Passt ein Lautsprecher wie der SCS-4 ohne typisch schräg nach hinten fliehende Schallwand und im für Studiomonitore typischen Miniformat überhaupt zur Philosophie eines Jim Thiel, Schallereignisse über den gesamten Hörbereich zeitrichtig in den Hörraum zu stellen?
| Thiel SCS-4 in Hifistatement |
Als ehemaliger Besitzer eines Paars CS 1.5 und später CS 6 in der ursprünglichen Ausführungsform mit garantiert resonanzfreier Beton-Schallwand kann ich gut nachvollziehen, dass die von Jim Thiel auf Zeitrichtigkeit gezüchteten Lautsprecher seit vielen Jahren Anhänger räumlich punktgenauer Klangwiedergabe begeistern. Dass ich persönlich nicht mehr zur Schar der Thiel-Besitzer gehöre, liegt am anderen großen US-Lautsprecherproduzenten Revel, der vor einigen Jahren mit seiner Performa-Reihe Schallwandler auf den Markt brachte, die für meine Sicht der Dinge über alles gesehen, die noch einen Tick perfekteren, weil neutraler aufspielenden Musikanten sind.
Ausschlag für meinen Sinneswandel gab das vergleichsweise zu weiche und wenig konturierte Bassverhalten des CS 6. Dass ich mit dem Revel F30 und später mit dem F52 allenfalls annähernd so punktgenaue Klangräume aufspannen kann wie seinerzeit mit dem CS 6 oder auch dem kleinen CS 1.5 ist mir bewusst. Erst unlängst konnte ich an der Thiel 3.7, die heute das Top-Modell aus dem Hause Thiel präsentiert, den Verlust an auf den Punkt gebrachter Klangraumpräzision, den man bei nahezu allen Nicht-Thiel-Lautsprechern in Kauf nehmen muss, erneut fest machen.
Dieser Ausnahmelautsprecher - der 3.7 - hat auch alles andere als einen schlappen Bass und wäre für mich jederzeit eine vollwertige Alternative zum Revel F52. Dass es in meinem privaten Hörraum vorerst trotzdem bei einer Revel-Bestückung bleibt, liegt schlicht daran, dass ich dort zwischenzeitlich von der Performa- in die Ultima2-"Klasse" aufgestiegen bin. Was mich gewiss nicht davon abhält, weiter auf Thiel-Produkte neugierig zu sein. So etwa auf den kleinsten aller Thiel-Lautsprecher, den SCS-4. Auf eine nach hinten fliehende Schallwand - ursprüngliches Erkennungszeichen von Thiel-Lautsprechern - konnte beim SCS-4 dank eines einzigen, im Zentrum der Schallwand sitzenden Koaxial-Schallwandlers verzichtet werden. Bei den größeren Modellen kommt die zur zeitrichtigen Wiedergabe beitragende schräge Schallwand nach wie vor zum Einsatz, weil sich dort mehrere übereinander sitzende Schallwandler den Übertragungsbereich aufteilen.
Technik
| Das Anschlussfeld |
Diese sollte für eine verzerrungsarme Schallwiedergabe über den Koaxialwandler selber so schalltot sein wie irgend möglich. Das Pendant der unerschütterlich standhaften Beton-Schallwand der CS 6 ist beim SCS-4 eine Schallwand aus Aluminium-Druckguss, in die zwei Bassreflexrohre integriert sind, die über- und unterhalb des Schallwandlers in die Schallwand ausmünden. Dieses Material ist zwar bei weitem nicht so schalltot wie Beton, jedoch weitaus weniger anfällig für Resonanzen im Hörbereich wie das weit verbreitet im Lautsprecherbau eingesetzte MDF. Dazu kommt die Bruchsicherheit, die bei der Beton-Schallwand des CS-6 einige Probleme verursacht hatte, und natürlich der Gewichtsvorteil von Aluminium, der unter anderem einen logistischen Vorteil bringt, lässt Jim Thiel die Einzelteile des SCS-4 doch in China fertigen, da anderweitig der relativ niedrige Preis dieses Monitorlautsprechers wohl kaum realisierbar wäre. Thiel AnschlußfeldÜber die Qualität des im Innern mehrfach versteiften Gehäuses, das es in Kirsche natur, in Esche schwarz und in dunkler Kirsche gibt, kann man übrigens ebenso wenig meckern wie über die stabilen Anschlüsse für Lautsprecherkabel, von denen es pro Box ein Pärchen gibt. Bi-Wiring und Bi-Amping fallen mit dem SSC-4 also genauso flach wie bei allen anderen Thiel-Lautsprechern.
Koaxial-Lautsprecher
Das eigentliche Highlight dieses Monitorlautsprechers ist jedoch ganz klar der im eigenen Hause entwickelte und gebaute Koaxial-Chassis, in den ein gerüttelt Maß an Know-how eingeflossen ist. Der Hochtöner dieses doppelten Schallwandlers stammt in direkter Linie vom Hochtöner des CS 3.7 ab. Seine Kalottenmembran besteht aus einer Aluminium-Magnesium-Legierung, die bei geringster Masse extreme Steifigkeit besitzt, also genau die Materialeigenschaften, die für einen rasant beschleunigenden Hochtöner ideale Voraussetzung für einen verzerrungsarmen Betrieb sind. Ungewöhnlich ist die randseitige Aufhängung der Membran über eine Sicke aus Naturgummi. Die mit dieser Sicke bereitgestellte hohe Elastizität trägt dem Langhub-Antrieb des Hochtöners Rechnung, der auf einer kurzen, mehrlagig gewickelten Schwingspule aufbaut, die sich in einem langen Spalt eines für einen Hochtöner ungewöhnlich starken Neodym-Magneten bewegt, um eine sehr klirrarme Schallerzeugung zu gewährleisten. Der Tiefmitteltöner, der bis zu einer nominellen unteren Grenzfrequenz von 47 Hertz aktiv ist, und in dessen Zentrum der Hochtöner sitzt, setzt im Hinblick auf Verzerrungsarmut ebenfalls auf die geringe Masse von Aluminium-Magnesium für die Membran, die jedoch angesichts der größeren Fläche und der zu übertragenden tiefen Frequenzen durch einen ultraleichten Polystyrol-Kunststoff bedämpft und mittels radial verlaufenden Prägungen am Außenrand versteift ist.












