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01.11.09
 | Reinhold Martin
 

Violectric
Kopfhörerverstärker HPA V200

Hifi-Überzeugungstäter kämen wohl kaum ernsthaft auf die Idee, Lautsprecher an einem Mickey Mouse-Verstärker aus dem Supermarkt zu betreiben. Ein ähnliches Tabu scheint für Kopfhörer jedoch nicht zu existieren, werden diese doch beispielsweise ungeniert am CD-Player angeschlossen, dessen Verstärkerelektronik regelmäßig nur dazu taugt, den Spaß am Kopfhören gründlich zu verderben. Jeder kompetente Kopfhörer hat deshalb, ebenso wie jeder kompetente Lautsprecher, ein Recht darauf, von einem kompetenten Verstärker getrieben zu werden, wie etwa vom Kopfhörerverstärker Violectric HPA V200.

Abb. 1
Violectric ist eine für den Hifi- und High End-Markt konzipierte Produktlinie des am Bodensee, genauer in Konstanz, ansässigen Pro-Audio-Herstellers Lake People electronic GmbH. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass mir die seit über 25 Jahren auf dem Studiosektor erfolgreichen Konstanzer, die bereits Anfang der neunziger Jahre mit einem 20 Bit-D/A-Wandler in der Profiszene für Furore sorgten und von Beginn an Kopfhörerverstärker produzierten, bis zur High End 2009 kein Begriff waren. Dort kam ich auf Umwegen zum Stand von Violectric, nämlich über den Ultrasone-Stand, wo Kopfhörer mit dem kompakten Violectric HPA V200 vorgeführt wurden, und den Stand von Funk Tonstudiotechnik Berlin, auf dem Thomas Funk voll des Lobes für die Verstärkerelektronik der Konkurrenz vom Bodensee war. Derart konditioniert, gestand ich Fried Reim, dem Geschäftsführer von Lake People, reumütig meine Ignoranz in Bezug auf Geräte aus seinem Hause und orderte zur Änderung der peinlichen Situation ein Exemplar des HPA V200 zum Test. Dieser ist das Premiumprodukt unter den insgesamt drei Violectric-Kopfhörerverstärker. Auf dem Weg zur Marktreife befinden sich aktuell noch zwei weitere Violectric-Geräte, ein Phonovorverstärker und ein D/A-Wandler.

Übrigens war Friedrich Reim schon deshalb nicht gekränkt, dass ich von den Violectric-Kopfhörerverstärkern noch nichts gehört hatte, weil die Violectric-Produktlinie noch ebenso jung ist wie der damit von Lake People unternommene Versuch, auf dem Hifi-Sektor Fuß zu fassen. Glück gehabt. Apropos HPA V200: Dessen Entwicklung begann vor etwa zwei Jahren auf Grundlage einer Schaltung von Nakamichi aus den späten siebziger Jahren, die für damalige Zeiten einen enormen Dämpfungsfaktor besitzt, mit einem relativ geringen Ruhestrom arbeitet, quasi by Design beeindruckend klirr- und rauscharm und außerdem so gut wie unzerstörbar ist. Keine schlechten Voraussetzungen also für die Entwicklung eines Kopfhörerverstärkers in Class-A-Technik, die im HPA V200 pro Kanal mit acht Transistoren arbeitet und mit einer Betriebsspannung von +/- 30 Volt bestens gerüstet ist, auch hochohmige Kopfhörer à la Sennheiser angemessen zu treiben. Für niederohmige Kopfhörer à la Grado steht wegen hoher Stromlieferfähigkeit der Schaltung genügend Dampf zur Verfügung. Der hohe Dämpfungsfaktor respektive der niedrige Innenwiderstand hält sowohl hoch- wie niederohmige Lasten straff unter Kontrolle, während maximale Rausch- und Brummarmut einen „schwarzen Hintergrund“ bei der Klangreproduktion gewährleisten soll. Klingt vielversprechend. Bevor wir zum Hörbericht kommen, ist jedoch noch ein wenig mehr Tech-Talk fällig.

