Test: 

Devilsound USB DAC

16.02.10  | Danny Kaey
 
Der Teufel hat's in sich. Keine Angst, dies wird kein Artikel über Religion, das Sein oder Nicht-Sein, sondern vielmehr über die Möglichkeit, die gesamte High-End Struktur von Grund auf neu zu gestalten. Kann es sein, dass eben dieses kleine Ding, der Devilsound USB Wandler, für sage und schreibe 399 Dollar, das Wunder schlechthin ist und es ermöglichen wird, eine neue Generation von iTunes/iPod-Mädels und -Jungs ins High-End Lager zu bringen?

Abb. 1
Es ist irgendwie passend, dass ich im ersten Artikel für diese Seiten gerade über solch ein Produkt berichte. Sie fragen sich, wieso passend? Ich habe jahrelang davon gesprochen, dass in nicht all zu ferner Zukunft Computer-Hifi, sprich Streaming vom PC/Mac, die gute alte Compact Disc ablösen wird – und Vinyl ja leider sowieso. Der kleine, feine Devilsound USB DAC ist ein Produkt von zwei Jungs, die zwar leise, dafür aber mit viel Dampf hier im sonnigen Southern California vor sich hin tüfteln. Das Interessante dabei ist, dass weder Jonathan, noch sein Kollege Aaron als „Audiophile“ in der Szene bekannt sind, was ihnen irgendwie einen Heimvorteil gibt. Wenn die beiden mit ihrer Firma auf die Nase fallen sollten, wird es kein großes Trara darüber geben. Man bedenke nur, wie viele „Start-Ups“ pro Jahr wieder im Boden versinken. Wenn es den beiden aber gelingen sollte, hier tatsächlich ein Produkt auf die Beine zu stellen, das als Brücke zu iTunes dienen kann, dann sollte dies eigentlich gut für alle sein.
 
Abb. 2
Die Musik-Wiedergabe hat sich im letzten Jahrzehnt doch recht stark geändert. War früher mal die Compact Disc das dominante Medium, das quasi der Dienstwagen einer ganzen Musik-Generation war, sieht man sie heute eigentlich nur mehr auf den letzten Schritten vor dem Ende. Es ist ja irgendwie witzig, dass ein ganzes Imperium von einem kleinen Studenten-Streich innerhalb kürzester Zeit auf den Kopf gestellt wurde. Ich spreche von Napster, das gegen Ende des letzten Jahrzehnts die gesamte Musikwiedergabe meiner Generation (ich bin 1970 geboren) von Grund auf neu gestaltet hat. Plötzlich war Musik nicht mehr als ein statischer Tonträger zu sehen - nein, das, was Sony mit dem Walkman zwanzig Jahre zuvor vorgeführt hatte, wurde konsequent logisch fortgesetzt: Musik ist überall, Musik spielt 24 Stunden, Tag ein, Tag aus. Das einzige was dann wirklich fehlte, war ein globales Übertragungsmedium – und so kommen wir zur anderen Seite der Gleichung: Apples iPod. Bis dato hat der kleine Früchtehändler über 350 Millionen iPods verkauft und mit iTunes eine neue, ganz andere Art vom Musikgenuss auf die Beine gestellt. iTunes ist heute, zumindest hier in USA, der größte Verkäufer von Musik. Zwar kaufen Leute nach wie vor CDs, aber nachdem es ja immer weniger Geschäfte gibt, die diese anbieten, gehen die meisten eben ins Internet. Selbstverständlich spreche ich hier von der Masse – denn wir Audiophilen haben uns schon längst von der guten alten CD in höhere Sphären abgesetzt: Nachdem SACD und DVD-A schon fast wieder vom Markt verschwunden sind, entschieden wir uns für die einzige, richtige Alternative: die gute alte schwarze Scheibe – Vinyl.  

„Perfekt Sound Forever‟ hat ja nun wirklich nicht ganz so lange gehalten, wie's die Herrschaften von Philips und Sony ursprünglich wollten. Bei mir lebt die CD aber auch heute noch: Nur eben auch ein klein wenig anders, als früher vorgesehen – nämlich in meinem PC. So kommen wir endlich zum eigentlichen Inhalt dieses Artikels: Computer Hifi. Im Prinzip gibt es zwei Möglichkeiten, in den Genuss der Musikdaten aus dem PC  oder Mac zu kommen: einerseits durch die Soundcard, die heute in jedem PC eingebaut ist. Hier gilt: Manche dieser Soundkarten klingen gut, manche schlechthin fürchterlich. Andererseits kann man einen der USB-Ausgänge benutzen. Der Universal Serial Bus wurde vor etwa 15 Jahren als kostengünstige Datenleitung erfunden, die schnell und ohne viel Umstände diverse Peripherie-Geräte an den PC oder Mac anbinden kann. Dank der cleveren USB-Schnittstelle können wir heute schnell und ohne viel Aufwand Scanner, Kamera und Printer an den Computer schließen. USB war  von Anfang an so konzipiert, dass der User keine Treibersoftware installieren musste.  Anstecken, einschalten und los geht's! Oder kürzer: Plug 'n Play.

