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27.06.10
 | Matthias Jung
 

Mordaunt
Short Aviano 6

Traditioneller britischer Lautsprecherbau trifft Computertechnologie. Die mit modernsten Methoden entwickelte Aviano 6 von Mordaunt Short soll den Stand der Dinge dokumentieren und dabei auch noch von der Referenz aus eigenem Haus profitieren. Ob dies auch klangliche Auswirkungen hat, muss sie im Test erweisen.

Schlanke Standlautsprecher liegen im Trend und auch die Bestückung mit Hochtöner und zwei Tiefmitteltönern findet man inzwischen wie Sand am Meer; fast jeder Hersteller bietet entsprechendes an. In diesen hart umkämpften Markt hat sich der britische Traditionshersteller Mordaunt Short mit der neuen Aviano-Baureihe gewagt. Die Nummer 6 unterscheidet sich auf den ersten Blick kaum von ihren zahllosen Konkurrenten.

Zeitgemäße Säulenform bei den Aviano 6
Die Feinheiten liegen, wie so oft, unter der Oberfläche. Besonders stolz ist Mordaunt Short auf die computergestützte Entwicklung ihrer Lautsprecher. Diese umfasst neben dem Gehäusedesign auch die einzelnen Chassis. Sogar Hochtönergehäuse und Tieftonkorb sind mittels Rechner erdacht und optimiert worden. Möglich macht diesen Aufwand die konsequente Trennung von Entwicklung und Produktion. Erdacht und erstmals aufgebaut in England, werden alle Mordaunt Short-Lautsprecher in China gefertigt.

Mordaunt Short hat sich so in den letzten Jahren den Ruf erworben, Lautsprecher mit  ausgezeichnetem Preisleistungsverhältnis im unteren und mittleren Preissegment zu bauen. Vor einiger Zeit wurde mit der Perfomance-Reihe ein Statement im Lautsprecherbau abgeliefert: Immer noch günstig, aber durchaus mit den besten passiven Lautsprechern auf Augenhöhe. Die Aviano ist die erste Neuentwicklung nach der Performance, und viele Erkenntnisse aus deren Entwicklung sollen Anwendung bei der ungleich preiswerteren Reihe gefunden haben. So ist der Hochtöner der getesteten Aviano 6, wie bei allen anderen Modellen dieser Reihe, ein direkter Ableger, und auch die zwei Tiefmitteltöner sollen in den Genuss der neuesten Technologie der Performance gekommen sein.

Direkter Abkömmlich aus der Performance: Hochtöner der Aviano-Reihe
Beim Auspacken der Aviano 6, dem zweitgrößten Modell aus der Aviano-Linie für 800 Euro das Paar, ist man ob des geballten Einsatzes neuester Entwicklungstechnologie fast ein wenig enttäuscht, dass der Lautsprecher nicht reden kann oder zumindest einmal freundlich mit dem Hochtöner zwinkert.

Dann steht sie da, zeitgeistig schlank und gefällt mir richtig gut. Der auf Fotos in meinen Augen immer etwas aufdringlich scheinende Metallglanz der Chassis geht in Natura mehr in Richtung Magnesium und gibt dem Lautsprecher optisch einen fast noblen Touch. Hoch- und Tiefmitteltöner sind auf einem stabilen Metallrahmen bündig beziehungsweise etwas abgesenkt eingelassen, was dem Abstrahlverhalten zugute kommt. Die Schallwand ist nach vorne gebogen, um Reflexionen an den Seitenkanten gar nicht erst aufkommen zu lassen. Auf der Rückseite befinden sich die Öffnungen der zwei Bassreflexrohre und das Bi-Wiring-Lautsprecherterminal zur getrennten Ansteuerung des Hoch- und Tiefmitteltonbereichs entweder mit mehreren Sätzen Kabeln oder Verstärkern. Auf der Unterseite befinden sich Gewinde zur Aufnahme der stabilen, mitgelieferten Spikes.

Praktische Unterlegscheiben für den Betrieb auf Holzböden
Die Aviano 6 ist sauber gefertigt, das Furnier ordentlich geklebt. Das macht alles einen wertigen, wenn auch nicht gediegenen Eindruck. Die Kabelklemmen nehmen Bananenstecker, Kabelschuhe oder Kabelenden auf. Sie sind zwar stabil, aber leider nicht wirklich griffig ausgeführt, und die Blechbrücken der Terminals wirken billig. Hier wünsche ich mir persönlich lieber wieder einmal ein paar hochwertige Single-Wire-Schraubklemmen und den Verzicht auf die Bi-Wiring-Option.

