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Test: 

Tangentialtonarm Kuzma Airline - Seite 3

15.12.09  | Helmut Rohrwild
 
Große Klasse! Ich möchte aber nicht verhehlen, dass dieses System erst seit einer Kryogenisierungskur so musikdienlich spielt. Dass es dazu einer hochkarätige Phonostufe bedarf, versteht sich von selbst. Hier war es die Audia Flight Phono, die mit dem Grashüpfer bestens harmonierte.

Weiter ging es mit dem Ortofon Venice, das dem Grashopper III GMA insgesamt nicht nachstand, allerdings die Parameter der Wiedergabe etwas anders gewichtete. Zugunsten üppigerer Klangfarben werden Details weniger prominent dargeboten, ohne dass man da etwas vermissen würde. Dynamisch langt es eine Spur weniger heftig hin, was aber keinesfalls zu Mangelerscheinungen führt. Auch das eine klasse Vorstellung!

Zwei weitere MC-Systeme habe ich danach noch probiert, das Kuzma KC-1 und das Goldenote Verona. Da für beide eigene Berichte in Vorbereitung sind, beschränke ich mich an dieser Stelle auf die Aussage, dass beide MCs im Airline zu großer Form auflaufen.

Nach diesen doch recht verschiedenen Tonabnehmern kann ich als prägende Eigenschaften des Kuzma Airline zwei Aspekte benennen – sowohl die Fähigkeit, ganz verschiedenen Systemen ihre jeweiligen Meriten vollständig zu entlocken, als auch immer eine über die ganze Plattenseite gleichbleibend konstante Raumabbildung zu liefern. Es ist immer wieder beeindruckend, wie luftig und gleichzeitig präzise die Klangbilder sind. Musikalische Binnenstrukturen sind mit einem offenen Blick auf musikalische Landschaften mühelos bis in die allerfeinsten Verästelungen zu hören. Sehr beeindruckend!

Der Vergleich zu Drehtonarmen gleicher Klasse – hier Kuzmas eigener 4 Point, Schröder Reference oder VPI JMW 12.5 – fällt in etwa so aus wie der Vergleich zwischen Flächenstrahlern à la Analysis Audio Epsilon und dynamischen Lautsprechern, wie beispielsweise die Pioneer S1-EX: Federnd, sehr schnell und präzise, mit weiter und luftiger Raumdarstellung die Flächenstrahler respektive der Airline, dagegen der dynamische Lautsprecher, und analog Drehtonarme, mit mehr Wucht und Nachdruck, physisch spürbar und mit einer minimal kompakteren Raumdarstellung. Um es ganz klar zu sagen: Eine definitive Überlegenheit des einen oder anderen Tonarmprinzips kann man daraus nicht ableiten, nur eine unterschiedliche Gewichtung einzelner Aspekte.

Und jetzt – wie angekündigt – nochmal zum London Reference Cartridge. Da kreuzten sich zwei Dinge: Der Airline harrt nach dem Photoshooting seiner Abholung bei mir und ein neues Laufwerk hat sich eingefunden, der Woodpecker von Dr. Feickert Analogue. Auf eine seiner mitgelieferten Basen passt der Aufnahmering für den Kuzma Airline wie auch für den 4 Point. Da konnte ich meiner analogen Neugier auf die Kombination DFA Woodpecker mit Airline und auch 4 Point einfach nicht widerstehen. Die Montage ging dann auch schnell vonstatten, allerdings nur die des Arms, denn ich wollte nochmal das London Reference Cartridge einbauen, diesmal aber mit dem Cartridge Isolator vom Cartridge Man. Die Aktion entwickelte sich zum Geduldsspiel, da ich den Isolator von seinen verklebten Schrauben befreit habe und deshalb mit Schraube und Mutter hantieren musste. Ganz schnell war aber klar, dass sich die Fummelei gelohnt hat, denn dank des Cartridge Isolators (der nach wie vor heftig umstritten ist), hat sich das Problem mit der zu hoch liegenden Resonanzfrequenz erledigt: Das oben beschriebene unwirsche Klangbild ist nun eindeutig Geschichte. Das LRC spielte in dieser Konfiguration einfach exzellent, wunderschön ausgewogen über den gesamten Frequenzbereich, prunkte mit einer fein abgestuften Palette an Klangfarben und einer sehr glaubhaften Raumdarstellung mit präziser Anordnung der Interpreten. Dynamisch lässt das LRC, wie alle Systeme vom Stamme Decca, nichts zu wünschen übrig, von feinsten Schattierungen bis zu eruptiven Ausbrüchen wird ansatz- und mühelos alles geboten. Das ist Musik pur, ist nur noch abhängig von der Güte der jeweiligen LP und völlig unabhängig vom musikalischen Genre.

