In Zusammenarbeit mit der BBC erforschte KEF-Begründer Raymond Cooke einst die Grenzen und Möglichkeiten der Lautsprechertechnologie. Heraus kam ein Studiomonitor, der nach Neutralitätskriterien zur Legende wurde. Die neuen Winzlinge aus der XQ-Serie zeigen ähnliche Qualitäten und bringen als 2.1-Set sogar Tiefbassunterstützung mit. Der Autor ging auf Spurensuche.
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| Abb. 1 |
Cookes KEF-Historie
1961 gründete Raymond Cooke die Firma KEF auf dem Gelände eines Metallverarbeitungsbetriebes mit dem Namen „Kent Engineering & Foundry“. Sein Ziel war die Verbesserung der zeitgenössischen Lautsprechertechnik durch neue Materialien und Technologien. Um ungestört experimentieren zu können, bezog der ehemalige Elektroingenieur der BBC eine kleine Wellblechhütte auf dem Firmengelände. Mit seinem ehemaligen Arbeitgeber kam Cooke bald wieder ins Geschäft. Die BBC entwickelte zwar die Prototypen ihrer Studiomonitore selbst, konnte diese jedoch nicht in Serie produzieren. Das war Cookes Chance. Er übernahm die Produktion aller weiteren Monitorlautsprecher. Als Ende der 60-er Jahre die BBC neue, mobile Tonstudios ausstatten wollte, bekam KEF einen historischen Auftrag: Gesucht wurde ein akustisches Äquivalent zu Vollbereichslautsprechern – eine sehr kompakte Box mit einem Frequenzgang von bis zu 100 Kilohertz! Derart leistungsfähige Membranen mussten erst noch erfunden werden. Die folgende Flut von Entwicklungsmodellen gibt Zeugnis von den eifrigen Bemühungen: LS5/2, LS3/4, LS5/5, LS3/5. 1974 gelang schließlich die entscheidende Entwicklung – ein kleiner Monitorlautsprecher, der so verfärbungsarm war, dass er zum „BBC Standard for Loudspeakers“ wurde: die LS3/5A. Das System funktionierte so gut, dass die BBC Lizenzen an die Lautsprecherhersteller verteilte. Schon mal von einer Rogers LS3/5A gehört? Oder von einer Spendor LS3/5A? Oder von einer Harbeth LS3/5A? Wie auf der Website von KEF zu lesen ist, betrachten heute viele Audiophile die KEF XQ10 als legitimen Erben der hochgeschätzten LS3/5A.
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| Abb. 2 |
Kimme und KEF
Umso respektvoller lege ich die kleinen XQ10 auf die mitgelieferte, abgerundete Gummimatte. Mit ihrem bauchigen Körper gleitet sie perfekt in die rutschfeste Form. Meine noch leeren, 65 Zentimeter hohen Dynaudio-Stands fülle ich mit fünf Kilogramm Vogelsand. Dessen süßlicher Duft liegt noch in der Luft, als ich die Spikes tief in die Gewinde der Stative schraube. Dann lege ich die glänzenden Metallteller vorsichtig unter die Spitzen der Spikes, um die Dielen zu schonen. Es dampft immer noch leicht aus den sandgefüllten Rohren, als ich die XQ10 auf die soliden und schweren Stands hieve. Schließlich ersetze ich die mitgelieferten versilberten Brücken und stecke das weiße Chord Carnival Silverscreen in die Anschlussbuchsen auf der Lautsprecherrückseite. Ein leises „Klack“ quittiert den sicheren Sitz der Bananenstecker. So präpariert blickt die 30 Zentimeter hohe XQ10, aufrecht und doch grazil, von ihrem Ständer auf meinen Hörplatz: Sie ist bereit – sie will spielen.
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| Abb. 3 |
2.1 KEF-Set
Nun nur noch schnell das drei Meter lange QED-Reference Silver vom Pre-Out des kleinen NAD-Vollverstärkers mit dem aktiven XQ60b Subwoofer – übrigens eine riesige ovale Tonne mit einer 30 Zentimeter Membran – verbinden, die Trennfrequenz des Subwoofers bis zum Anschlag (140 Hertz) und seine Lautstärke auf moderaten Pegel einstellen, und los geht’s mit Marla Glenn’s 95-er Soulrock-Dancefloor Mélange Love & Respect. Mit dessen zentnerschweren und treibenden Grooves gehe ich auf die Suche nach der richtigen Mischung aus Band und Bassist. Durch sein Downfire-Prinzip stellt sich der Subwoofer als aufstellungsunkritischer Spielpartner heraus. Da die richtige Trennfrequenz aber von der individuellen Raumakustik abhängt, hilft hier nur ausprobieren. Ein langes NF-Kabel hilft natürlich ebenso – um nicht vorzeitig an die Grenzen der individuellen Aufstellungsfreiheit zu kommen. Nach einigen Versuchen zwischen den beiden XQ10 integriert sich der XQ60b sogar außerhalb des Stereodreiecks richtig gut. Ja – sogar so gut, dass man ihn kaum heraushören kann. Wenn es dennoch wummern sollte, hilft die Bedienung des Phasenreglers, um die Membran entgegengesetzt schwingen zu lassen. So hat man wenigstens eine Chance, der Raumakustik ein Schnippchen zu schlagen.
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| Abb. 4 |
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