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Bose Sounddock 10
Ghettoblaster reloaded
Bose will mit seinem Sounddock 10 nicht nur die Schaltzentrale für digitale Musik sein, sondern auch gleich die klassische Stereoanlage überflüssig machen – und das mit nur einem Lautsprecher. Ein Ausflug in die rein digitale Gegenwart.

Bose Sounddock 10 - Ghettoblaster reloaded
„Und dann kommt auch noch ein Dock für den iPod“. Eine Dockingstation für einen MP3-Player? Vor dem inneren Auge defilieren zahllose Jugendliche mit laut plärrendem Handy an mir vorbei und grinsen hämisch. Und das mir. Ich habe gar keinen iPod. Ein Bekannter, mit dem Problem konfrontiert, fragt mich: „Ist deiner kaputt?“ Einen iPod hat man – ich nicht! Ich hatte damals nicht mal einen Walkman.
Letztendlich schickte der Chefredakteur seinen mit, um mir den Test zu ermöglichen, und vielleicht sollte man sich ja auch mal etwas außerhalb des eigenen Terrains bewegen.
Im Zeitalter der Downloads und immer kleiner werdender Speichermedien hat sich auf breiter Ebene als Konserve längst die Datei anstelle der CD durchgesetzt. Anfänglich den Early Adopters vorbehalten (in diesem Fall meist Jugendlichen, die vor Qualität in 96 Kbit/s nicht zurückschrecken), gibt es heute bereits servergestützte Lösungen. Die Qualität der Downloads steigt, und langfristig wird jeder so etwas sein eigen nennen.
Besonders die Firma Apple mit dem iPod, dem ersten wirklich schicken Player mit großer Festplatte, und der dazu gehörige Downloadservice iTunes hat die Spieler salonfähig gemacht. Nun möchte man ja nicht immer nur Musik über Kopfhörer oder über den PC respektive Mac hören und über einen Handylautsprecher schon mal gar nicht. Im Wohnzimmer möchte man sich entspannen. Ein Computer ist nach allgemeinem Empfinden immer noch ein Arbeitsgerät, und daran möchte man im Wohnzimmer nur ungern erinnert werden. Und hier kommt das Sounddock von Bose ins Spiel. Als größte Dockingstation im Programm, kommt das Sounddock 10 für stolze 798.- € ins Haus. Im Gegensatz zu den kleineren Modellen ein rein stationäres Gerät, der Betrieb mit Batterien oder Akkus ist nicht vorgesehen.

PLUD AND PLAY – IPOD IM SOUNDDOCK
Der erste Aha-Effekt erfolgt beim Auspacken. Das Pod-Dock, trotz seiner bescheidenen Abmaße satte 8,4 kg schwer, macht einen sehr gediegenen Eindruck, die Verarbeitungsqualität ist ausgezeichnet. Mit seiner geschwungenen Front, dem abgesetzten Fuß und der Optik eines großen Lautsprechers ist es nicht nur wohnzimmertauglich, sondern auch ein schöner Blickfang. Mit der kleinen, flachen Fernbedienung lassen sich die Basisfunktionen des iPod bequem vom Sofa aus steuern.

STEUERT DIE HAUPTFUNKTIONEN DES IPOD – FERNBEDIENUNG DES SOUNDDOCK
Der iPod oder das iPhone werden vorne mittig einfach eingesetzt, auf der Rückseite gibt es einen Ausgang für Videos und einen Eingang für externe Hochpegelquellen als 3,5 Millimeter-Klinke ausgeführt.
Technische Daten werden auch auf direkte Anfrage bei Bose nicht herausgegeben, man verweist auf den tollen Klang und darauf, dass man sich anhand von Daten kein Bild des Gerätes machen kann. Na gut, ich wollte an sich nur die möglichen Abtastraten des eingebauten D/A-Wandlers erfragen und mögliche Dateiformate, dann eben nicht. Laut Website kommt Boses Waveguide-Prinzip zum Einsatz. Dabei erhält ein Tieftöner Unterstützung durch eine gefaltete Röhre, was ihm hohe Auslenkungen erspart und gleichzeitig für kräftige Bässe im kleinen Gehäuse sorgt. Ein Übriges tut die aktive Entzerrung dieses Töners. Die Röhre windet sich kunstvoll durch das Gehäuse, und Bose will mit diesem Prinzip der Physik ein Schnippchen geschlagen haben. Die Schallöffnung liegt auf der Rückseite, weswegen man das Sounddock 10 nicht im Regal oder direkt vor der Rückwand betreiben sollte.

