Banner
Test: 

Adagio Audio Cables „Reference Generation 2“ – NF-, Lautsprecher- und Digitalkabel

21.10.10  | Reinhold Martin
 
Lübeck steht nicht nur für Rotspon und Marzipan. Vielmehr präsentiert sich die zum Weltkulturerbe gehörende Hansestadt gerne stolz als Stadt der Nobelpreisträger, wurden hier doch Thomas Mann, Willy Brandt und Günter Grass geboren. Dass sich eines Tages Paul Mihailescu als Berühmtheit dazu gesellt, möchte ich nicht ausschließen. Grund dafür sind seine Adagio Audio Cables.

Zu wünschen wäre es den Lübeckern allemal, dass man mit ihrer Stadt von den genobelten Herrschaften abgesehen nicht nur einen Bordeau verbindet, dem das grausame Schicksal wiederfuhr, an der Ostsee seine Reife zu erlangen, und eine zugegeben leckere Süssigkeit, sondern auch ein kulturell wirklich hochwertiges Produkt, wie Audiokabel. Sollte der eine oder andere der Stadtväter noch zögern, dem Einzug der Hifi-Kultur zuzujubeln, rufen wir ihm zu: Auch High End Tourismus bringt Geld in den Stadtsäckel. Doch noch sind wir nicht so weit. Erst  einmal gilt es, dem Audiophilen zu künden, dass Lübeck dabei ist, wegen des Standorts einer edlen Kabelmanufaktur Berühmtheit zu erlangen. Adagio Audio hat Paul Mihailescu wohlbedacht seine Manufaktur getauft. Nicht weil adagio ein eher gemächliches Tempo eines Musikstücks bezeichnet, sondern weil adagio einiges über den Charakter des Musikstücks aussagt. Der Interpret ist bei diesem Zeitmaß aufgerufen, durch schönen Ton, richtige Akzentuierung der Melodie, klare Vollstimmigkeit und festeres Binden der Harmonie, durch Gefühl, Delikatesse, durch Ausdruck zarter oder erhabener Empfindungen den Hörer zu fesseln. Und exakt in diese Welt entführen einen die Kabel aus Lübeck. Womit das Ergebnis dieses Kabeltests bereits vorweggenommen ist, weshalb wir schnell einen Schritt zurücktreten und uns kurz anschauen, welche Technik den Kabeln aus Lübeck zugrunde liegt.

Gold, Silber und Kupfer bilden die Ausgangsstoffe der Kabel. Das Mischungsverhältnis der unterschiedlich gut leitenden Metalle dient der Feinabstimmung des Klangs. Dazu kommt ihre Ausbildung als dünne Folien – weshalb es keine Netzkabel gibt – und ihre durchgängig manuelle Verarbeitung in zahlreichen Schritten, die sich auch auf den Preis niederschlägt. So wird die Oberfläche der Folienleiter poliert, mehrfach unterschiedlich thermisch behandelt, geometrisch geformt und schließlich in einem Dämpfungsmaterial gegen Vibrationen mit spezifischen mechanischen und elektrischen Eigenschaften trickreich so eingeschlossen, dass die Leiter zu 70 Prozent von Luft, dem optimalen Dielektrikum, umgeben sind. Dient das Mischungsverhältnis der drei Metalle der Feinabstimmg des Kabelklangs, bestimmt ihre Isolation entscheidend den Klangcharakter. In starkem Maße, allerdings weniger positiv als negativ bestimmt den auch jegliche metallische Schirmung, weshalb Adagio Audio in Sachen Abschirmung Zurückhaltung übt und die Kabel möglichst ohne Schirmung ausliefert, es sei denn, der Kunde kämpft vor Ort mit Störfeldern, denen anders nicht wirksam beizukommen ist.

Das unsymmetrische NF-Kabel gibt es mit Steckern nach Wahl, hier mit Neutrik-Steckern bestückt

Thema Einspielen. Ja, diese Kabel möchten, wahrscheinlich wegen ihres komplexen Aufbaus, ausgiebig eingespielt werden, weshalb ich mir von Paul Mihailescu, der als Zeit bis zum vollständigen Einbrennen je nach Kabelsorte 150 bis 200 Stunden ansetzt, sowohl jungfräuliche als auch eingespielte Kabel schicken ließ, um den Unterschied ohne mühsames Warten gleich beurteilen zu können. Außerdem konnte ich bei diesem Test auf ein paar Lübecker Kabel der ersten Generation zurückgreifen, die schon seit zirka zwei Jahren bei mir nonstop Dienst tun und die durch den Hersteller eingespielten jüngeren Kabel der zweiten Generation, um die es in diesem Test geht, in Sachen Geschmeidigkeit des Klangs, nicht aber in Sachen feinstofflicher Auflösung übertreffen. Ich bin mir sicher, dass der Tag kommt, an dem die zweite Generation über die erste auch in Sachen Geschmeidigkeit hinausgewachsen ist, da es just diese klangliche Eigenschaft ist, die den Kabeln durch längeren Gebrauch zuwächst. Irgendwie ist es ja auch ganz schön zu wissen, dass diese Kabel im Laufe der Zeit immer besser werden, reifen. Glücklicherweise spielt ein nicht eingespieltes Kabel der zweiten Generation von Anfang an immerhin so gut, dass man nicht erst wochenlang auf die Befreiung des Klangs warten muss, wie dies bei manchen Geräten der Fall ist, die out of the box erst mal richtig kaputt klingen. Es kommt also von Anfang an Freude mit den Adagio Audio Kabeln auf.

