Der viel versprechende Beginn eines längst überfälligen Projekts: die Orchesterwerke Franz Liszts auf Originalinstrumenten. Interpretatorisch und klanglich bleiben keine Wünsche offen.
| Franz Liszt – Dante-Sinfonie und Evocation à la Chapelle Sixtine |
Dass Haselböck und seine Musiker zuallererst die „Dante-Sinfonie‟ präsentieren, ist ihnen zu danken, harrt doch diese faszinierende Komposition noch immer dem ihr gebührenden Status als zukunftsweisendes Meisterwerk. Auch findet sich in ihr eine der größten Orchesterbesetzungen, die Liszt vorschrieb: dreifaches Holz mit Piccolo, Englischhorn und Bassklarinette, zwei Pauken, Harfe und Harmonium – eine besonders lohnende Gelegenheit, den reichhaltigen Klang eines Liszt'schen „Originalorchesters‟ in all seinen Fassetten zu präsentieren. Positives Resultat des benutzten Instrumentariums ist vor allem eine – im Vergleich zu Einspielungen mit „modernem‟ Orchester – weit größere Transparenz. Wenig findet sich da vom Mischklang, den man gemeinhin mit Musik der „neudeutschen Schule‟ in Verbindung bringt. Vielmehr zeigt sich eine Verbindung zum terrassenartig angelegten Klangbild der Orgel. Insbesondere die Bläser sorgen zudem für intimere und zum Teil auch dunklere Orchesterfarben, als man sie gemeinhin gewöhnt ist. Die Tontechnik sorgt für eine Abbildung der Partitur in dreidimensionaler Schärfe, bietet aber auch die Wärme, die einen unabdingbaren Bestandteil der Musik Liszts darstellt.
Doch der Originalklang allein ist es nicht, der für den Erfolg dieser Einspielung sorgt: Haselböcks Interpretation ist wie aus einem Guss geformt, wird der dämonischen Seite Liszts ebenso gerecht wie ihrer Weltabgewandheit und schließlich – im finalen „Magnificat‟ – religiösen Entrückung. Schade nur, dass der alternative Schluss der Sinfonie nicht auch noch eingespielt wurde – Platz genug wäre auf der CD gewesen. Dafür punktet Haselböck mit einer echten Rarität, der „Evocation à la Chapelle Sixtine‟, der Orchesterfassung eines Klavierwerks, das sowohl Allegris „Miserere‟ als auch Mozarts „Ave verum corpus‟ verarbeitet – ein besonders schönes Beispiel für die stille, fromme Seite des so vielfältigen und schwer greifbaren Komponisten Franz Liszt.
| Interpretation | 100% |
| Repertoirewert | 100% |
| Franz Liszt – Dante-Sinfonie und Evocation à la Chapelle Sixtine |
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| Orchester Wiener Akademie |
| Frauen des Chorus sine nomine |
| Leitung: Martin Haselböck |
| Aufgenommen 10 / 2010 |
| New Classical Adventure / Harmonia mundi 60234, CD |
| TT: 59' |