Abb. 2
Zwei Kopfhörer finden über 6,3 Millimeter-Klinkenbuchsen auf der Gehäusefront Anschluss an die Ausgangsstufen des Verstärkers, der bei einer Übertragungsbandbreite von 150 Kilohertz eine Dynamik von mehr als 120 Dezibel bereitstellt. Er verfügt über symmetrische und unsymmetrische Eingänge, wobei letztere auch als gepufferte Ausgänge schaltbar sind, wodurch das Eingangssignal beispielsweise an einen weiteren Verstärker, in meinem Fall an das Versorgungsteil für Stax-Kopfhörer, durchgeschleift werden kann. Um das Alps-Lautstärkepoti abhängig vom angeschlossenen Verstärker im klanglich optimalen Bereich jenseits der 12 Uhr-Stellung betreiben zu können, ist die Verstärkervorstufe per Mäuseklavier auf der Geräterückseite fünfstufig regelbar. Nicht zuletzt hat der HPA V200 einen D/A-Wandler mit USB-Eingang für 48 Kilohertz-16 Bit-Signale an Bord und findet dadurch Anschluss an einen PC oder Mac. Liegt ein digitales Signal an, hat dieses Vorfahrt vor dem analogen Eingangssignal, das dann automatisch stumm geschaltet wird. Da die Cincheingänge auch als Ausgang fungieren können, lässt sich das an Bord des Violectric-Verstärkers in ein analoges Signal gewandelte Digitalsignal vom Computer auch an den Lautsprecher treibenden Verstärker der Hifi-Anlage weiterreichen. So ersetzt Violectric den in der Regel klanglich meist suboptimalen Wandler in Gestalt der Soundkarte im Computer oder macht einen klanglich kompetenten externen Wandler überflüssig, steht der bordeigene USB-Wandler dem exzellenten Benchmark USB-DAC doch kaum nach. Womit wir bei der klanglichen Kompetenz des HPA V200 angekommen sind.

Und dabei interessiert das Können des Kopfhörerverstärkers als solcher natürlich mehr als seine Qualität als USB-Wandler. Als Kopfhörer für den Hördurchgang empfehlen sich wegen ihrer extremen Impedanzwerte mein niederohmiger Grado GS 1000 und der hochohmige, brandneue Sennheiser HD 800, den ich demnächst in einem eigenen Test näher vorstellen werde.

Abb. 3
Mit seinen 30 Ohm pro Schallwandler verlangt der Grado GS 1000 vom Kopfhörerverstärker vor allem Strom. Genauer: Schnell und relativ üppig im Takt der Musik gelieferten Strom, um die für ihn bei aller Durchsichtigkeit, Transparenz und vielen Details typische körperhafte Gangart mit kräftig Fleisch an den Knochen voll zur Geltung bringen zu können. Wer seinen GS 1000 kennt, weiß, dass Kontrolle im Tieftonbereich angesagt ist, um auf dem sehr kräftigen Bassfundament ein stabiles Klangbild aufzubauen.


 
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Vorschau

Die angekündigte Aufnahme der Cellosonaten hat sich zerschlagen, und bei der Wahl zwischen Esoteric und Acoustic Systems entschied sich Reinhold Martin für Artkustik: Unsere Vorschau kündet immer von besten Absichten, aber dann kommt es manchmal anders, als man denkt. Das ist heute glücklicherweise nicht so, denn unser Webmaster macht Urlaub und deshalb haben wir für die kommenden Wochen so einiges vorbereitet. Da wird es keinen Tag ohne neuen Artikel geben – vorausgesetzt, die Technik spielt mit: Die Reihe der Tests beginnt mit der Densen Vollverstärker-CD-Player-Kombination. Weiter geht’s mit Elac-Lautsprechern und den oben erwähnten Artkustik Amethyst. Einem  Pristine-Classical-Download wird mit nicht einmal einer Woche Abstand ein Statement From Birdland folgen, diesmal das mit der bereits mehrfach angekündigten Schlagzeuglegende Charly Antolini. Kurz vor der Vollendung – Achtung: Hier verlassen wir  den Boden gesicherter Erkenntnisse – stehen Amre Ibrahims Artikel über den Fonel CD-Player, die ein oder andere Kabelgeschichte von Reinhold Martin, Helmut Rohrwilds Test einer Funk Vorstufe und mein Bericht über PS Audios nahezu perfekte Perfect-Wave-Digital-Kombi.

Dirk Sommer