KEFF, KEFF! Grrrrrrr…….
Die grazile XQ10 zeigt sich schon bald von ihrer härtesten Seite. Wie ein verspielter kleiner Boxer, der partout nicht das kostspielige neue Halsband anlegen will, zeigt mir der frische Schallwandler seine akustische Bissigkeit. Und das, obwohl Lautsprecher samt Kabel längst eingespielt sind! Mein Blick fällt auf das neue Crown-Waveguide-Device, das mir plötzlich wie eine Ansammlung von messerscharfen Zähnen vorkommt. Nein, das kann es nicht sein.
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| Abb. 5 |
KEFologie
Wer hier eigentlich der Spielverderber ist, stellt sich bald heraus: das Chord Carnival Silverscreen. Mit einem Kimber 4PR oder Van Den Hul CS-122 klingt die XQ10 wie ausgewechselt. Aus gepresst wird gelöst, die so wichtigen Mitten sind befreit und eine weit aufgezogene Klangbühne treibt mir ein Lächeln auf die Ohren. War doch gar nicht so schwer. Manchmal kann eben schon ein Signalkabel den Spaß am Hörgenuss verderben und die Qualitäten eines guten Schallwandlers zurückhalten.
Sie glauben, die Rückwand hinter den Boxen sei massiv? Dann schließen sie doch mal die Augen und werfen ein Ohr auf die XQ10: Eine gute Aufnahme vorausgesetzt, verliert die Wohnwand schnell an Substanz, um kurz darauf völlig zu verschwinden. Die Abbildung ist natürlich nicht gewaltig groß, dennoch liefern die 13 Zentimeter kleinen Membranen größere Klangräume, als man vermuten würde. In eine Garage oder Wohnhalle würde ich die Boxenzwerge deshalb aber nicht hineinstellen – als Spielzimmer eignen sich eher 20 bis 25 Quadratmeter.
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| Abb. 6 |
Das Uni-Q ist ein KEF-Patent. Die so genannte Punktschallquelle. Bei diesem koaxialen Prinzip gilt: Der Hochtöner sitzt im akustischen Zentrum des Tieftöners. Noch bis in die frühen 80-er Jahre konnte man eine solche „zeitrichtige“ Punktschallquelle nicht realisieren. Die verfügbaren Hochtöner waren aufgrund der schweren und ineffizienten Ferromagnete zu groß. Man versuchte, den Hochtöner vor und auch hinter der Basseinheit einzusetzen – doch eine homogene Schallabstrahlung war so nicht möglich. Raymond Cooke und sein Entwicklerteam konnten sich glücklich schätzen, denn 1988 warf die Nasa einen Magnetwerkstoff namens Neodym-Eisen-Bor auf den Markt, dessen zehnmal höhere Magnetstärke schließlich die notwendige Verkleinerung des Hochtöners ermöglichte. Heute baut KEF das Uni-Q-Chassis in nahezu alle Produktlinien ein. Die aktuelle Variante bekam noch ein so genanntes Crown-Waveguide-Device spendiert: Was wie eine Ansammlung von kleinen metallischen Haifischflossen anmutet, soll helfen, den Schall im Raum gleichmäßiger zu verteilen. Auch wird so das Eindrücken des Hochtöners erschwert. Mal sehen, was noch so mitgeliefert wurde: Drei Spikes samt Unterlegscheiben, um etwaige „Rumpelreste“ abzuleiten. Zwei magnetische Gitter, um die silberne Membran zu verdecken – eigentlich zu schade! Zwei Stopfen fürs Bassreflexrohr, um den grummeligen Tiefton bei wandnaher Aufstellung zu umgehen. Gegen die elegante, bauchige Form der XQ10 habe ich eigentlich auch nichts – hilft gegen stehende Wellen im Gehäuse. Und? Und übrigens bekommt man ein sehr schönes Mikrofasertuch in jedem Drogeriehandel – fürs Entstauben der Hochglanz-Oberfläche.
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| Abb. 7 |
KEF`o Manie!
Die Box verlangt nach kraftvoll klingender Elektronik. Der günstige Tipp: NAD 525Bee Stereokomponenten. Dann lege ich noch mal auf: „Blue Drag“ – einen Swing der New Orleans Jazz Vipers. Als die Posaune mir ihre knatternden Salven aus der Tiefe des Raumes lustvoll entgegenschmettert, wird mir klar, wie groß dieses kleine 2.1-Set spielen kann. Die Abbildung gelingt dabei so gut, dass man sich fast selbst im Aufnahmeraum wähnt, um den Musikern bei ihrem unbändigen Spiel zuzusehen: eine fast holographische Durchsichtigkeit und Tiefe – sorgfältige Aufstellung der XQ10 vorausgesetzt. Bei weniger Sorgfalt sollte man die Treiber wenigstens im gleichen Abstand zur Wand aufstellen und etwas über zehn Grad am Ohr vorbeizielen lassen, so dass man vom Hörplatz die Innenwände der Gehäuses sehen kann.
Ein Blick auf die Rückseite des Subwoofers offenbart noch zusätzliche Anschlüsse für Lautsprecherkabel – glücklicherweise! Darüber gelingt die Anbindung des KEF-Bassisten an den kleinen NAD-Vollverstärker homogener und der Bass klingt natürlicher. So erwische ich mich bald auf der Suche nach den treibenden Soulnummern von Tower of Power. Der knackige Groove des „South of the Boulevard“ schickt mich schnell in eine – sagen wir mal – lustvolle Konzentrationslosigkeit. Für heute ist Schluss mit der ermüdenden Analyse!
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| Abb. 8 |
Eine derart abgeschmeckte NAD-KEF-Kette setzt alle Arten von Rock, Pop und elektronischer Musik ansprechend um. Und das mit Tiefbass-Garantie. Man kann nebenbei mitwippen oder – je nach Temperament – wild abtanzen. Feinste Stimmungen kann diese Kette jedoch nicht garantieren. Klassik, Jazz und Fusion-Hörer, die der Musik bewusster zuhören wollen, sollten deshalb lieber auf hochauflösende und warme Elektronik setzen. Der etwas nüchterne NAD muss weichen – ein Unison Unico wärmt sich auf. Die italienisch-britische Mischung trieb mir schon oft vor Freude angenehme Schauer über die Ohren. Kaum 30 Minuten später ist der ewige Klangsucher in mir zufrieden: Mit dem italienischen Röhrenhybrid gelingen den KEF stimmungsvolle und authentische Klangkörper, die so bisher nicht erfahrbar waren. Komplexe Musik, wie „Aèr tranquillo“ von der österreichischen Mozartband – eine feingliedrige und dynamisch-anspruchsvolle Mélange aus Opernklassik und Rock – entschlüsselt die Kette nun mit einnehmender Musikalität. Musik, die durch die NAD-Elektronik „nur“ wiedergegeben wurde, verwandelt das Unico-KEF-Duo in ein saftig-aromatisches Erlebnis. Vollenweiders „Long Road to you“ – eine kammermusikalische Klangreise voll sanft gezupfter Geigen, überlagert von einer schwebenden italienischen Tonflöte – baut in dieser Konfiguration eine so zwingende Intensität auf, dass Weghören einfach passé ist und mein Kopf sich bald darauf mit einem freundlichen „arrivederci“ verabschiedet.
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