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Django Bates – Belovèd Bird

23.04.2011  | von Hans-Jürgen Schaal
 
Von klein auf hörte Django Bates in seinem Elternhaus die Musik von Charlie Parker: „Ich wusste, sie tat gut – so wie ich wusste, dass Essen gut tat. Sie war Nahrung, sie war Lebenskraft.“ Wenn er auf den Zug nach London wartete, pfiff der 12-Jährige Parker-Melodien – auf diese Weise lernte er die ersten gleichaltrigen Jazzfans kennen.

Django Bates – Belovèd Bird
Niemand könne so viele originelle Linien über den Blues schreiben wie er, meinten Charlie Parkers Zeitgenossen über ihn. „Now’s The Time“, „Billie’s Bounce“, „Au Privave“, „Relaxin’ At Camarillo“, „Barbados“ oder „Bloomdido“: Der Altsaxophonist skizzierte die Themen oft erst im Taxi auf der Fahrt ins Aufnahmestudio, aber ihr Tonfall prägte den modernen Jazz. Charlie Parker, genannt „Bird“, ist die schillerndste Ikone der Jazz-Revolution der Vierzigerjahre. Viele Jahre lang standen alle modernen Jazzmusiker in seiner Schuld, viele Jahre lang war jedes Jazzalbum irgendwie und zwangsläufig auch immer ein Tribut an Bird.

Nun hat der Pianist Django Bates einen ganz unverhohlenen Parker-Tribut eingespielt, und zwar in Kopenhagen, der europäischen Hauptstadt der Bebop-Verehrung. Django Bates und Bebop? Bates ist bekannt für skurrile Bigband-Musik und aufmüpfige Experimente, aber nicht gerade für die Pflege historischer Jazzstile. Doch auch bei ihm war Charlie Parker immer gegenwärtig: „Die wundervollen Umrisse seiner Soli und Kompositionen und seine frei flutenden Unterteilungen der Time waren immer in meine eigene Musik eingebettet“, sagt der Engländer. Und wenn er sich nun den Themen widmet, die Bird einst so unvergesslich spielte, kommt dabei – nicht wirklich überraschend – eben auch wieder Django-Bates-Musik heraus.

Belovèd Bird ist eine brandheiße Klaviertrio-Platte mit einem exzellent aufspielenden Bandleader. Das Material ist Charlie Parker – seine Melodien, seine Phrasen, sein Tonfall –, die Themen und Formen jedoch sind aufgebrochen in ein Kaleidoskop von Rhythmen und Episoden. Oft erklingt eine komplette Parker-Linie, aber der Rhythmus wechselt alle zwei Takte und das Thema durchläuft eine Vielzahl von Stimmungen. Einzelne Phrasen werden als lyrische Kürzel isoliert, zu delikaten Miniaturen entwickelt, schräg in sich selbst verzwirbelt oder einfach als Startsignale für Improvisationen gebraucht. Parkers futuristische Essenz.

So explosiv, wie der Bebop einst auf die Szene sprengte, so explosiv fliegen bei Bates die Parker-Kürzel auseinander ins Unbekannte. Jeder Thementeil explodiert in etwas Neues, Eigenes, als werde Parkers Musik nicht im Zusammenhang, sondern Takt für Takt buchstabiert: „Zerpflücke eine Rose und jedes Blatt ist schön“, schrieb Brecht einmal. Rhythmus pocht da gegen Rhythmus, Phrasen werden ins balladenhaft Langsame verzerrt oder zu verhuschten Läufen gestaucht – respektlos aus Respekt. Und immer wieder entwickelt sich fortgeschrittener Trio-Jazz mit Latin- und Free-Elementen, mit parodierten Blockakkorden und mitreißenden Improvisationen. Be-, be-, bebop!

Django Bates – Belovèd Bird
Scrapple From The Apple
Hot House
Punctuation
Star Eyes
My Little Suede Shoes
Laura
Chi Chi
Now’s The Time
Plasticity
Moose The Mooche
Billie’s Bounce
Ah-Leu-Cha
Django Bates – Klavier
Petter Eldh – Kontrabass
Peter Brunn – Schlagzeug
MCPS LM 004
TT: 55:20

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