AUSGANG DES WAVEGUIDE AUF DER RÜCKSEITE
Ganz schön mager denke ich mir bei der Anzahl der Eingänge. Doch stopp, so geht das nicht. Man muss sich schon ein wenig in die Möglichkeiten jenseits von Eingangswahlschaltern vertiefen, digital braucht man so was ja nicht unbedingt. Neben der Nutzung von iPhone oder iPod gibt es noch die Möglichkeit, über einen Bluetooth-Empfänger, der in die Buchse zur Aufnahme der Portables gesteckt werden kann, Musik zum Pod-Dock zu streamen. Dann ist man nicht auf die Unterstützung von Apple-Geräten angewiesen, es reichen ein bluetoothfähiges Handy oder ein PC, um Musik drahtlos weiter zu leiten. Trotzdem gibt es den größten Funktionsumfang in der Mac OS X-Umgebung. Wer einen iPod Touch oder ein iPhone sein eigen nennt, kann gleich raumunabhängig von einem externen UPnP-Server streamen und darf mittels eines App, wenn er mit den meist sehr niedrigen Datenraten leben kann, auch noch Internetradio hören. Welche Übertragungsraten möglich sind, beziehungsweise welcher Bluetooth-Standard unterstützt wird, ließ sich nicht raus kriegen – ebenso wenig, welche Dateiformate unterstützt werden. Es kann aber davon ausgegangen werden, dass das Sounddock mit allem, was über iTunes abspielbar ist, gefüttert werden darf und dabei CD-Qualität erreicht wird.

STATT QUELLENWAHLSCHALTER EIN BLUETOOTH-EMPFÄNGER
Für den Hörtest habe ich ausschließlich unkomprimierte, von CD extrahierte AIFF-Dateien verwendet, um mit der bestmöglichen Datenqualität zu arbeiten. Und dann sitzt man davor und weiß erst mal nicht, wo man das schöne Stück nun hinstellen soll. Vor der eigenen Anlage ist nur auf dem Boden Platz, das wäre unfair, ins Regal geht auch nicht wegen der hinten liegenden Schallöffnung.
Egal, erst mal auf den Schreibtisch gestellt und angeworfen. Nach den ersten Tönen bin ich platt. Was an Abbildungsgröße, Volumen, Bass und Druck aus dem kleinen Ding raus kommt, ist schier unglaublich. Bei einer Basisbreite von 43,2 Zentimeter ist die Stereoabbildung natürlich nicht mit separaten Lautsprechern zu vergleichen, aber rein vom Eindruck her, sprengt der kleine Bose die Gerätekanten und hängt links und rechts noch mal ein gutes Stück Raum dran, sehr erstaunlich. Trotz des kräftigen Basses kann das Sounddock richtig laut spielen und rockt regelrecht los. Die Tieftonwiedergabe ist sehr füllig, Stimmen stehen klar umrissen im Vordergrund, das Ganze gerät raumfüllend, aber eben von einer kleinen Schallquelle mit gefühlten 80 cm Breite aus. Der Bass geht erstaunlich tief, wobei beim Gang in den Frequenzkeller irgendwann Gehäusegröße und Physik einen Riegel vorschieben. Dies subjektiv allerdings erst sehr spät.
Überhaupt hängt die Performance stark von der Raumgröße ab. Mein 28 Quadratmeter-Altbauwohnzimmer konnte man damit nicht raumfüllend beschallen, das 14 Quadratmeter-Arbeitszimmer aber spielend mit Musik fluten, hier lässt das Bose Sounddock 10 seine Größe komplett vergessen. Der Hochtonbereich gerät kräftig und hell, gemessen an den von der Gehäusegröße gegebenen Limitierungen in der Abstrahlung sogar sehr gut aufgelöst und klar.
Im Mitteltonbereich trübt sich das bisher makellose Bild, er ist nämlich ein wenig unterrepräsentiert. Alles was rockt, knallt und pumpt, kommt richtig gut und partytauglich aus dem Dock. Auch bei klassicher Musik sind Streicher und Bläser sehr präsent, die Kontrabässe schrummeln oder brummeln. Es fehlen aber Feinheiten und Farben, der musikalische Fluss kommt schon mal durcheinander, und einige Rauminformationen gehen unter. Aber diese Kritik hat das Sounddock nur verdient, wenn man direkt davor sitzt. Und wer tut das schon? Höchstens ein beruflicher Hifi-Tester.