Es wurden die Phonoverstärker Brocksieper Phonomax, Audia Flight Phono, Nagra BPS SE, Harmony Design V9 und V9T verwendet. Luxman C 600f, Harmony Design Pre9 und meine Stax SR 14 S übernahmen den Vorverstärkerpart und steuerten Bongiornos Son of Ampzilla, meine Brocksieper LC 807 und die Luxman M 600A über HMS Sestetto NF-Kabel an. Lautsprecher waren die Pioneer S1-EX und meine Outsider Equipe.

STATEMENT

Der Kuzma Airline ist eine bis ins Detail durchdachte technische Meisterleistung mit einem makellosen Finish. Angemessene Tonabnehmer bringt er problemlos und sicher zu ihrem Leistungsmaximum. Echte Kritikpunkte gibt es keine, vorausgesetzt, die beschriebenen Rahmenbedingungen werden eingehalten. Ganz sicher einer der besten Tonarme, die man derzeit kaufen kann. Wer ihn sich leisten kann, sollte ihn unbedingt ausprobieren.

Drehtonarm Kuzma 4 Point – eine Nachbetrachtung

Zwar habe ich den 4 Point schon andernorts besprochen. Als mir der Vertrieb aber angeboten hat, den Arm nach einer Neuverkabelung nochmal zur Verfügung zu stellen, konnte ich schlicht nicht nein sagen. Das gibt mir die Gelegenheit, eine irreführende Formulierung in dem damaligen Artikel richtig zu stellen: Das Crystal Cable ist zwischen den Anschlusspins für den Tonabnehmer und der Anschlussbox doppelt ausgeführt.

Abb. 8
Ein Kabelset endet in der Anschlussbox beziehungsweise an den darin montierten Cinchbuchsen. Das zweite Kabelquartett geht ohne (!) Unterbrechung im reichlich langen Anschlusskabel weiter, um schließlich in einem Paar Silver Bullet Plugs zu enden. Das eröffnet eine ganze Reihe von Anschlussmöglichkeiten: Direkt mit dem Anschlusskabel zur Phonostufe, wobei man die Cinchbuchsen in der Anschlussbox für Anpasswiderstände verwenden kann, falls die Phonostufe da keine Möglichkeit bietet. Das Anschlusskabel kann man alternativ außen vor lassen und nur die Cinchbuchsen mit einem Phonokabel eigener Wahl belegen. Auch möglich ist der gleichzeitige Anschluss von zwei Phonostufen, wobei dann natürlich die Abschlusswiderstände zu berücksichtigen sind. Dem Spieltrieb, der ja oftmals das analoge Hobby treibt, bietet sich so freie Bahn.

Montiert habe ich den 4 Point diesmal auf dem Woodpecker von DFA und ihn sowohl mit dem Kuzma KC-1 als auch dem van den Hul Grashopper III GMA betrieben. Auch mit diesem Laufwerk harmoniert der 4 Point ganz prächtig und entlockte den Tonabnehmern ihre Fähigkeiten voll und ganz. Den Vergleich mit dem Airline habe ich bereits weiter oben beschrieben. Und meine damalige Einstufung des 4 Point als absoluten Spitzentonarm bleibt ohne jede Einschränkung bestehen.

Ein Postscriptum: Bevor der 4 Point endgültig seine Heimreise antrat, bin ich noch einer Leseranfrage nachgegangen. Darin ging es um das London Reference Cartridge, dem ich leider ein untragbares Resonanzverhalten in diesem Tonarm attestieren musste. Horizontale Ausschläge von mehreren Millimetern, die zudem noch deutlich oberhalb 10 Hz auftreten, sind ganz einfach nicht zu tolerieren.

