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27.02.10
 | Helmut Rohrwild
 

Luxman Vorverstärker C-600f
und Endverstärker M-600A

Luxman bietet – nach langen Jahren der Abstinenz vom deutschen Markt – wieder ein komplettes Programm an. Das ist eine sehr willkommene Bereicherung des Angebots für anspruchsvolle Musikhörer. Nach dem herausragenden Vollverstärker L 590 AII schien Helmut Rohrwild die kleinste Vorstufen-/Endstufenkombination für einen Bericht besonders reizvoll.

Abb. 1
Gerade den jüngeren Freunden des guten Klangs mag es fast unwirklich erscheinen, dass Luxman eine der ältesten Firmen ist, die sich mit der Herstellung von Geräten zur hochwertigen Musikwiedergabe befasst – und das tatsächlich schon seit 1925. Obwohl die Qualität immer exzellent war und ein gesundes Preis/Leistungsverhältnis geboten wurde, konnte man sich nicht den Nimbus mancher Wettbewerber verschaffen. Das ist eigentlich völlig unverständlich, denn sowohl in der Röhrenära als auch im Transistorzeitalter hat Luxman etliche Klassiker geschaffen, die bis heute begehrt sind. Dennoch wurden Luxman-Geräte mit seltsamen Attributen belegt, von denen wohl das dümmste „poor mans Accuphase“ war – nichts davon hatte Gründe, gar nichts. Warum sich Luxman dann vor langen Jahren auf den heimatlichen japanischen Markt zurückgezogen hat, ist und bleibt rätselhaft. Lassen wir die Vergangenheit ruhen, denn seit ein paar Jahren ist Luxman wieder da – mit einer umfangreichen und höchst attraktiven Produktpalette, die von futuristisch gestalteten Röhrenverstärkern über klassisch gezeichnete Vollverstärker bis zu eleganten, modernen Einzelkomponenten reicht. Bei all den verschiedenen Linien war eine sehr kundige und zurückhaltende Hand am Werk, wirken doch die Geräte schön stimmig und dezent elegant. Es müsste schon mit dem Teufel zugehen, wenn sich diese Marke nicht den ihr zustehenden Spitzenplatz im highfidelen Ranking sichern könnte.

Der eingangs erwähnte Vollverstärker L 590 AII hat mich ohne Einschränkung begeistert und seine Zugehörigkeit zum Stamme „High End“ eindrücklich bewiesen. So war es nur folgerichtig, zu erkunden, ob die Vor-/Endstufenkombinationen diesem Anspruch auch standhalten. Da gibt es drei Qualitätsstufen, natürlich auch preislich entsprechend gestaffelt, von denen ich mich für die kleinste Kombination aus C-600f und M-600A entschieden habe. Was heißt da bei jeweils 6.500 Euro schon klein? Das ist - absolut betrachtet - sicher eine ganze Menge Geld, aber im Kreis der potentiellen Konkurrenten eher am unteren Ende der Vergleichsskala angesiedelt. Die Einzelkomponenten sind Ableitungen der 1000-er Geräte, die Luxman zum achtzigjährigen Firmenjubiläum präsentiert hat. Diese sind dann deftig teuer, werden aber auch nur auf Bestellung gebaut. Wie wir gleich sehen werden, bedarf es dieser immensen Investitionen jedoch nicht, um in den Genuss einer exzellenten Musikwiedergabe zu kommen.

Abb. 2
Der Vorverstärker C-600f gehört, wie auch sein Kompagnon M-600A, zur modernen Designlinie von Luxman. Modern ja, aber um Himmels Willen nicht modisch, denn das würde ja den Langlebigkeitsanspruch konterkarieren, der sich merkbar in einer sehr stabilen Bauweise zeigt. Der C-600f ist eines der wenigen Geräte, die man nicht mal eben so aufschraubt, um sich das Innenleben anzuschauen. Nein, dafür gibt es eine separate Anleitung zum Öffnen des Gerätes (für die Endstufe gilt das auch), nach deren Studium ich auf eine größere Schrauborgie verzichtet und diese auch unserem Fotografen nicht zugemutet habe. Die Fotos vom Innenleben sind – ausnahmsweise – vom Hersteller. Das stattliche Gewicht von 13 Kilogramm für einen Vorverstärker verrät, dass Luxman da nicht gespart hat, allerhöchstens im Vergleich zu den größeren Brüdern. Die Verarbeitung des Gehäuses ist exzellent, mit perfekt gerundeten Kanten. Da sieht und spürt man die langjährige Erfahrung des Hauses Luxman.

