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Test: 

RipNAS Solid und ein paar Überlegungen zum Thema Rippen...

09.01.13  | Jürgen Saile
 
Wem der „mühsame“ Weg zum CD Laufwerk zu weit ist und außerdem kein Platz mehr zum Aufbewahren der CDs vorhanden ist, der wird seine Sammlung auf einer Computerfestplatte speichern. Hierfür hat sich der Begriff „rippen“ etabliert, wobei ich noch immer am Rätseln bin, ob das etwas mit Jack the Ripper zu tun haben könnte.
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Wie das technisch funktioniert und welche Software Möglichkeiten es hier gibt, kann man im Hifistatement Grundlagenartikel von Karl-Heinz Fink nachlesen. Als Musikliebhaber interessiert mich aber viel mehr, wie die klanglichen Unterschiede bei den einzelnen Methoden sind. Oder ob es überhaupt welche gibt.

Wegen der hohen Auflösung ist für einen derartigen Vergleich der Wolf von Langa A100i Lautsprecher wie geschaffen. Als Server diente La Rosita Beta, allerdings habe ich für diesen Test meinen eigenen DAC und meine Vorstufe verwendet. Der Borbely DAC bietet hier zusätzlich noch ein hohes Maß an Musikalität. Die Dateien wurden natürlich über Amarra abgespielt, weil das passende Plugin für LaRosita seinerzeit noch nicht verfügbar war. Zusätzlich wurden sämtliche Musiktitel auch über den brandneuen Ayon S-5 Server angehört, die gefundenen Ergebnisse haben sich auch damit bestätigt.

RipNAS Solid

Als erstes muss der Mac ran. Der Gaudi halber und zum Abgewöhnen habe ich einen Titel aus der iTunes Bibliothek meiner Tochter im komprimierten MP3 Format und einer Datenrate von 128 kbits/s geladen. ZZ Top, La Grange. Müde, schlapp, verhangen, kein Drive. Als wären die langen Bärte der Musiker irgendwie zwischen die Saiten geraten. Nun können beide oben genannten Geräte im Zusammenhang mit dem Lautsprecher aber mit einer explosiven Dynamik aufwarten; ich möchte deshalb nicht wissen, wie das MP3-File über einen Standardlautsprecher klingt. Die vielgepriesene Steigerung auf 192 kbits/s bei einem anderen Titel habe ich mir dann erspart. Ich hoffe nun nicht, dass das unsere Zukunft ist!

Für den Vergleich habe ich verschiedene Musikrichtungen herausgesucht, um einen möglichst umfassenden Überblick zu bekommen:
  • den zweiten Titel der CD Monteverdi mit Michel Godard, wegen der prägnanten Stimme von Gavino Murgia
  • Béla Bartók Music for Percussion, Strings and Celesta erster Satz, komplexe Musik mit massiven Streichereinsätzen
  • Modern Jazz Quartett Pyramid, hier in erster Linie wegen des obertonreichen Vibraphons.

Zunächst einmal wird über iTunes mit dem Apple Lossless Codierer gerippt. Lossless ist ein komprimiertes Format, ähnlich MP3, welches aber im Gegensatz zu diesem die Daten verlustfrei komprimiert. Die Dateien werden auf etwa 60 Prozent der Ausgangsgröße verkleinert, der Rechenaufwand zum Decodieren soll verhältnismäßig gering sein. Der Ripp-Vorgang wird zunächst ohne die mögliche Fehlerkorrektur gestartet, das Ganze dauert etwa 20 Sekunden pro Track. Das Ergebnis stellt sozusagen die Basisversion dar.

Die Frage ist jetzt, ändert sich etwas tonal, wenn ich die Fehlerkorrektur einschalte? Manche Hersteller raten ja davon ab. Hier muss man schon genau hinhören, aber die Wiedergabe ist nun im Hochtonbereich minimal belegter, mit der Betonung auf minimal. Man hört dies nur im direkten Vergleich, aber es ist nachvollziehbar. Ob dies auch noch nach einem halben Glas Rotwein der Fall ist, müsste man noch probieren.

