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01.11.09
 | Reinhold Martin
 

Fortsetzung: Violectric Kopfhörerverstärker HPA V200

Einerseits verlangt dieser Grado von seinem Verstärkerpartner Auflösung und extreme Verzerrungsarmut, um bei üppig präsentem Hochtonbereich Geigen nicht ihres Schmelzes zu berauben, und anderseits den relativ großflächigen Schallwandlern des Grado die Durchsichtigkeit und Transparenz abzutrotzen, mit denen er bei richtiger Dosierung durch den Verstärker zu einem wahren Gesamtkunstwerk auflaufen kann. Der GS 1000 stellt also wahrlich keine geringen Anforderungen an seinen Signallieferanten, der, falls es dem an angemessener Kompetenz in den genannten Disziplinen mangeln sollte, schnell zum Rüpel werden kann. Nicht so am Violectric-Kopfhörerverstärker. In dem hat der Grado seinen optimalen Spielpartner gefunden, der einerseits die notwendige Tieftonkontrolle ausübt, ja den Grado bei Bedarf knochentrocken rocken und andererseits im Hochtonbereich in Sachen Durchsichtigkeit und Transparenz nichts anbrennen lässt. Er bleibt auch den Geigen ihren Schmelz nicht schuldig. Einen derart körperhaften Auftritt wie am HPA V200 hatte der GS 1000 bei mir noch nie. Dieser Kopfhörerverstärker übertrifft denn auch alles, was sich bei mir bislang an diesem Grado aus dem Transistor- und Röhrenlager versucht hat. Übrigens arbeitete der Violectric am Grado mit einer Vorverstärkung von zwölf Dezibel im optimalen Bereich des Lautstärkereglers, was sich in maximaler Transparenz manifestierte.

Abb. 4
Mit seiner Impedanz von 300 Ohm stellt der Sennheiser HD 800 eine echte Herausforderung für Kopfhörerverstärker dar, die nicht allzu viel Spannung liefern. Die ist aber unerlässlich, um einen mit einer Impedanz von einigen hundert Ohm gesegneten Kopfhörer zum Singen zu bringen. Da geht auf der Basis von OP-Ampverstärkern, und damit an Kopfhöreranschlüssen von CD-Playern, nicht viel, und mit den meisten diskret aufgebauten Verstärkern mit niedriger Betriebsspannung oder gar reinen Stromverstärkern kaum mehr. Gut, dass der Violectric nicht nur niederohmige Grado und Co. üppig  mit Strom versorgt, sondern auch Spannung im Überfluss liefert. Auch mit weniger Fleisch an den Knochen als der Grado GS 1000 ist der HD 800 alles andere als ein körperlos aufspielender Kopfhörer. Allerdings versetzt er einen mit seinen ausgewogenen Höhen, Mitten und Tiefen in eine vollständig andere Klangwelt als der Grado, der mit ein wenig zu viel Tief- und Hochtonenergie eher den Showman gibt – das allerdings äußerst gekonnt. Gerade Klassikhörer hätten es aber gerne ausgewogener, eben neutraler und näher an der Vorlage. Und da werden sie mit dem HD 800 am HPA V200 bestens bedient. Die im besten Sinne neutrale Gangart dieses Gespanns wird allenfalls von dem supertransparenten, schnellen Stax 4070 an seinem Röhrenversorgungsteil überboten, wobei der Stax schon fast der Bulimie verdächtig ist. Dank hoher Betriebsspannung beflügelt der Violectric den Sennheiser zu souveränem Umgang mit hohen Signalpegeln. An diesem Vorverstärker kommt der HD 800 nie ins Schwitzen und verwöhnt den Hörer auch bei extremen Lautstärken üppig mit Transparenz und ordentlich Luft zwischen Instrumenten. Der HPA V200 sorgt aber auch dafür, dass das Klanggeschehen nicht so sehr im Kopf, sondern mit einiger Entfernung außerhalb von diesem wahrgenommen wird. Dies liegt gewiss vorrangig an der speziellen Schallwandleranordnung des HD 800, wird vom Kopfhörerverstärker aber nachdrücklich unterstützt. Eigentlich sollte der HD 800 zusammen mit dem HPA V200 vermarktet werden, da wir hier ein Gespann haben, bei dem sich die individuellen Qualitäten zur Synergie aufschwingen.

 
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Dirk Sommer