Noch gelten die Lautsprecher des US-Herstellers Role Audio in unseren Landen als Geheimtipp. Das kann sich schnell ändern, wenn sich erstmal herumgesprochen hat, dass diese ungewöhnlich kompakten Schall-erzeuger nicht weniger erwachsen aufspielen als die zig-fach größere Konkurrenz.
![Role Audio Sampan [Standlautsprecher]](/cache/multithumb_thumbs/b_300_0_16777215_0___images_stories_tests_09-04-06_role_role_startfoto_280x336-1.jpg) |
| Role Audio Sampan [Standlautsprecher] |
Peter Steinfadt, Inhaber des Vertriebs „frankfurter hörgesellschaft“ mit Sitz unmittelbar vor den Toren Frankfurts, hat für seine audiophile Leidenschaft eine Nische entdeckt: Er setzt auf Exotisches mit hohem Klangpotential aus Frankreich (Ocellia und ISEM Audio), Österreich (Crayon Audio), den Vereinigen Staaten (Glow Audio und Role Audio) und Neuseeland (Slinkylinks). Und tatsächlich hat er ein ausgesprochen glückliches Händchen bei der Wahl seiner Exotica, wie ich mich unlängst bei einem Besuch in seinen Firmenräumen überzeugen konnte. Nur selten habe ich vor Ort bei Vertrieben und Herstellern ein akustisches Aha-Erlebnisse nach dem anderen gehabt. Besonders angetan hatten es mir die Ocellia-Lautsprecher in Verbindung mit Crayon Audio-Elektronik. Und die wahrhaft unscheinbaren Lautsprecherchen von Role Audio. Unscheinbar bezieht sich hier ausschließlich auf die Optik dieser Lautsprecher. Der „Kayak“ ist gerade mal halb so groß wie ein „Spendor 3/5a“ in der ursprünglichen Bauform, während der „Sampan“ als Strich in der Landschaft neben anderen Lautsprechern schon mal leicht übersehen werden kann.
Akustisch machen beide Role-Lautsprecher allerdings ganz ordentlich Wind. Soviel Wind, dass ich mir je ein Pärchen Kayak und Sampan unter den Arm geklemmt habe, um sie in meinem Hörraum genauer unter die Lupe zu nehmen. Da zeigte sich schnell, dass Kayak und Sampan dann doch sehr unterschiedliche klangliche Wege beschreiten, so dass ich meinen ursprünglichen Plan, beide zusammen in einem gemeinsamen Artikel vorzustellen, schnell wieder fallen ließ. Hier und heute soll es ausschließlich um den Schmalhans Sampan gehen, während der zwergwüchsige Kayak, zu dem sich zwischenzeitlich ein vergleichbar kompakter Subwoofer aus dem Hause NSM gesellt hat, seine Kür in einem Extrabericht drehen darf.
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| Role Sampan (ganz abgebildet) |
Die US-Manufaktur NSM, gegründet 1990, und in den Vereinigten Staaten gewissermaßen als Synonym für kleine und kleinste Lautsprecher hoher Qualität anerkannt, ist quasi die (junge) Mutter von Role Audio. Als eine Art Spin Off von NSM macht man sich bei Role Audio das Know How der Mutter zu Eigen, um Lautsprecher mit möglichst hohem WAF (WAF steht für Woman Acceptance Factor) auf den nationalen und mittlerweile auch auf den internationalen Markt zu werfen. Also Lautsprecher, die nicht nur vergleichsweise ziemlich bis extrem kompakt sind, sondern auch Designansprüchen nicht nur der Damenwelt genügen sollen, wie beispielsweise unser Schmalhans Sampan, der als Strich in der Landschaft im Raum optisch nahezu verschwindet und so jedenfalls nicht aufträgt. Auch wenn Design bei Role Audio ein Thema ist, steht es nicht wirklich im Vordergrund. Schon gar nicht ist es vorrangig Selbstzweck, wie so manches bezüglich seiner inneren Werte eher zweifelhafte Hifi-Produkt skandinavischen Ursprungs. Eher schon ist das Design der Amerikaner im Falle des Sampan ein wenig hausbacken ausgefallen.
Technik
Dafür hat der es knüppeldick hinter der Membran, wenn es um innere Werte geht. Sämtliche Lautsprecher von Role Audio folgen dem Konzept, Schallwellen zeitlich kohärent und möglichst phasengenau nahe am Ideal einer Punktschallquelle in den Hörraum abzustarhlen, mit anderen Worten als Schallquelle akustisch nicht lokalisierbar zu sein. Aus diesem Grund kommt bei Role Audio allenfalls das Zweiwegeprinzip mit relativ einfacher Weichenkonstruktion in Betracht oder gar kleinflächige Breitbandschallwandler, wie im Falle des Sampan. Dieser Breitbänder stammt aus fernöstlicher Fertigung und ist damit das einzige Bindeglied zu jenen für günstige Produktionsbedingungen bekannten Ländern. Im Übrigen legt Role Audio allergrößten Wert darauf, dass der „Sampan“ ebenso wie seine größeren und kleineren Brüder in den USA gefertigt wird: „Handmade in USA“ heißt es bereits auf der Verpackung.
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| Role Sampan (Membran) |
Bestückung
Um der Membran des Schallwandlers von gerade einmal siebeneinhalb Zentimetern erwähnbare Pegel bis in den Tieftonkeller abzutrotzen, ist ein tiefer Griff in die Trickkiste des Lautsprecherbaus unvermeidlich. Dort findet man die Rezepte, wie tiefe Töne mit kleinflächigen Schallwandlern bei nennenswertem Pegel erzeugt werde können, die da heißen „ersetze Fläche durch Hub“ und „nutze lange Wege für den Tieftonschall im Lautsprechergehäuse“. Beide Rezepte sind beim „Sampan“ verwirklicht. Damit der Schallwandler den heftigen Belastungen bei der mittel- bis tieffrequenten Schallerzeugung per extremen Hüben möglichst verzerrungsfrei standhalten kann, wurde ihm eine steife Membran aus Titan, einem bekanntlich sehr leichten, aber steifen Metall, verordnet, die randseitig über eine Sicke aus Santopren, einem Elastomer mit der Elastizität von vulkanisiertem Gummi, in einem Aluminiumdruckgusskorb aufgehängt ist. Der lange Weg des Tieftonschalls im schlanken, am Boden offenen Lautsprechergehäuse ergibt sich aus einer speziellen Transmission-Line-Konstruktion, wobei die Gehäusehöhe exakt einem Viertel der Resonanzwellenlänge entspricht. Dass sich der Sampan bei allen konstruktiven Tricks anstrengen muss, Schallpegel im mittleren und unteren Frequenzbereich zu realisieren, lässt sich am eher mäßigen Wirkungsgrad ablesen, der nominell mit 87 Dezibel zu Buche schlägt. Kräftige Endstufen, wie die Bryston 4 BSST, sind zur Anfeuerung des Sampan sicherlich kein Nachteil. Aber auch Röhrenendstufen vom Schlage eines Leben CS-660P machen mehr als ausreichend Pegel über den Sampan.
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