Wodurch unterscheidet sich die erste von der zweiten Kabelgeneration rein fertigungstechnisch gesehen? Paul Mihailescu spricht hier von eine neuen Behandlung des Rohmaterials, von einer aufwendigeren Isolierung und soweit diese zum Einsatz kommt, von einer optimierten Schirmung.

Die Leiter des Adagio Audio Digital-Kabels bestehen aus sehr dünnem Silber-Kupfer Leitermaterial mit Goldanteil und sind so gewickelt, dass sie exakt den Anforderungen von 75 Ohm beziehungsweise 110 Ohm Digitalkabeln entsprechen, je nachdem ob das Digitalkabel symmetrisch oder unsymmetrisch ausgelegt ist. Konfektioniert wird es wahlweise mit Cinch-, XLR-, oder BNC-Verbindungssteckern. Die Leiter des Adagio Audio NF-Kabels bestehen aus demselben Materialgemisch wie das Digitalkabel. Kapazität und Induktivität sind extrem niedrig. Bedingt dadurch soll das Kabel auf einer Länge von bis zu drei Metern ohne jeden Signalverlust verlegt.

Separate Gummihülsen werden über die in die Lautsprecherbuchsen gesteckten Stecker des Lautsprecherkabels geschoben

Das Adagio Audio Lautsprecher-Kabel hat als Leiter Kupferfolien, liegt 70 Millimeter breit und ist ebenso wie das NF-Kabel mit allen handelsüblichen Steckverbindern lieferbar. Eine Besonderheit dieses Kabels sind separate Gummihülsen, die bis zum Kontakt mit der Lautsprecher-Rückwand über die Steckanschlüsse geschoben werden. Außerdem wird empfohlen, das Kabel hochkant laufen zu lassen.

Bereits ein in die Abhörkette eingeschleiftes Adagio Audio Kabel macht sich durch seinen klanglichen Fingerabdruck bemerkbar. Da verhalten sich diese Kabel nicht anders als Kabel anderer Hersteller. Den puren Adagio Audio Sound erhält man natürlich mit einer komplett verkabelten Kette, im Falle meines Tests mit einem CD-Player respektive mit einem an einen externen Wandler über das unsymmetrische Digitalkabel angeschlossenen PC als Quelle, symmetrisch beziehungsweise unsymmetrisch verbunden mit der Vorstufe und symmetrisch mit den Endstufen, die über das Lautsprecherkabel wie vom Hersteller vorgesehen mit den Lautsprechern verbunden waren. Wer nun meint, dass die dünnen Leiter der Adagio Audio Kabel nichts anderes liefern als viel Feinstoffliches ohne grobstofflichen Wumm, ohne den zum Beispiel Rock die notwendige Substanz ebenso fehlt wie etwa einer  Mahlersymphonie mit ihren grummelnden Bassgewittern, Schlagzeugattacken und Trompeten- und Posauengeschrei, der irrt. Diese Kabel mit ihren filigranen Leitern transportieren Grobstoffliches völlig mühelos in der gewünschten Quantität, aber vor allem in einer Licht und Schatten selbst im größten Getümmel gewährleistenden Differenzierung, dass am von schierer Lautstärke geplagten Ohr volle Freude aufkommt. Soweit schon einmal beruhigt können wir uns jetzt dem Feinstofflichen widmen, das bei den Adagio Audios nun wahrlich nicht zu kurz kommt, vor allem aber – womöglich wegen der geschickten Mischung der unterschiedlichen Leitermaterialien – im ausgewogenen Verhältnis zum Grobstofflichen transportiert wird. 
«StartZurück12WeiterEnde»
Seite 1 von 2

Wir laden Sie ein, diesen Artikel zu kommentieren. Bitte loggen Sie sich dazu ein. Falls Sie sich noch nicht registriert haben sollten: dies ist im Handumdrehen erledigt.

Banner
Banner
Banner
Banner
Banner
Banner
Banner
Banner
Banner
Banner
Banner
 
Banner