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Maria Baptist Trio – Spring In Berlin

11.01.11  | Hans-Jürgen Schaal
 
Bei der Entschlossenheit, mit der Maria Baptist schon in den ersten Stücken ihres Album die Improvisationen anschwellen lässt, immer mitreißender, immer mächtiger werdend, würde man auf der Klavierbank eher einen kräftigen Kerl vermuten. Ganz im Ernst: Wer sich dem treibenden Fluss dieser Musik hingibt, gerät leicht in einen fast trancehaften Strudel.

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Maria Baptist Trio – Spring In Berlin
Hau rein, Baby! – Die Sogwirkung von Maria Baptists kraftvoller Klavierkunst erinnert zuweilen an gewisse Effekte bei Keith Jarrett. Doch die Triomusik der schlanken Berlinerin ist nüchterner, gründlicher, ihr Spiel ist mit dichten Figuren der linken Hand gefüttert, ihr Improvisationsfluss gegliedert durch sauber gewirkte Motivik. Man hört, dass diese Pianistin bei aller Emotion in sehr klaren Strukturen hört, dass sie ihre Musik konzipiert, Komponistin ist, auch Dirigentin. Geboren wurde Maria Baptist in Ostberlin. Den Mauerfall nutzte sie, um in die Jazzhauptstadt New York zu entkommen, wo sie unter anderem bei der Orchesterzauberin Maria Schneider lernte.

Mit 25 Jahren kehrte sie zurück ins gewandelte, sich wandelnde Berlin, wurde zur Jazzpianistin, die Klassik spielen kann, zur Musikprofessorin, die es versteht, ein Jazztrio zum Kochen zu bringen. Nicht nur den Trance-Flow auf den 88 Tasten beherrscht Maria Baptist, sondern (zum Glück) auch viele andere Facetten der Jazzpiano-Kunst. Sie kann treibenden Swing entfachen („Spring In Berlin“) und spannende, rockende Stücke schreiben („Change Of Seasons“) und, ja doch: Sie kann Balladen spielen, kann dabei die Räume wirken lassen, ganz entspannt, und den verwirrenden Gefühlen nachhorchen, die von irgendeiner kleinen, fast zufälligen Phrase im Diskant wachgerufen werden.

Über dem sprudelnden Sog, der strukturellen Dichte und europäischen Klarheit ihres Spiels vergisst Maria Baptist jedoch nie, woher der Jazz eigentlich kommt. Da gibt es immer wieder diese kleinen Blues-Wirbel, diese Offbeat-Akzente, diese mutwilligen Achtelnotenketten, diese Blockakkorde, die sagen: Black America! Deshalb darf Maria Baptist auch gerne so etwas Verkopftes spielen wie ihre deutsch-englisch benannte „Fuge For Jazztrio“: Denn das Künstliche wandelt sich bei ihr ganz von selbst und übergangslos in natürliche, virtuose, mitreißende Improvisation. Eine komplette Pianistin, ein überzeugendes Trio. – Hau rein, Professor!

Maria Baptist Trio – Spring In Berlin
Blue Hour
Sign Of The Zodiac
Daydream
Fuge For Jazztrio
Linger
Spring In Berlin
Change Of Seasons
No Me Llores Mas
Loving Sunset
So Long Ago
Maria Baptist – Klavier
Andreas Henze – Bass
Michael Kersting – Schlagzeug
MBM 3025 (2001)
TT: 58:42

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