Schlichte Eleganz mit reichlich Information
Die Front ist sehr übersichtlich. Auf der linken Seite prangt neben dem Standby-Taster der unverwechselbare Luxman-Schriftzug. Die restlichen zwei Drittel der Frontplatte werden von zwei Drehknöpfen und einem dazwischen angeordneten Display belegt. Der linke Drehknopf dient der Eingangswahl, der rechte ist für die Lautstärke zuständig. Unter dem Eingangswähler ist der Taster für die Monitorfunktion, unter dem Lautstärkeregler kann mit dem linken Taster zwischen symmetrischem und unsymmetrischem Ausgang gewählt, mit dem rechten die Pin-Belegung des symmetrischen Ausgangs umgeschaltet werden. Diese Möglichkeit ist sehr selten anzutreffen und zeigt einmal mehr den hohen Anspruch, dem sich Luxman verpflichtet sieht. Das Display bietet reichlich Informationen zum Betriebszustand des Vorverstärkers. Einziger Wermutstropfen ist die, zumindest für meine Augen, etwas klein geratene Schriftdarstellung. Das erwähne ich nur, weil alle Funktionen auch über die Fernbedienung aktiviert werden können und auf die Entfernung bei der Vielfalt durchaus mal eine falsche Wahl getroffen werden kann. Die Fernbedienung ist massiv, liegt gut in der Hand und ermöglicht, wie gesagt, die komplette Steuerung des C-600f. Dazu gehört auch eine Klangregelung, die aber komplett aus dem Signalweg genommen werden kann – wie könnte es auch anders sein.

Die massive Fernbedienung liegt gut in der Hand und kann sämtliche Funktionen des Vorverstärkers steuern.
Auf der Rückseite geht es trotz reichhaltiger Bestückung übersichtlich zu. Die einzelnen Anschlussgruppen sind von Rahmen eingefasst, so dass man sich schnell zurechtfindet. Fünf Cincheingänge und zwei XLR-Buchsen sind unter INPUTS zusammengefaßt, daran schließt die Aufnahmeschleife (Aufnahmeausgang + Monitor) an. Darunter wieder eines der unüblichen Details, eine Erdungsklemme; selten bei Line-Vorverstärkern zu finden, aber bei manch einem Brummproblem sehr hilfreich. OUTPUTS umfasst je zwei Buchsenpaare für symmetrische und unsymmetrische Ausgänge. Komplettiert wird das Anschlussfeld durch zwei REMOTE OUT-Buchsen, von denen aus mit einem speziellen Kabel weitere Luxman-Geräte aktiviert werden können, durch einen Netzschalter, eine Netzbuchse und eine Phasenkontrolle. Luxman misst dem phasenrichtigen Anschluss seiner Geräte offenkundig den angemessenen Stellenwert zu.

Reichhaltig bestückt, trotzdem schön übersichtlich
Mit Informationen hält sich Luxman dezent zurück. Eine spezielle Lautstärkeregelung namens LECUA 1000-WM (Luxman Electric Controled Ultimate Attenuator with Weighting Matrix Technology) und eine Widerstandsschaltung mit 72 Stufen, die immer nur maximal zwei Widerstände im Signalweg belässt, werden hervorgehoben.

Die Lautstärkeregelung à la Luxman ist aufwendig, aber klanglich unantastbar.
Die spezielle Lautstärkeregelung stammt aus dem Topmodell C-1000f, was fast einem Adelsprädikat gleichkommt, und sie ist wie dort kanalgetrennt realisiert. Weiterhin wird auf eine spezielle Gegenkopplungsschaltung namens ODNF hingewiesen. Das Innenleben präsentiert sich erwartungsgemäß sauber strukturiert mit einer üppig dimensionierten Stromversorgung. Hier und in der Endstufe setzt Luxman einen Trafo vom EI-Typ ein.

 
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Vorschau

Die angekündigte Aufnahme der Cellosonaten hat sich zerschlagen, und bei der Wahl zwischen Esoteric und Acoustic Systems entschied sich Reinhold Martin für Artkustik: Unsere Vorschau kündet immer von besten Absichten, aber dann kommt es manchmal anders, als man denkt. Das ist heute glücklicherweise nicht so, denn unser Webmaster macht Urlaub und deshalb haben wir für die kommenden Wochen so einiges vorbereitet. Da wird es keinen Tag ohne neuen Artikel geben – vorausgesetzt, die Technik spielt mit: Die Reihe der Tests beginnt mit der Densen Vollverstärker-CD-Player-Kombination. Weiter geht’s mit Elac-Lautsprechern und den oben erwähnten Artkustik Amethyst. Einem  Pristine-Classical-Download wird mit nicht einmal einer Woche Abstand ein Statement From Birdland folgen, diesmal das mit der bereits mehrfach angekündigten Schlagzeuglegende Charly Antolini. Kurz vor der Vollendung – Achtung: Hier verlassen wir  den Boden gesicherter Erkenntnisse – stehen Amre Ibrahims Artikel über den Fonel CD-Player, die ein oder andere Kabelgeschichte von Reinhold Martin, Helmut Rohrwilds Test einer Funk Vorstufe und mein Bericht über PS Audios nahezu perfekte Perfect-Wave-Digital-Kombi.

Dirk Sommer