Wer kennt heute noch Byron Janis? Er war einer der faszinierendsten Virtuosen der mit herausragenden Talenten gut bestückten amerikanischen Klavierszene in den HiFi-verrückten Nachkriegsjahren: 1962 eroberte er sogar das rote Moskau.
| Byron Janis spielt Liszts Klavierkonzerte |
Schon nach den ersten Takten des energischen Soloeinstiegs ins Es-dur Konzert ist man gefessselt von der unglaublichen Präzision und Brillanz seines Spiel und man spürt Janis’ glühenden Gestaltungswillen, der ihn übrigens auch mit dem 14 Jahre älteren Kondraschin, damals schon Chefdirigent des führenden Moskauer Klangkörpers, verband. Die exzellente Klangqualität und die geradezu überfallartige Präsenz der frühen Stereo-Aufnahme, die jetzt gemeinsam mit dem zweiten Liszt-Konzert, ebenfalls in einem Mitschnitt aus Moskau, etwa die erste Hälfte der CD belegt, verdankt sich der damals weltweit führenden 3-Kanal-Aufnahmetechnik des Mercury-Labelchefs Robert C. Fine, der mit seinem eigenen Equipment in Moskau anreisen durfte: Das Foto des direkt vor der Basilius-Kathedrale parkenden Chevy-Trucks von Mercury Records ging damals um die ganze Welt. Man kann nur staunen über die interpretatorische Glut und den musikalischen Totaleinsatz aller Beteiligten, die uns noch nach so langer Zeit fesseln und den Atem rauben. Eine solche dämonische Eleganz und tollkühne Bravour, wie sie Byron Janis damals verkörperte, scheint heutigen Pianisten abhanden gekommen zu sein. Janis lebt noch, er ist 83 Jahre alt, musste sich aber infolge einer früh auftretenden Arthritis-Erkrankung schon in den 80er Jahren aus dem Konzertleben zurückziehen.
Sieben solistische Zugaben, die Janis damals ebenfalls in Moskau dem begeisterten russischen Publikum kredenzte, und die anschließend in den Staaten auf eine gesonderte LP gepresst wurden (und sich bestens verkauften), runden sehr eindrucksvoll das Bild des draufgängerischen amerikanischen Jungvirtuosen in jenen bewegten Zeiten ab, als der Ost-West-Konflikt auch künstlerisch die Grosswetterlage bestimmte. In der sechsten Ungarischen Rhapsodie, einem seiner Paradenummern, gelingt es Janis, sogar einen Lehrmeister Horowitz an roboterhafter Präzision und Tollkühnheit zu übertreffen.
| Interpretation | 90% |
| Editorischer Wert | 90% |
| Byron Janis spielt Liszts Klavierkonzerte |
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| Franz Liszt; Klavierkonzerte Nr.1 und Nr.2; Ungarische Rhapsodie Nr.6; Valse oubliée Nr.1; Petrarca-Sonett Nr.104; Robert Schumann : Romanze Fis-dur op.28 Nr.2; Novelette F-dur op.21 Nr.2; Manuel de Falla : Des Müllers Tanz aus «Der Dreispitz» Davud Guion: The Harmonica Player |
| Byron Janis, Klavier; Moskauer Philharmoniker, Kirill Kondraschin; Moskauer Rundfunk-Symphonieorchester, Gennadij |
| Roschdestwenskij. (Aufnahmen: Juni 1962. Oktober 1961) |
| Newton Classics 8802058 (stereo) |
| TT: 63’28 |













