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Pristine Classical Download seventeen: Klemperers legendäre Amsterdamer Aufführung von Mahlers Zweiter

14.01.11  | von Attila Csampai
 
Otto Klemperer (1885-1973) war geradezu abonniert auf Mahlers „Auferstehungssymphonie“: Sechs Aufnahmen dokumentieren seine besondere Affinität zu diesem eschatologischen Werk. Jetzt hat Pristine Audio seine rasante Amsterdamer Version von 1951 eindrucksvoll restauriert.

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Pristine Classical Download seventeen: Klemperers legendäre Amsterdamer Aufführung
Schon als Kind im Hamburg der 1890er Jahre hatte Otto Klemperer den exzentrischen Kapellmeister Mahler bewundert. Und als er später in Berlin als zwanzigjähriger Student das Fernorchester in der zweiten Symphonie unter Oskar Frieds Leitung dirigieren durfte, war das wie ein Wink des Schicksals. Er verfasste einen eigenen Klavierauszug der Symphonie und spielte ihn Mahler vor, worauf dieser ihm ein kleines Billett mit einer Empfehlung übergab, das ihm bald die Türen zur grossen Karriere öffnete.

Die Zweite wurde zu Klemperers wichtigstem Mahler-Werk: Er dirigierte sie sein ganzes Leben hindurch und es gibt – mindestens – sechs klingende Dokumente dieser Liebesbeziehung, und zwei davon, die Londoner Studioproduktion von 1962 sowie der Münchner Konzertmitschnitt (mit den BR-Symphonikern und Janet Baker) von 1965, zählen bis heute zu den alles überragenden Referenzen der gesamten Diskographie.

Jetzt hat Pristine Audio ein weiteres hochinteressantes Live-Dokument aus Klemperers Mahlers-Archiv in exzellentem Mono und  in Ambient Stereo wieder zugänglich gemacht, das er am 12. Juli 1951 beim Holland-Festival in Amsterdamer Concertgebouw dirigierte, und das es nur eine Zeit lang auf 78er Schellacks bei Decca gab: In den beiden Schlusssätzen kann man da auch die legendäre Altistin Kathleen Ferrier mit ihrem eigenwilligen Vibrato erleben. Neben ihrer unheimlich intensiven Darstellung des kurzen „Urlicht“-Satzes überraschen einen vor allem die äussert zügigen Zeitmaße des damals schon 66 Jahre alten Klemperer, die in erstaunlichem Kontrast stehen zu seinen späteren Zeitlupentempi. So hält Klemperer in der mittlerweile weit über hundert Aufnahmen zählenden Diskographie der „Zweiten“  einen bis heute absonderlichen Doppelrekord: 1951 dirigierte er in Amsterdam mit 70’50 die schnellste, zwanzig Jahre später in London  mit  fast 99 Minuten die langsamste Version der gesamten Diskographie! (Der Durchschnitt der anderen 130 Aufnahmen liegt bei etwa 80 Minuten Länge.) Man könnte stundenlang philosophieren über diese einzigartige Diskrepanz (die man auch bei anderen Pultgrössen im fortgeschrittenen Alter registrieren konnte, man denke nur an Celibidache), aber sie nährt auf alle Fälle die Vermutung, dass der junge Klemperer, von dem es leider keine Mahler-Dokumente gibt, womöglich noch wilder und zügiger dirigierte.

Jedenfalls klingt Mahlers Zweite unter dem Klemperer der Fünfziger Jahre deutlich frischer, trockener, und unpathetischer als zehn Jahre später. Hier ist (noch) nichts zu spüren von dem grossen Espressivo, dem schicksalhaften Bedrohungspotenzial, das dann mit dem Beginn des Stereo-Zeitalters über dieses metaphysisch-apokalyptische Werk hereinbrach, und gewiss auch dem breiten Publikum den Zugang zu Mahlers Seelenpandämonium erleichterte. Klemperer hält hier das Monstrum an sehr kurzem Zügel, und bleibt in einer rationalistisch-kühlen, trockenen Distanz, die jeden Anflug von Gefühligkeit, von emotionaler Identifikation mit Mahlers leidendem Ich brüsk zurückweist, vielmehr mit Beethovenscher Rigorosität und Zielgerichtetheit das erlösende Ende, den Lichtpunkt am Ende des langen Tunnels ansteuert: Das wäre gewissermassen das amoralisch-strikte Gegenmodell zu Bernsteins späteren Gefühlsbädern, aber auch gegen die Schreckensszenarien Soltis und anderer. Bei Klemperer vollzieht sich das Drama des Mahlerschen Helden mit einer geradezu objektivistischen, gefühlsresistenten inneren Logik, die stets nur das große Ganze, den göttlichen Plan, aber kaum das menschliche Leid, die Ungewissheit vor dem Jenseits im Auge hat: Er scheint keine Angst zu haben vor dem göttlichen Strafgericht, er schreitet durch den aufgewühlten Ozean völlig unbeirrt wie ein Gerechter, ein Furchtloser, der reine Tor. So bietet auch die ziemlich unspektakuläre, fast protestantisch-spröde anmutende Schlussapotheose wenig Raum für die grosse Weltumarmungsgeste und die Gefühlsexplosionen, die andere Dirigenten hier im Einklang mit Mahlers Vorstellung von der Allmacht der Liebe veranstalteten, so dass einen fast ein wenig fröstelt vor Klemperers Rigorosität. Dennoch: Ein beeindruckendes Zeugnis einer extremen Mahler-Auffassung.

Interpretation 85%
Editorischer Wert 90%

Gustav Mahler. Symphonie Nr. 2 c-moll („Auferstehungssymphonie“)
Jo Vincent, Sopran; Kathleen Ferrier, Alt; Holland Festival Chorus,
Concertgebouw Orchestra, Otto Klemperer
(Live-Mitschnitt,  Amsterdam 12. Juli 1951)
TT: 70’50
Mono, Ambient Stereo
Download 16/24 Bit FLAC und als CD


Mahler: Symphonie Nr. 2 in c-moll
2. Satz
ca. 34 mb (flac)
 

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