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28.07.10
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Bastanis Firebird – ein Appell an die eigene KreativitätVon Zeit zu Zeit erblicken auch ungewöhnliche Konzepte das Licht der highfidelen Welt. Sie bergen allerlei thematischen Zündstoff, ihr Erscheinen polarisiert. Die Bastanis Firebird ist ein solches Konzept, das darüber hinaus auch noch meine Lieblingsfrage zu neuem Leben erweckt: Wie viel Lautsprecher braucht der Mensch eigentlich?
Die Konfrontation mit der Bastanis Prometheus MK I war meine persönliche Begegnung der dritten Art, die für mich in eine Neudefinition des Themas High End mündete. Lautsprecher hielten bei mir bis zu diesem Zeitpunkt im Halbjahrestakt Ein- und Auszug. Der teuer erkaufte Vorgänger meiner Mandala Prometheus MK II schaffte es gar, nicht mal ganze vier Wochen in meinem Hörraum zu verweilen. Schuld war – wie so oft – der Zufall: Eigentlich sollte es ein neuer Plattenspieler sein, den ich mir, einer Anzeige im Audio-Markt folgend, in meiner Nachbarschaft zu Gemüte führen wollte. Bei einer Tasse Kaffee tauschte man sich über die eigenen Ketten aus, stellte deren Familienverwandtschaft fest und begab sich dann ans Hören. Nach wenigen Minuten wurde mir bewusst, dass meine Aufmerksamkeit schon längst nicht mehr dem Objekt der ursprünglichen Begierde galt – die Prometheus MK I hatte mich bereits vollständig in ihren Bann gezogen. Die Unmittelbarkeit, Ehrlichkeit … ja Livehaftigkeit mit der diese Schallwände aufspielten war für mich neu. Ein paar kurze Recherchen im Web und schon war klar, dass die von der Presse nach dem Prinzip gehört/gekauft frenetisch gefeierten Prometheus mir keine Ruhe mehr lassen würden. Da halfen auch die bereits im Vorfeld zum Scheitern verdammten gedanklichen Beruhigungsspritzen à la Du hast doch erst eben ... oder das Bessere ist des Guten Feind … nichts mehr. Nur zwei Wochen später stellte ich die neuste Version der Prometheus MK II, die Mandala, in meinem Hörraum auf. Ich wünschte, ich könne Ihnen berichten, dass es bei diesem Investment blieb. Nein – alles hatte sich diesen Lautsprechern unterzuordnen, sämtliche Elektronik wurde ausgetauscht, um die Schallwände bestmöglich befeuern zu können. Die gute Nachricht: Der persönlichen Lautprecher-Fluktuation wurde endlich ein Ende gesetzt. Seit nunmehr zwei Jahren halten die Bastanis Mandala Prometheus MK 2 ihre Stellung in meinem Hörraum – persönliche Bestmarke. Die Kunde von der Entwicklung eines neuen Bastanis Lautsprechers weckte bei mir sofort dem Wunsch, bei deren Besprechung die Pole Position einzunehmen. Das Telefonat mit Robert Bastani hinterließ überraschenderweise eine ordentliche Portion Skepsis: Breitbänder, Dipolbässe, Subwoofermodul und Verkabelung – all das für weniger als 2000 Euro!? Kann das wirklich funktionieren? Wo wurde der Rotstift angesetzt, um das Konzept der Firebird zu realisieren? Welche Kompromisse wurden eingegangen, um diesen Preishammer – ein Synonym wäre unangebracht – zu ermöglichen? Die Antworten darauf erhielt ich postwendend. Ich habe im wahrsten Sinne des Wortes Bauklötze gestaunt, als ich den Inhalt der beiden größeren von drei Kartons freilegte. Ich blicke auf die ausgepackten Kartons und genau jene Gefühlslage stellte sich ein, die mich immer beschleicht, wenn ich kurz vor der Montage eines IKEA Billy Regals stehe. Vor mir breiten sich Dipolbass-Gehäuse mit vormontierten Basstreibern, Breitbandlautsprecher, Boden- & Verbindungsplatten mit vormontierten Hochtönern aus rohem und geschliffenem Birken-Multiplex, Kabel, Filzpunkte, Lamellen, Schrauben, Inbusschlüssel und … zwei Schalen aus Bambus aus, die mir merkwürdig bekannt vorkommen: Richtig, es handelt sich um zwei modifizierte und zweckentfremdete IKEA Bambusschüsseln! Das ist so frech, dass es schon wieder originell ist. Auf diese Überraschung hin musste erstmal eine Tasse Kaffee und ein weiteres Telefonat mit Robert Bastani her, doch dazu später mehr. Trotzdem fühle ich mich an dieser Stelle verpflichtet, Sie zu bitten, für einen kurzen Moment in sich zu gehen: Wenn Sie unbedingt darauf bestehen, einen Lautsprecher zu kaufen, der einfach nur im Wohnzimmer aufgestellt werden muss und geleckt und gelackt darauf wartet, einen Schönheitspreis zu gewinnen, dann Hände weg von der Firebird! Hören Sie jetzt sofort auf zu lesen! Das Bastanis Firebird Konzept sucht nicht nach verzückten Aaaaah und Ooooh Ausrufen – zumindest nicht of the box. Die Firebird weiß auch im Rohzustand das Auge zu erfreuen, aber eben nicht durch Hochglanzoptik, sondern vielmehr durch ihr pures, jugendliches, beinahe schon keckes Erscheinungsbild. Natürlich hängt der Firebird ein Geruch von Do It Yourself an – in dieser Szene ist Bastanis ohnehin eine Institution. Für einen Teil der Fertiglautsprecherklientel aber dürfte die bloße Erwähnung von DIY schon zuviel des Guten sein, auch wenn der Zusammenbau der Firebird flott und selbsterklärend von der Hand geht. Geübte Billy-Schrauber sollten dafür maximal 45 Minuten benötigen. Ein wenig Vorsicht ist lediglich bei der Verschraubung der Breitbänder mit den Bambusschallwänden und bei deren Fixierung an den Verbindungsplatten geboten, um die Magneten nicht zu beschädigen. Durch meine Erfahrung mit der Prometheus weiß ich, dass die Breitbänder trotz einer – oder gerade wegen?– der sehr leichten Papiermembran einer recht langen Einspielzeit bedürfen, um sich voll zu entfalten. Die Papiermembran wird laut Bastanis in einem aufwendigen Verfahren von Hand behandelt. Hier wollte sich der Entwickler verständlicherweise nicht in die Karten schauen lassen. Diese spezielle Behandlung soll den Breitbandlautsprechern gestatten, sich bei höheren Frequenzen als Biegewellen-Schallwandler zu verhalten und so die allgemein bekannten Frequenzbereichslimitierungen großer Membranen hinter sich zu lassen – ohne Bündelungseffekte und störende Resonanzen. Die im Lieferumfang enthaltenen, aufklebbaren Filzpunkte zur zusätzlichen Bedämpfung der Innenmembran
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