Die Erfahrungen mit der Kombination LRC + Cartrigde Isolator am Kuzma Airline haben mich bewogen, die Kombi LRC + Isolator auch am Kuzma 4 Point zu probieren, ganz im Sinne der Leseranfrage und natürlich auch aus eigener Neugier. Dank der abnehmbaren Headshell des 4 Point ging die Montage des Tonabnehmers mit dem Cartridge Isolator schnell von der Hand. Laufwerk war wieder der DFA Woodpecker, die Verstärkung der Phonosignale übernahm der Audia Flight Phono. Zuerst habe ich adjust+ bemüht, um mir unnötige Hörstunden zu ersparen. Der Frequenzgang zeigt sich nahezu vorbildlich, mit einem sanften Anstieg zum Tiefton hin und einer verhältnismäßig milden Überhöhung im Hochton. Die Resonanzen sind (leider) immer noch vorhanden, aber sehr deutlich abgemildert. Also auf zum Hörtest, der absolut keine Ansatzpunkte für Kritik lieferte. Ganz im Gegenteil würde ich die Kombination sogar auf das gleiche Niveau stellen wie die mit dem Airline. Die unterschiedliche Diktion äußert sich in einem etwas nachdrücklicheren Bassbereich und einer kompakteren Räumlichkeit – letztlich Geschmackssache. Also: In Verbindung mit dem Cartridge Isolator spielt das London Reference am 4 Point hervorragend auf, was die Spitzenstellung beider Komponenten ganz eindeutig belegt.

HERSTELLERANGABEN
Tangentialtonarm Kuzma Airline
Preis Airline 8250,- €
Preis 4 Point 4950,- €
Garantie 2 Jahre

VERTRIEB
Gaudios
Adresse Brandhofgasse 11
A-8010 Graz
Telefon 0043 (0)316 337175
Internet www.gaudios.info
E-Mail Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.
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KommentareKommentarliste aktualisieren

 
#1 Bernhard 2012-01-26 20:16
Hallo Hifi Team,
habe mit Interesse euren Test des Kuzma Airline gelesen.
Ich weiss nicht wie lange ihr zurückschaut, aber es gab schon vor über 30 Jahren High End Laufwerke mit Tangentialtonar m, die nicht annähernd so abenteuerlich teuer waren und trotzdem einen Vergleich mit diesem nicht scheuen brauchen.
Sicher habt ihr schon mal was vom Pioneer PLL-1000 Laufwerk mit Tangentialtonar m, bewegt durch einen Linearmotor - sicher die intelligenteste Lösung um das Rumpeln eines schnell drehenden Motors wie z.B. beim Revox Tangential jener Zeit zu vermeiden.
Ich besitze seit 1979!! einen und hab nach mehreren anderen Systemen ein Audio Technica 20SLa mit Shibata Diamant dran - das Teil hat mich damals DM1000.- plus DM250.-für das AT und er funktioniert heute noch perfekt. Ich bin sicher - vom Design sowie von der Steuerung des Tonarms wäre das Teil immer noch konkurrenzfähig , aber ohne HighEnd Preis. Natürlich würde man heute die Steuerung mit einem einzigen Prozessor hinbekommen und bräuchte nicht x- ICs wie damals. Ich hab das Service Manual - der Hammer.
Was den Pioneer, ganz abgesehen vom Design vom Revox von damals unterscheidet ist, dass er Auslenkungen in beide Richtungen erkennt und ausregelt, d.h. auch keine Probleme mit welligen LPs hat, welche meines Wissens der Revox gar nicht mochte.
Die Gleichlaufschwa nkungen hatte Pioneer mit PhaseLockLoop schon damals im Griff, zumal der Plattenteller eine dynamisch gewuchtete Einheit zusammen mit dem Direktantrieb war.
Mich würde wirklich interessieren wie der PLL-1000 im Vergleich zu einem heutigen High End Gerät abschneidet!!!
Beste Grüsse Bernhard
 

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