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Kalkan – Planet Kalkan

11.12.10  | Mátyás Kiss
 
Kalkan sprengt die Nische „Gitarrenmusik“ auf Anhieb und bietet mehr als die Kombination der individuellen Beiträge, nämlich etwas Neues, Drittes, die Ingredienzien Übersteigendes.

Kalkan – Planet Kalkan
Das türkisch-deutsche Gitarrenduo spielt zwar rein akustisch. Dass es sich dennoch an der nicht bloß durch Lautstärke ausgedrückten Power der Rockmusik orientiert, zeigt nicht nur die (neben einem Morricone-Thema einzige) Coverversion von Led Zeppelins „No Quarter“, sondern vor allem die, wo angebracht, gesunde Aggressivität ihres Vortragsstils. Ihre lyrische Seite kommt in der wohl ausgewogenen Mischung folkloristischer und selbst komponierter Vorlagen ebenfalls zum Tragen. Sparsam eingesetzte Handtrommeln schließlich betonen Kalkans folkloristische Bezüge.

Erkin Cavus, 1977 in Bulgarien geboren, kommt ursprünglich vom Klavier und der Popmusik. Ab 1990 in Anatolien und mit der dortigen Folklore aufgewachsen, ging er zum Gitarrenstudium nach Ostdeutschland und lebt heute wieder in Istanbul, während der heute dreißigjährige Deutsche Reentko Dirks nach klassischem Gitarrenunterricht Gitarre und Weltmusik bei Thomas Fellow studierte und Asien und die arabische Welt bereiste. Wenn das keine idealen Voraussetzungen für eine Begegnung in der Mitte sind: Cavus bewegt sich von der Weltmusik in Richtung Klassik, Dirks bewegt sich von der Klassik in Richtung Weltmusik, und an der Kreuzung ihrer Wege entsteht Pop.

Und das erwähnte Led-Zeppelin-Cover ist auch weniger weit hergeholt, als es äußerlich den Anschein hat: Die Hardrock-Band bezog einen Gutteil ihrer späteren Inspiration aus der Musik des Nahen und Mittleren Ostens, was die nachträgliche „Ethnifikation“ auf der gleichfalls No Quarter betitelten Jimmy Page/Robert Plant-Produktion belegt. Was nun Kalkan angeht, spielen die beiden technisch gesehen „nur“ Gitarre, aber Cavus und Dirks tun dies so, als würden sie Klavier oder Orgel spielen, also Instrumente, die anerkanntermaßen ganze Orchester in sich bergen.

Die vorzügliche Klangtechnik des Waldhausstudios Tangerhütte, in dem die Aufnahmen Ende 2007 stattfanden, bei der jeder gezupfte Ton der beiden gestochen scharf im Raum steht, macht das Abhören von Planet Kalkan endgültig zum ungetrübten Genuss.

Kalkan – Planet Kalkan
Acoustic Music Records 319.1414.2
Vertrieb: Rough Trade

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