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Bitter Funeral Beer Band – Live In Frankfurt 82

27.03.11  | Hans-Jürgen Schaal
 
Um 1960 half Don Cherry mit, den Jazz aus dem Gefängnis seiner Formalismen zu befreien. Damit diese neue Freiheit dann auch einen Sinn bekam, rollte er dem Jazz in den folgenden Jahren den Spielwiesen-Teppich exotischer Kulturen aus. Auf diese Weise war Don Cherry um 1980 zur Verkörperung des World-Jazz geworden – eine charismatische Galionsfigur.

Bitter Funeral Beer Band – Live In Frankfurt 82
Der bekennende Buddhist hatte afroamerikanische und indianische Vorfahren, lebte lange Zeit in Schweden, erforschte die Musik Indiens, Balis, Ghanas oder der Türkei, spielte neben seiner kleinen Taschentrompete auch die N’goni aus Mali sowie Gamelan-Instrumente, Melodica und ein ganzes Sortiment an Flöten aus aller Welt. Zu seinen vielen Verehrern und Mitstreitern gehörte schon in den Siebzigerjahren auch der Schwede Bengt Berger, ein Experte in indischer und westafrikanischer Trommelkunst. Mit seinem ghanaisch inspirierten Projekt Bitter Funeral Beer – featuring: Don Cherry – schaffte Berger 1982 den Sprung auf das Label ECM und im gleichen Jahr aufs Deutsche Jazzfestival in der Alten Oper Frankfurt. Der Auftritt der 12-köpfigen Bitter Funeral Beer Band wurde vom Hessischen Rundfunk damals mitgeschnitten, aber erst zum 25-jährigen Jubiläum des Auftritts 2007 von Bengt Berger veröffentlicht – auf seinem eigenen Label Country & Eastern. Natürlich war Don Cherry beim Festivalkonzert wieder als Gast dabei, aber auch der indische Sarod-Meister Krishnamurti Sridhar: So multikulturell offen waren die Spielplätze des World-Jazz damals.

Grundlage und Inspiration von Bergers Musik ist eine ghanaische Totenfeier, bei der (neben dem eigens gebrauten bitteren Bier) traditionell ein bestimmtes Xylophon (Ko-Gyil) eine wichtige Rolle spielt. Mit diesem Xylophon führt Berger die Rhythmusgruppe an, während ein halbes Dutzend Bläser und ein paar Streicher darüber höchst fantasievolle Melodien, Riffs und Gegenmelodien anstimmen, die an afrikanische Ritualchöre oder den südafrikanischen Jazz erinnern. Zuweilen lässt der schnarrende Klang des tiefen Xylophons und zweier Bassklarinetten sogar an Ensemblemusiken von Steve Reich denken. Es ist ein erdiger, positiver, trancehafter Groove, der viel Raum eröffnet: Raum für ausgedehnte freie oder modale Improvisationen, nacheinander, im Wechsel – oder auch immer abwechselnd im Reigen von Trompete, Sarod, Frauenstimme und Saxophon.

Natürlich ist Don Cherry mit seiner Taschentrompete der Hauptsolist – mal gewittrig, mal beschwörend, mal lyrisch, aber immer hoch emotional, dringlich, ergreifend. Denn so empfand man damals diesen kollektiven, ethnisch gefärbten Jazz: als gelebte Freiheitsbewegung, als multikulturelles Anliegen, als sinnliches politisches Manifest. Deutschland war noch geteilt, in Südafrika herrschte noch Apartheid. Ein wichtiges Dokument.

Bitter Funeral Beer Band – Live In Frankfurt 82
Darafo
Chetu
Bitter Funeral Beer
Funeral Dance
Gahu
Bengt Berger – Ko-Gyil, Atsimevu
Don Cherry – Taschentrompete
K. Sridhar – Sarod
Ulf Wallander – Sopran- und Tenorsaxophon
und 10 weitere
Country & Eastern CE 09 (Veröffentlichung 2007)
TT: 56:04

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