Universell, aber nicht besonders hochwertig
Technisch ist die Aviano 6 ein 2 1/2-Wege-System, bei dem der untere der beiden 16-er Tiefmitteltöner aus Aluminium nur den Bassbereich wiedergibt und bei 300 Hertz sanft mit sechs Dezibel pro Oktave aus dem Verkehr gezogen wird. Der obere ist zusätzlich auch noch für den Mittelton bis drei Kilohertz zuständig, wo er mittels einer zwölf Dezibel-Weiche an den 25 Millimeter-Kalottenhochtöner, ebenfalls aus Aluminium, übergibt. Dieser sitzt hinter einem Gitter, das ihn zum einen gegen Beschädigung schützt, zum anderen die Abstrahlcharakteristik optimiert. Aufgrund des recht guten Wirkungsgrades von 88 Dezibel pro Watt und Meter kommen auch leistungsärmere Verstärker gut mit den Lautsprechern zurecht. Die Weiche ist zum Schutz vor Vibrationen isolierend gelagert, im direkten Signalweg kommen Polypropylen-Kondensatoren in Parallelschaltung zum Einsatz.

Bei der Aufstellung sollte man sich ruhig etwas Zeit nehmen. Durch die Bauform mit den nach hinten abstrahlenden Bassreflexrohren, von denen eines auch noch relativ weit unten angeordnet ist, gibt es nicht so viele Freiheitsgrade. Am besten platziert ist die Aviano 6 mit großzügigem Abstand von Seitenwänden, Ecken und Rückwand, ansonsten riskiert man einen überbetonten und unpräzisen Bassbereich. Experimente mit dem Einwinkeln auf den Hörplatz hin führen einen langsam zu dem Punkt, an dem die Lautsprecher akustisch immer weiter in den Hintergrund treten und den Raum zwischen den Schallzentren auffüllen. In meinem Hörraum erwies sich leichtes Einwinkeln als optimal bei einer Basisbreite von 2,5 Metern und einem Hörabstand von zirka drei Metern. Diesen Aufwand sollte man auf keinen Fall scheuen, denn die Aviano dankt es einem mit klarerem, saubererem Klang.

Nun zu den akustischen Qualitäten. Es wird ja oft die Floskel des ausgeglichen spielenden Lautsprechers bemüht, um eher langsam und wenig involvierend klingende Geräte trotzdem wohlwollend zu beschreiben, gern noch mit dem Hinweis auf die Nähe zu Studio-Monitoren, was bedeuten soll, dass nichts heraussticht, aber auch nichts falsch gemacht wird – mit anderen Worten: Langeweile ist angesagt.


 
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Vorschau

Die angekündigte Aufnahme der Cellosonaten hat sich zerschlagen, und bei der Wahl zwischen Esoteric und Acoustic Systems entschied sich Reinhold Martin für Artkustik: Unsere Vorschau kündet immer von besten Absichten, aber dann kommt es manchmal anders, als man denkt. Das ist heute glücklicherweise nicht so, denn unser Webmaster macht Urlaub und deshalb haben wir für die kommenden Wochen so einiges vorbereitet. Da wird es keinen Tag ohne neuen Artikel geben – vorausgesetzt, die Technik spielt mit: Die Reihe der Tests beginnt mit der Densen Vollverstärker-CD-Player-Kombination. Weiter geht’s mit Elac-Lautsprechern und den oben erwähnten Artkustik Amethyst. Einem  Pristine-Classical-Download wird mit nicht einmal einer Woche Abstand ein Statement From Birdland folgen, diesmal das mit der bereits mehrfach angekündigten Schlagzeuglegende Charly Antolini. Kurz vor der Vollendung – Achtung: Hier verlassen wir  den Boden gesicherter Erkenntnisse – stehen Amre Ibrahims Artikel über den Fonel CD-Player, die ein oder andere Kabelgeschichte von Reinhold Martin, Helmut Rohrwilds Test einer Funk Vorstufe und mein Bericht über PS Audios nahezu perfekte Perfect-Wave-Digital-Kombi.

Dirk Sommer