Banner
Banner

Franz Liszt – Dante-Sinfonie und Evocation à la Chapelle Sixtine

25.04.2011  | von Thomas Schulz
 
Der viel versprechende Beginn eines längst überfälligen Projekts: die Orchesterwerke Franz Liszts auf Originalinstrumenten. Interpretatorisch und klanglich bleiben keine Wünsche offen.

Franz Liszt – Dante-Sinfonie und Evocation à la Chapelle Sixtine
Die sogenannte Originalklangbewegung hat mittlerweile fast die gesamte Musikgeschichte – bis hin zu Mahler und Ravel – für sich vereinnahmt, und dies zumindest zum Teil mit erhellenden, oft auch phänomenalen Ergebnissen. Da erscheint es nur folgerichtig, dass zum Liszt-Jahr (am 22. Oktober jährt sich der Geburtstag des Komponisten zum zweihundertsten Mal) ein großangelegtes Projekt in Angriff genommen wurde: die Einspielung sämtlicher Liszt'scher Orchesterwerke unter dem Titel „The Sound of Weimar‟. Spiritus rector ist der Organist und Dirigent Martin Haselböck, Gründer und Künstlerischer Leiter des Orchesters Wiener Akademie. Haselböck hat in der Vergangenheit bereits sämtliche Orgelwerke Liszts eingespielt. Ziel des „Sound of Weimar‟ ist es, mit der Wiener Akademie den typischen Liszt'schen Orchesterklang anhand der originalen Orchestrationen und mit historischem Instrumentarium wieder erstehen zu lassen. Einige der für die erste Folge der Reihe verwendeten Blasinstrumente wurden – dem Beiheft zufolge – gar in von Liszt dirigierten Orchestern gespielt. Aufnahmeort ist der Franz Liszt Konzertsaal in Liszts Geburtsort Raiding.

Dass Haselböck und seine Musiker zuallererst die „Dante-Sinfonie‟ präsentieren, ist ihnen zu danken, harrt doch diese faszinierende Komposition noch immer dem ihr gebührenden Status als zukunftsweisendes Meisterwerk. Auch findet sich in ihr eine der größten Orchesterbesetzungen, die Liszt vorschrieb: dreifaches Holz mit Piccolo, Englischhorn und Bassklarinette, zwei Pauken, Harfe und Harmonium – eine besonders lohnende Gelegenheit, den reichhaltigen Klang eines Liszt'schen „Originalorchesters‟ in all seinen Fassetten zu präsentieren. Positives Resultat des benutzten Instrumentariums ist vor allem eine – im Vergleich zu Einspielungen mit „modernem‟ Orchester – weit größere Transparenz. Wenig findet sich da vom Mischklang, den man gemeinhin mit Musik der „neudeutschen Schule‟ in Verbindung bringt. Vielmehr zeigt sich eine Verbindung zum terrassenartig angelegten Klangbild der Orgel. Insbesondere die Bläser sorgen zudem für intimere und zum Teil auch dunklere Orchesterfarben, als man sie gemeinhin gewöhnt ist. Die Tontechnik sorgt für eine Abbildung der Partitur in dreidimensionaler Schärfe, bietet aber auch die Wärme, die einen unabdingbaren Bestandteil der Musik Liszts darstellt.

Doch der Originalklang allein ist es nicht, der für den Erfolg dieser Einspielung sorgt: Haselböcks Interpretation ist wie aus einem Guss geformt, wird der dämonischen Seite Liszts ebenso gerecht wie ihrer Weltabgewandheit und schließlich – im finalen „Magnificat‟ – religiösen Entrückung. Schade nur, dass der alternative Schluss der Sinfonie nicht auch noch eingespielt wurde – Platz genug wäre auf der CD gewesen. Dafür punktet Haselböck mit einer echten Rarität, der „Evocation à la Chapelle Sixtine‟, der Orchesterfassung eines Klavierwerks, das sowohl Allegris „Miserere‟ als auch Mozarts „Ave verum corpus‟ verarbeitet – ein besonders schönes Beispiel für die stille, fromme Seite des so vielfältigen und schwer greifbaren Komponisten Franz Liszt.

Interpretation 100%
Repertoirewert 100%

Franz Liszt – Dante-Sinfonie und Evocation à la Chapelle Sixtine
Orchester Wiener Akademie
Frauen des Chorus sine nomine
Leitung: Martin Haselböck
Aufgenommen 10 / 2010
New Classical Adventure / Harmonia mundi 60234, CD
TT: 59'

Wir laden Sie ein, diesen Artikel zu kommentieren. Bitte loggen Sie sich dazu ein. Falls Sie sich noch nicht registriert haben sollten: dies ist im Handumdrehen erledigt.

Banner
Banner
Banner
Banner
Banner
Banner
Banner
Banner
Banner
Banner
 
Banner
Banner