Beim Import über iTunes sollte das Häkchen bei der Fehlerkorrektur nicht gesetzt sein. Im ersten Feld kann man zwischen den von Apple angebotenen Codecs auswählen
Als nächstes wird der iTunes Codierer auf das Apple Format AIFF eingestellt. AIFF speichert die Daten unkomprimiert mit einer Bitrate von 1411 kbits/s. Die Dateien sind mit dem Original PCM Format der CD nahezu identisch. Der Auslesevorgang bleibt unverändert, lediglich das Speicherformat ist anders. Die Auslesezeit beträgt deshalb ebenfalls circa 20 Sekunden. Im Vergleich zu der komprimierten Lossless Version wirken die Streicher bei der Bartók Aufnahme transparenter. Rein technisch gesehen dürfte dies nicht sein, aber offensichtlich wirkt sich der zusätzliche Rechenvorgang für die Dekompression doch auf das Klanggeschehen aus. Bei der markanten Stimme von Gavino Murgia ist der Unterschied ebenfalls hörbar, aber weniger deutlich. Bei Lady Gaga wahrscheinlich noch weniger. Die AIFF Variante mit eingeschalteter der Fehlerkorrektur überspielt zeigt den gleichen Effekt wie bei Lossless, so dass ich zukünftig auf diesen Vergleich verzichten werde.
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KommentareKommentarliste aktualisieren

 
#5 tomreiner 2013-01-14 22:20
Hab heute mal ein bisschen gespielt, und Wave-Dateien in ALAC und FLAC umgewandelt und dann zurück. Tatsache ist: Die zurück-gewandelte Datei bleibt relevant kleiner als die Ausgangs-WAV. Dazu kommt: Unterschiedlich e Konverter erzeugen ganz unterschiedlich e Dateigrößen. Damit ist zumindest klar, dass FLAC und ALAC anders funktionieren als ZIP: Sie nehmen Daten aus dem File heraus, die nicht wieder hergestellt werden können. Das ist natürlich spannend - jetzt müsste man sich die Spezifikationen der einzelnen Codecs ansehen, um festzustellen, was da eventuell gelöscht wird. Damit ist aber klar, dass es - zumindest theoretisch - hörbare Unterschiede geben kann, auch im "Lossless"-Format. Damit stellt sich natürlich auch die Frage, für welches Format man sich für die Archivierung seiner Musik entscheidet, völlig neu.
 
 
#4 tomreiner 2013-01-13 23:28
Server - Teil 2:

Diese Konstellation ist, seit ich 2008 in das Thema Streaming eingestiegen bin, die mit Abstand komfortabelste:
- Kein zusätzlicher Server - die bei weitem niedrigste Fehlerrate aller Konfigurationen bisher
- Alles in iTunes im Apple Lossless Format, über iTunes Match Zugriff weltweit
- Bedienbar über Apple Remote auf dem iPad - die mit Abstand zuverlässigste Lösung von allen
- Einfachste Synchronisation mit iPad/iPod
- Bester Klang durch Nutzung der hervorragenden Wandler- und Analog-Sektion meines Spitzen-CD-Players
- Einfache Datensicherung (externe Firewire-Festplatte, regelmäßige Sicherungen des iTunes-Ordners. Match sichert keine ALAC-Formate, deshalb muss trotzdem gesichert werden!)
- Wenn ich mal ein anderes Format brauche (wie derzeit noch FLAC für den AK-100), dann exportiere ich einfach ein Album in einen Ordner. Piece of cake.

Erstaunlicherwe ise wird solch ein Setup in keinem Hifi-Magazin beschrieben, dabei wäre es mit Bordmitteln sicherlich in vielen Haushalten umsetzbar, es spart den Streamer und den Server gleichermaßen, lediglich ein passabler USB-DAC tut natürlich not, wenn der CD-Player keinen digitalen Eingang hat. Natürlich weiß ich nach 25 Jahren in den Medien, dass die redaktionelle Nichtbeachtung eigentlich gar nicht sooo erstaunlich ist. Honi soit qui mal y pense.
 
 
#3 tomreiner 2013-01-13 23:27
Server - Teil 1:

Server halte ich für grundsätzlich nicht notwendig. Meine Lösung: iMac neben der Anlage, über einen USB->S/P-DIF-Adapter in den DAC meines CD-Laufwerkes. Der iMac ist eh völlig lautlos. CDs rippen kann ich auch völlig automatisch (reinlegen, warten, nach dem Ausspucken wieder rausnehmen). Die Meta-Daten muss ich in jedem Fall nachbearbeiten, schon, weil ich meine eigene Auffassung zum Thema "Genre" habe (in den öffentlichen Datenbanken, die ja alle auf dem Wege des Cloudsourcing betrieben werden, steht Peter Gabriel mal unter Rock, mal unter Pop, mal unter Singer/Songwriter). Die Nachbearbeitung in iTunes geht sogar noch etwas leichter von der Hand als über eine Konsole auf so einem Server.

