Die Gitarre ist ein Instrument, das überall zu Hause ist: in der Kammermusik, im Jazz, der Volksmusik und im Rock sowieso. Der Gitarrist Jörg Schippa ist ebenfalls überall zu Hause.
| Jörg Schippa – UnbedingT |
Klarinette, Bassklarinette, akustische Gitarre: Diese Besetzung verspricht nicht nur Klischeefreiheit und Klangzauber, sondern auch viel Wärme. Schippa weiß diese Wärme aber zu kontrastieren: Mit einem Drummer, der sein Set scheppern lässt, straighten Rockbeat schlägt, auf ungeraden Rhythmen galoppiert oder körperlos die Besen streicht. Dazu kommt eine kühlende Kompositionssprache, deren Strukturen und Intervalle etwas Kammermusik atmen, voll innerer Spannung sind, unaufhaltsam vorwärts drängen. Dieses musikalische Konzept ist neu, es ist reif, es ist kurzweilig, es überzeugt auf ganzer Linie, selbst in den schlauen Übergängen zwischen den komplexen Themen und den mitreißenden Soli, improvisierten Wechselgesprächen und Kollektiv-Improvisationen.
Wer im Jazz die Gitarre akustisch spielt, hat seine Gründe dafür. Er will Farbe, Dynamik, Präzision, Details, Mehrklänge. Da klingt ein klein wenig Blues mit und ein klein wenig Gypsy Music, aber so, wie Schippa spielt, ist das vor allem virtuos und frei, modern und herausfordernd. Sein Gegenpart und Hauptsolist: Jürgen Kupke, Klassik- und Theaterklarinettist und bekannt aus ungewöhnlichen Jazzprojekten wie Clarinet Trio, Frigg und Talam Acht. Kupke lässt seine brillante Klarinette jubeln und schreien und growlen, hin und wieder klezmerhaft krächzen, aber immer wieder auch ganz konsequent den musikalischen Sinn des Stücks modellieren und entwickeln. Die Ergänzung kommt von Florian Bergmanns Bassklarinette, die mal sachliche Bassstimme ist, mal munterer Kontrapunkt, mal Parallelgängerin in einem mysteriösen Zusammenklang. Und Christian Marien, der Drummer, mischt sich da ständig hinein.
Auch die Anregungen für Schippas elf kompakte Kompositionen kommen von überall her. „Rumms“ und „Funky H.“ könnte man sich als virtuose Metal-Nummern vorstellen, „Vergissmeinnicht“ badet in bluesigem Blau, „Zwiefacher“ ist von den Wechselrhythmen des Volkstanzes inspiriert, aber keineswegs folkloristisch. Andere Stücke haben ihre Quelle hörbar in der klassischen Musik, entwickeln sich aber ebenso ins Groovige, Jazzige, Expressive. Nichts ist da statisch. Schippas Quartett besitzt die Kraft des Ereignisses, den Überraschungsmoment des Improvisierten. Dieses Unbedingte.
| Jörg Schippa – UnbedingT |
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| Stadtnachtlauf Rumms Vergissmeinnicht Neonplus Zwiefacher Sarabande Maurice Das Lächeln Neuköllns Rummelwalzer – After Dark Funky H. M. Bip |
| Jürgen Kupke – Klarinette Florian Bergmann – Bassklarinette Jörg Schippa – akustische Gitarre Christian Marien – Schlagzeug |
| Konnex KCD 5257 (2010) |
| TT: 61:19 |














