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Erich Wolfgang Korngold – Sinfonie Fis-Dur, Suite „Viel Lärm um nichts‟

09.11.2010  | von Thomas Schulz
 
Die einzige Sinfonie des Wiener Wunderkinds und späteren Hollywood-Komponisten Erich Wolfgang Korngold in einer Interpretation, die der ambivalenten Emotionalität des Werks vollauf gerecht wird.

Erich Wolfgang Korngold – Sinfonie Fis-Dur, Suite „Viel Lärm um nichts‟, Orchestre Philharmonique de Strasbourg, Leitung: Marc Albrecht
Wer würde beim ersten Hören des unwirschen, stachligen Anfangs dieser Sinfonie in Fis-Dur wohl auf Anhieb vermuten, dass sie ausgerechnet von Erich Wolfgang Korngold stammt? In der Tat ist Korngolds einzige, 1952 vollendete Sinfonie hervorragend dazu geeignet, Vorurteile zu entkräften. Korngold, der Komponist zuckriger, sentimentaler Hollywood-Musik? Zumindest nicht hier. Das Werk entstammt einer Phase, in der Korngold, nachdem er jahrzehntelang im amerikanischen Exil Filmpartituren geschrieben hatte, sich wieder klassischen Formen zuwandte. Sicher, die Sinfonie zeigt wenig Spuren der Auseinandersetzung mit (damals) zeitgenössischer Musik, und die viersätzige sinfonische Form, die er dem Werk zugrunde legte, hinderte ihn nicht, Motive einiger seiner Filmscores einfließen zu lassen. Doch insgesamt schlägt Korngold, vor allem im ersten Satz, verstörend schroffe Töne an. Selbst die optimistische Stimmung des Finales ist stets von Schatten bedroht, die erst ganz am Schluss verschwinden. Es scheint, als habe Korngold hier bewusst einen Abgesang auf eine Epoche verfassen wollen, der er selbst sich Zeit seines Lebens zugehörig fühlte, die aber nichtsdestoweniger endgültig der Vergangenheit angehörte.

Die Uraufführung der Sinfonie fand 1954 in Wien statt. Doch dort wollte man Korngold und seine Musik nicht mehr zu Kenntnis nehmen. Und folgerichtig verschwand das Werk für lange Zeit in der Versenkung, bis es – wie überhaupt das Œuvre Korngolds – in den letzten Jahrzehnten wiederentdeckt wurde. Heute, wo  Musik nicht mehr ausschließlich am Grad ihrer kompositorischen „Aktualität‟ gemessen wird, können die Qualitäten dieses Stücks auch wieder angemessen gewürdigt werden.

Marc Albrecht, der mit dem Orchestre Philharmonique de Strasbourg zuletzt eine hochbrillante Einspielung mit Werken von Dukas, Ravel und Koechlin vorlegte, weiß auch hier auf ganzer Linie zu überzeugen: Zum einen, weil es sich bei dem Orchester mittlerweile ohrenscheinlich um einen der führenden Klangkörper Frankreichs handelt, zum anderen, weil er ganz offensichtlich an Korngolds Musik glaubt, sie als Sinfonik ernst nimmt und auch ihren dunklen Seiten zu klingender Gestalt verhilft. Wie beim Label PentaTone nicht anders zu erwarten, ist der Orchesterklang hervorragend abgebildet: Korngolds extrem farbenprächtige Instrumentation erstrahlt im vollen Glanz. Als Füller findet sich ein charmantes Beispiel des frühen Korngold: die Suite aus der Schauspielmusik zu „Viel Lärm um nichts‟ – Shakespeare in den Wiener Salon importiert, leicht, pointiert, und wiederum exquisit instrumentiert.

Interpretation 95%
Repertoirewert 85%

Erich Wolfgang Korngold
Sinfonie Fis-Dur, op. 40
Suite „Viel Lärm um nichts‟, op. 11
Orchestre Philharmonique de Strasbourg
Leitung: Marc Albrecht
Aufgenommen März 2010
PentaTone / Codaex SACD PTC 5186 373
TT: 67'

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