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Twentieth Statement From Birdland: Club Boogaloo

03.04.12  | Dirk Sommer
 
Für meinen Weg vom Rock- zum Jazz-Hörer war wohl kein anderes Instrument so wichtig wie die Hammond-Orgel – oder in Kurzfassung: von John Lord zu Jimmy Smith. Dennoch ergab es sich nie, eine dieser tollen Klangmaschinen selbst aufzunehmen. Nun hat es doch geklappt und zwar mit einer ganz heißen Orgel-Combo: dem Club Boogaloo.

Der Club besteht in diesem Falle aus nur vier Mitgliedern: Andi Kissenbeck an der Hammond, dem Saxophonisten Peter Weniger, dem Sänger und Gitarristen Torsten Goods sowie dem Drummer Tobias Backhaus. Dass dennoch die entsprechende Atmosphäre aufkam, lag am Auftrittsort, dem Neuburger Jazz Club. Der Club im Club war wirklich ein Erlebnis – eines, das auch bei Tobias Böcker, der unter anderem Konzerte für die Neuburger Rundschau rezensiert, einen tiefen Eindruck hinterlassen hat, wie Sie gleich lesen werden. Die optischen Impressionen stammen wie so oft von Christian Wurm.

Andi Kissenbeck entlockte seiner transportablen Hammond – wenn man sie bei diesem Gewicht überhaupt so bezeichnen darf – die charakteristischen Sounds vieler Orgel-Heroen, faszinierte aber auch mit einer Reihe sehr eigenständiger Registrierungen
 


 

Jazz aus der Garküche – Andi Kissenbecks Club Boogaloo


Im Hintergrund brutzeln die Becken, tanzt heiß siedendes Öl, platzt ab und an eine Blase auf der Pfanne. Scharfe Gewürze sind angesagt, knallhart angebraten, Geschmacksspitzen, welche die Sinne weniger umschmeicheln als in hellwache Aufregung versetzen. Soulfood aus der besten Garküche am Platz!

Mit Andi Kissenbecks Club Boogaloo feierte die klassische Ära des Souljazz der 50er eine quicklebendige Küchenschlacht am heißen Herd. Jimmy Smith kam zu Ehren wie Brother Jack McDuff, Joey de Francesco und etliche Originals aus der Feder des Leaders. Das Birdland erlebte ein bis ins letzte sich verausgabendes Quartett musikalischer Sterneköche.

Peter Weniger am Saxophon, saft- und kraftvoll, bissig und schmissig, schier überkochend, im rechten Moment auch dem zarten Sahneklecks nicht abgeneigt, Torsten Goods an der Gitarre mit chillischarf gepfefferten Singlenote-Kaskaden bildeten mit dem feurig fetzigen Hammond-Cooker Andi Kissenbeck und dem stets einheizenden Drummer Tobias Backhaus ein eingeschworenes Team.

„If you like it or not“: Die Vier gaben hungrigen Seelen, wonach diese lechzten, heißen, scharfen, bissfesten Jazz. Dabei sorgte immer wieder der flammenzüngelnde Orgelsound mit köchelndem Leslie für Volumen und saftige Konsistenz, in der sich die Gewürze den akustischen Geschmacksknospen nur so entgegen warfen, blumig, bluesig, witzig, spritzig, funky, auch mal „quick & dirty“, ganz wie es sich gehört, ohne aseptische Hochglanzpolitur. Spürbares Leben, leidenschaftliches Spiel, funkenstiebende Lust, „on and on“, so heiß gegessen, wie's gekocht wird!

Dr. Tobias Böcker

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