In dieser Konstruktion ist das Netzwerk völlig draußen (abgesehen vom Internet-Zugang des PCs). Ich habe ein Gerät weniger, das ich updaten, neustarten, reinigen, reparieren etc. muss, und ein Gerät weniger, auf dem ich Software pflegen muss. (Denn, machen wir uns nichts vor, als reine Blackbox wird kaum jemand so einen "Rip-Server" betreiben, schon wegen der oben erwähnten Metadaten, aber auch wegen der notwendigen Datensicherung, die man ja mal überprüfen muss. Ein zusätzlicher Mac/PC wird also immer noch dabei sein.)
 
 
#2 tomreiner 2013-01-13 23:24
Diesen Aspekt finde ich fast am spannendsten, weil er Auswirkungen auf unseren täglichen Umgang mit den Musik-Files haben könnte:

Was ich gar nicht verstehe, ist der Qualitätsverlus t eines mehrfach zwischen ALAC und AIFF umkodierten Musikstückes. Wenn ALAC funktioniert wie ZIP, dann müsste bei jeder Dekomprimierung die Original-Datei wieder entstehen. Demzufolge müsste jede erneute Komprimierung (den gleichen Codec vorausgesetzt), zu exakt demselben Ergebnis führen wie die erste Umwandlung. Wenn das nicht so ist, wäre der ALAC oder FLAC Codec nicht verlustfrei. Dies sollte man eigentlich mit etwas IT-Verstand zweifelsfrei feststellen können, wäre ja mal eine Aufgabe für ein engagiertes Hifi-Magazin (dekomprimierte Datei mit der Ausgangsdatei auf Bit-Ebene vergleichen).
 
 
#1 tomreiner 2013-01-13 23:23
Anmerkung 1: Ripping-Software

Grundsätzlich gibt es zu den Ripping-Programmen sehr unterschiedlich e Meinungen. In der breiten Community im Netz gilt Exact Audio Copy (EAC) als das Maß der Dinge, darauf schwörte man früher auch im Forum des Linn DS. Ich glaube, das hat viel mit Attitüde zu tun, EAC war halt ein Open Source Projekt und hatte so ein bisschen einen edlen Außenseiter-Nimbus. Die Zeitschrift Stereo hat beispielsweise lange das Hohelied auf iTunes gesungen, was natürlich unter echten Highendern für Bestürzung gesorgt hat. Sie empfehlen es heute noch.

Die Unterschiede sind mir nicht ganz klar, auch nicht bei den richtigen oder falschen Laufwerken. Entweder ich lese bitgenau aus oder ich tue das nicht. Ein schlechtes Laufwerk wird die Fehlerkorrektur häufiger anspringen lassen, was den Vorgang verlangsamt, und am Ende vielleicht das Auslesen unmöglich machen, aber es kann ja eigentlich nicht im analogen Sinne zu "schlechteren" Ergebnissen führen. Was wäre denn, wenn die Bits auf dem Datenträger nicht Musik wären, sondern beispielsweise Inhalte einer Patienten-Datenbank?

Dass es beim Codieren Unterschiede gibt, halte ich für nachvollziehbar , weil es unterschiedlich e Anbieter für Codecs gibt - und wieso sollte nicht ein Programmierer das Komprimieren von MP3s besser können als ein anderer? Wenn es nur einen Codec gibt, wie bei Apple Lossless, verstehe ich es nicht - es sei denn, es werden unterschiedlich e Versionen eingesetzt.

Spannend finde ich ferner die Beobachtung, dass AIFF besser klingt als ALAC - da ja beide Lossless sind. Das würde bedeuten, dass die Dekomprimierung des ALAC-Signals vielleicht den Rechner belastet, selbst wenn das Ergebnis am Ende Lossless ist, so dass das "Füttern" mit einem von vorne herein unkomprimierten Format ein besseres Ergebnis zeitigt. Das Problem ist hier allerdings der Speicherplatz, AIFF (wie auch das unter Windows verbreitete WAV) produziert echt große Brocken.
 

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