Mit Frankreichs Süden verbinden wir in der Regel sonnen verwöhnten Wein, duftende Kräuter und strahlend blauen Himmel. Dass dort auch hifideles Gewächs allererster Güte gedeiht, überrascht zunächst. Muss es aber nicht, schließlich sind Genuss und Lebensart nicht auf Gaumen und Augen beschränkt. Das beweist der südfranzösische Hersteller Ocellia auf landestypische Weise, nämlich charmant und nachdrücklich.
In unseren Landen bislang allenfalls als Geheimtipp gehandelt, hat Ocellia dank ausgefallener Ideen zu den Themen Verstärker, Lautsprecher und Kabel das Zeug, die Nische High End kräftig aufzumischen. Einen ersten Eindruck was die Südfranzosen können, durfte ich anlässlich meines Besuchs beim Deutschlandvertrieb am Lautsprecher Calliope hören. Der sieht nicht nur ungewöhnlich aus, sondern klingt auch außergewöhnlich gut. Helmut Rohrwild wird sich demnächst ausführlich mit dem Ocellia-Lautsprecher befassen. Gewissermaßen als Amuse Bouche vor dem Calliope-Menü aus Helmut Rohrwilds Feder berichte ich hier über die Ocellia-Cinch-Kabel in ihrer neuen Silberversion.
| Ocellia Signature Silver |
Das Erste was am Ocellia auffällt: Es ist extrem leicht, extrem flexibel und nicht etwa schwarz, wie 90 Prozent der Kabelkonkurrenz, sondern cremefarben weiß. Das muss an dem klaren, hellen Licht des Südens liegen, in dem schwarz ganz einfach zu hart kontrastiert, meint man zunächst. In Wirklichkeit liegt es wohl eher am elektrisch leitenden Rußanteil der schwarzen Farbe, dem die Ocellia-Entwickler nicht über den Weg trauen. Stichwort: MDI-Verzerrungen. Dazu gleich mehr. Die Hülle des Kabels besteht aus einem Mineralstoffe enthaltenden, leichten und weichen Kunststoff, der keinerlei elektrisch leitende Bestandteile enthält und die Innereien des Kabels vor Feuchtigkeit und mechanischer Beschädigung schützt. Dringen wir tiefer in das Kabel ein, so finden wir innerhalb der mineralischen Hülle, ein „natürliches“ Dielektrikum, basierend auf Baumwolle. Das übliche Kunststoffmaterial, wie etwa PVC und Polyethylen, aber auch Teflon ist bei Ocellia-Kabeln verpönt. Wegen der MDI-Verzerrungen. Dringen wir noch tiefer ins das Kabel ein, finden wir im Zentrum den Silberleiter. Silber deshalb, weil Silber besser leitet als Kupfer, seine Leitfähigkeit über lange Zeit beibehält, bessere Vibrationsbeständigkeit hat als Kupfer und der Silberleiter mit einer sehr glatten Oberfläche hergestellt werden kann. Von dieser extrem glatten Oberfläche, dem natürlichen Material des Dielektrikums und der mineralischen Hülle verspricht man sich minimale MDI-Verzerrungen, die für hörbare Beeinträchtigung des Klangs, ja für Verlust an Musikalität des Gehörten verantwortlich gemacht werden.
Sind „MDI-Verzerrungen“ ein Werbegag von Ocellia? Mitnichten. MDI steht für „Micro Discharge Interface“ und ist als Begriff im Rahmen eines vom französischen Staat geförderten Forschungsprojekts zur Bezeichnung von Signalverzerrungen geboren worden, die von Ultraschall hoher Amplitude herrühren, der mit elektrischer Signalausbreitung einher geht und sich auch bei Audiosignalen als Intermodulationverzerrung bemerkbar macht. Außerdem führt MDI zur Erzeugung positiver Langevin-Ionen, die die Schallausbreitung beeinträchtigen. Das könnte bis zu einem gewissen Grade auch erklären, warum Negativionen-Generatoren à la Acoustic Revive positive Auswirkungen auf den wahrgenommenen Klang haben. Wie auch immer. Ocellia sieht positive klangliche Wirkungen durch die Materialwahl für das Silver Signature Kabel in Folge einer Minderung der MDI-Verzerrungen und arbeitet konsequent daran, Anti-MDI-Maßnahmen auch in Verstärkerelektronik einfließen zu lassen. Übrigens sind auch die Cinchstecker des Ocellia-Kabels Anti-MDI-optimiert. Die zylindrischen Holzkörper, die auf dem Kabel reiten, haben damit allerdings nichts zu tun. Sie zeigen die Signalflussrichtung an und sind wohl deshalb verschiebbar und drehbar, dass sie das Anstecken der Kabel an eng nebeneinander sitzenden Steckerbuchsen nicht im Wege stehen.
| Ocellia Signature Silver |
Wie „klingt“ das Ocellia? In meiner durchgehend mit Klang und Kunst verkabelten Kette aus Ayre Multiplayer C5xe, Ayre Vorstufe KX-R, Ayre Mono-Endstufen MX-R an Lautsprechern Revel Gem2, unterstützt von von einem Subwoofer Revel Sub30 durften sie zunächst das KuK- Kabel NF 3-S vom Player zur Vorstufe und dann das KuK-Kabel von der Vorstufe zu den Endstufen ersetzen. In jeder dieser Positionen war der Fingerabdruck des Ocellia-Kabels stets zu erkennen: Unter Beibehaltung des stressfreien und entspannten Musizierens des jeweils ersetzten Klang und Kunst Kabels punktete das französische Kabel mit nochmals gesteigerter Abwesenheit jeglicher Körnigkeit, jeglichen Restes von „Schmutz“ im Klang. Unglaublich. Andererseits hat das KuK-Kabel die Nase vorn, wenn es um die exakte Ausleuchtung des Raumes geht. Und in Sachen Klangfarbentreue. Vergleichsweise verwischt das Ocellia feine Farbabstufungen, was man im Falle von Holzbläsern, aber auch bei solistisch gespielter Geige besonders gut nachvollziehen kann.














