvard Godal - saxophone, clarinet (N)
Putte Johander - bass (S)
Erik Nylander - drums og percusion (S/N)
Recorded and mixed at Dynalyd, Oslo
Sound Engineer: Karl Strømme
Parallell PA 008-2

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