Hier und jetzt startet eine neue Serie, in der wir Aufnahmen mit audiophil und gleichermaßen künstlerisch hohem Anspruch auf dem Weg zu einer Hifistatement-Liste „best recordings of all times“ vorstellen werden.
| LP-Wiederauflage der Columbia MS 6043 durch Impex Records |
Um mit den audiophilen Qualitäten der wiederaufgelegten MS 6043 zu beginnen: Wer die Cisco-Wiederauflage der Capitol SP 8374 besitzt und schätzt, wird auch diese LP ob ihres opulenten, saftigen, im Detail jedoch fein gesponnen, farbstarken Sounds auf Anhieb in sein audiophiles Herz schließen, ist die klangliche Marschrichtung beider LP's doch überraschenderweise die gleiche. Überraschend deshalb, weil manch originaler Capitol-LP durchaus audiophiler Status zugestanden wird, Columbias jedoch weniger, die sich in der Regel wegen eines zu stark höhenbetonten, anämischen und bassschwachen Sounds klanglich sowohl in US- wie europäischen Pressungen eher eines schlechten Rufs erfreuen. Dabei bestätigen Ausnahmen die Regel. Die MS 6043 ist eine solche löbliche Ausnahme, und das im Original aus dem Jahr 1959 ebenso wie in der Wiederauflage von Impex Records. Wie RCA auf dem Label Living Stereo und Living Presence nahm Columbia damals für eine beschränkte Zeit auf Dreispur-Bandmaschinen auf, die ebenso wie die übrige Aufnahmeelektronik mit Röhren bestückt waren, was sich im Falle des im Studio aufgenommenen Ravel-Konzerts in einer beeindruckenden Räumlichkeit und Körperlichkeit und stets in einer extra Portion Wärme manifestiert. All das findet sich auch auf der originalen MS 6043. Räumlichkeit und Körperlichkeit finden sich auch auf der Wiederauflage, jedoch mit größerer Abbildungsschärfe und mehr Details, was darauf zurückzuführen sein dürfte, dass die klangliche Wärme um einige Grade gesenkt wurde. Statt Extrawärme verbreitet die Wiederauflage Opulenz, glüht also gewissermaßen aus dem Innern heraus. Dank frei gelegter räumlicher Details findet sich der Hörer nunmehr unmittelbar vor dem Orchester wieder, gewissermaßen auf dem Dirigentenpodium, das ja auch dank des am Klavier sitzenden und von dort aus dirigierenden Leonard Bernstein frei für ihn ist. Eine durchaus ungewohnte, mitunter irritierende Hörposition, die sich unter anderem darin äußert, dass sich anstelle des klangintegrierenden Konzertsaaleindrucks eines mit Abstand vor dem Orchester sitzenden Hörers auf diesen unzählige, klangliche Einzelereignisse einstürmen, die vom Gehör erst einmal integriert werden wollen. Das ist mitunter ein wenig anstrengend, aber stets ausgesprochen faszinierend, befindet man sich doch in der originalen Hörposition des Dirigenten.
Beim Schostakowitsch findet man eher die gewohnte Konzertsaalakustik, ist dieses Konzert doch wie zahlreiche Aufnahmen mit den New Yorker Philharmonikern im Konzertsaal des Saint George Hotels in Manhattan auf ein Zweispurband aufgenommen worden, was ein wenig auf Kosten des Detailreichtums geht, an Opulenz jedoch keine Wünsche offen lässt.
Ich finde es jedenfalls attraktiv, zwei so unterschiedlich realisierte Konzertaufnahmen auf einer LP zur Verfügung zu haben, zumal beide höchstes audiophiles Niveau und eine das Medium Schallplatte als Ereignis feiernde Klangästhetik bieten, die sich von der heutigen, dem nüchternen Abbilden einer Aufnahmesituation zugetanen Ästhetik radikal unterscheidet.
Die audiophile Freude an der wiederaufgelegten MS 6043 verbindet sich glücklich und beglückend mit Interpretationen auf allerhöchstem Niveau, die auch heute noch zu den Referenzen des Ravel- und Schostakowitsch-Konzerten gezählt werden dürfen. Dieser Umstand hat mich durchaus überrascht, war die MS 6043 doch völlig aus meinem Fokus geraten angesichts der berühmten EMI-Aufnahme des Ravel-Konzerts mit Arturo Benedetti Michelangeli und dem Philharmonica Orchestra unter Ettore Gracis von 1957 (EMI ASD-255) und den zwischenzeitlich zahlreich verfügbaren Schostakowitsch-Aufnahmen. Schande über mich, erlebt man Bernstein – was man nun wirklich nicht von all seinen Klavieraufnahmen sagen kann, und schon gar nicht von seinen Mozart-Konzertaufnahmen mit den Wiener Philharmonikern auf Decca – bei Ravel bezüglich pianistischer Brillianz auf Michelangeli-Niveau, wobei der Italiener nüchtern quasi nur musiziert, während der Amerikaner gerade im langsamen Satz sein ganzes Herzblut verströmt. Die Ravel-Interpretation alleine verleiht der audiophilen MS 6043 Referenzstatus und verschafft ihr bei geöffneten Toren Zugang zur Hifistatement-Liste „best recordings of all times“, ohne die Interpretation des Schostakowitsch-Konzerts auf den zweiten Rang verweisen zu wollen, zeigt sich Lennie doch den jüngeren Pianisten auf allen Nachfolgeaufnahmen auf LP und CD als mindestens ebenbürtig, wenn nicht zumeist überlegen.
Pressung und Aufmachung der Impex-Wiederauflage sind dem hohen audiophilen und künstlerischem Niveau der MS 6043 würdig.
| AUDIO INT’L GmbH |
|---|
| Gontenheimer Str. 4 60437 Frankfurt am Main |
| Tel.: 069-503570 |
| Fax: 069-504733 |
| Email: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. |