Wie genau USB als Audio-Schnittstelle funktioniert, werde ich in einem anderen Bericht genauer beschreiben. Hier beschränke ich mich auf den Sound und die Funktion des Devilsound. Er setzt sich von der Masse anderer USB-Wandler dadurch ab, dass er eine komplette analoge Ausgangsstufe eingebaut hat. Das ganze Gehäuse ist kaum größer als eine Zündholzschachtel: An einem Ende befindet sich ein handelsüblicher USB-Stecker, am anderen zwei Eichmann Bullet Cinch-Stecker. Der eigentliche Wandler basiert auf dem Analog Devices AD 1851 Chip und kommt ohne Oversampling aus. Der USB-Empfänger ist ein Burr-Brown PCM2706. Ein Operationsverstärker dient als Strom/Spannungs-Wandler und bereitet das Signal für den Weg zum Verstärker auf. Verglichen mit den heutigen High-End-Trutzburgen sieht man dem Teufelchen wirklich nicht an, was in ihm steckt. Wer Zentimeter dicke, aus dem vollen gefräste Gehäuse mag, ist beim Devilsound an der falschen Adresse. In Anbetracht der winzigen Auslegung des gesamten Konzeptes wurde er aber sehr fein und hochwertig verarbeitet. Sozusagen als i-Tüpfelchen hat man den ganzen Korpus kryogen behandelt – die Jungs wissen halt, wo's lang geht!

Abb. 3
Jonathan und Aaron entschieden sich, wie bereits erwähnt, für einen Non-Ooversampling Wandler, da er nach ihrer langjährigen Erfahrung am besten mit der gewählten Ausgangsstufe im kompakten Design funktioniert. Die beiden sind übrigens auch der Ansicht, viele „große‟ Komponenten seien oft nur des Preises wegen so groß geraten.  Wie gesagt, die beiden denken eben ein wenig anders. So klein wie der Devilsound ist, so leicht bekommt man ihn auch zum Laufen: Man nehme PC oder Mac, rein mit dem den USB -Stecker,  im Sound Menü den Devilsound als Ausgang wählen – und schon spielen die ersten Takte Musik. In meiner Kette stecken die Bullet Plugs im zweiten Eingang des Brinkmann Marconi. Als Musikwiedergabe-Software verwende ich ohnehin nur iTunes 9, das meine CDs als Apple Lossless Files abspielt.

Abb. 4
Gleich am Anfang fiel mir auf, wie gut der kleine Teufel klingt. Einfach unglaublich, wie toll dieses kompakte System Musik macht. Das wirkt fast wie David gegen Goliath, oder vielleicht treffender David und Goliath: Was David durch meine Wiedergabekette – Brinkmann Marconi, Threshold T400, Zu Definition Mk II – hier abspielte, war sehr akzeptabel und hinsichtlich des Preises sowieso erste Klasse. Das soll erstmal einer nachmachen! Meine üblichen Test-Tracks von Yello über Tschaikowsky bis zu Wille Nelson klangen durchaus dynamisch, weiträumig und fein aufgelöst.  Andersherum gesagt: Wer keine weitaus bessere Komponente zum Vergleich parat hat, dem wird im Prinzip nichts fehlen. Habe ich schon einmal bessere Bässe gehört? Klar – der kommende Test von Lindemanns neuem USB/SPDIF-Wandler mit meinem DAC, dem LessLoss 2004 MkII, spielt definitiv in einer höheren Liga. Ist aber nicht verwunderlich, dass hier mehr rüber kommt, kostet diese Kette doch auch gleich das Zehnfache (!) des Devilsound.

Der Hit „Wrapped Around Your Finger‟ von The Police ist zur Zeit einer meiner  Lieblingstracks. Der Song klingt richtig mächtig: Die Bässe kommen trocken und hart über die Zu-Lautsprecher, ohne dass hier etwas fehlt. Dass es sich hier um einen 400 Dollar teuren Digital-Spieler handelt, fällt eigentlich kaum auf. Der Sound ist wesentlich erwachsener als man annehmen möchte – Raumauflösung ist da, Stings Stimme klingt voll und lässig. Um hier mehr rauszuholen, müsste man schon deutlich mehr investieren, zum Beispiel in Yamahas Top-Zweikanal Spieler, den CD-S2000, der auch SACD-Wiedergabe beherrscht. Der macht dann vor, wie's eben noch ein bisschen besser gehen kann – und das, obwohl er nur den CD-Layer abspielte. Dennoch: Beim Devilsound fehlt wirklich nichts.
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