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Wiedergehört: Ani DiFranco – To The Teeth

26.01.2011  | von Mátyás Kiss
 
Ani DiFranco, die leidenschaftliche Entertainerin mit kritischem Anspruch, auf der Höhe ihrer Kunst! Diese CD, etwa in der Mitte ihrer nunmehr zwei Jahrzehnte umspannenden Karriere erschienen, war ihre dritte innerhalb von zwölf Monaten.

Wiedergehört: Ani DiFranco – To The Teeth
Manche KollegInnen raffen sich bekanntlich alle drei Jahre mal zu einer Veröffentlichung auf. Die nunmehr vierzigjährige, zum zweiten Mal verheiratete Künstlerin hat ihren an Frank Zappas Schaffenswut erinnernden Output mittlerweile etwas gedrosselt. Im Titelstück („[Armed] To The Teeth“ = „bis auf die Zähne bewaffnet“) prangert Ani den freien Schusswaffenverkauf in den USA an und empfiehlt, das Feuer auf die Fabrikanten und die Fernsehstationen zu eröffnen, die rund um die Uhr kostenlose Werbung für wahlloses Um-Sich-Schießen machen. Als Schlusspointe droht sie damit, samt Freunden nach Kanada auszuwandern, um dort an Altersschwäche sterben zu können. Auch in „Hello Birmingham‟ oder „Cloud Blood‟ steht das in der US-amerikanischen Gesellschaft allgegenwärtige Blutvergießen im Mittelpunkt. Ihre Lieder, poetische Waffen einer Pazifistin, versteht die „kleine Folksängerin‟, wie sie sich selbst gerne beschreibt, dennoch als Liebesbriefe, die ihr und uns die Kraft zum Weitermachen geben sollen („Soft Shoulder‟).

Anis auch zwischenmenschlich stark engagierten Platten für ihr eigenes Label merkte man früher das Handgestrickte an: Die meisten Instrumente bediente sie selber. Hier nun bietet sie ein Arsenal weiterer Spieler auf, deren Kern ihre dreiköpfige Touring Band bildete: Julie Wolf, Keyboards; Jason Mercer, Bass; Daren Hahn, Schlagzeug. Ani webte im Laufe von 72 Minuten ein heterogenes Klanggebilde wechselnder Szenarien, die sich zum akustischen Gegenstück eines amerikanischen Quilt ergänzen. Der erhebt gar nicht den Anspruch eines einheitlichen Stils, sondern stellt das gemeinschaftliche Erleben bei seiner Herstellung in den Vordergrund. Insofern waren auch die Kritiker auf dem Holzweg, die Anis CDs Unebenheit anlasteten.

Bei der Einspielung dieser Scheibe kam Ani ein Funk-Veteran wie Maceo Parker gerade recht. Der Saxofonist kannte sie vorher noch nicht einmal, aber nach den Aufnahmen ging er sogar mit auf Tournee. Maceos Beiträge passen ausgezeichnet zu dieser bläserlastigen Produktion („horn-y‟ nennt sie Ani schön zweideutig). Auch sonst verschmähte sie Elemente damals aktueller Tanzmusik durchaus nicht, denn – darin sind sich Ani und Maceo einig – das einzige, was beim Musikmachen zählt, ist die Kommunikation untereinander und mit dem Publikum. Deswegen liefert die auf Anis emotionale Wechselbäder bestens eingeschworene Band einen differenziert rockigen, doch nie einförmigen Rahmen für ein sich rückhaltlos verausgabendes Bühnentier: David Byrnes manische Intensität, aber bei vollem Körpereinsatz.

Ani DiFranco - To The Teeth
Righteous Babe Records/Cooking Vinyl CD 190 (Vertrieb: Indigo)
Erstveröffentlichung: 1999 (weiterhin erhältlich)
TT: 71‘56

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