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Butcher Holler – A Tribute To Loretta Lynn

20.10.10  | Mátyás Kiss
 
Die junge Eilen Jewell singt der hier nie so recht wahrgenommenen, zu ihrer Zeit umstrittenen Country-Legende Loretta Lynn ein schwungvolles, durchweg gelungenes Ständchen.

Butcher Holler – A Tribute To Loretta Lynn
Hinter dem Decknamen Butcher Holler (der Kleinstadt in Kentucky, in der Lynn aufwuchs) verbirgt sich niemand anderes als Eilen Jewell und ihre Working Band. Hier sind sie ganz auf scheinbar traditionelle Country-Sounds der sechziger und siebziger Jahre eingeschworen. Aber Loretta Lynn, so sehr sie die Country-Klischees zu bedienen schien, hatte es faustdick hinter den Ohren: Niemand anderes wurde so oft aus dem amerikanischen Radio verbannt, weil sie immer wieder Tabus brach und heiße Eisen aufgriff. Mit ihrer unbestechlichen weiblichen Sicht der Dinge erweiterte sie das bis dahin doch sehr eingeschränkte Themenspektrum des Genres. Schon Titel wie „You Ain’t Woman Enough To Take My Man“ und „Don’t Come Home A-Drinkin‘ With Lovin‘ On Your Mind“ zeugen von ihrem starken Selbstbewusstsein – Frauen wie Männern gegenüber.

Eilen Jewell, deren Stimme mich hier ein wenig an Michelle Shocked erinnert, singt die Songs der viel älteren Kollegin nicht so, als ob sie ein halbes Jahrhundert auf dem Buckel hätten, sondern so, als hätte sie sie kürzlich selbst geschrieben. Das sagt einiges über die anhaltende Aktualität des Songmaterials, aber auch über die Identifikationsfähigkeit der Sängerin mit ihrem Rollenvorbild.

Die Mimikry der Beteiligten bezieht sich nicht bloß auf die seit Elvis‘ frühen Tagen eingeführte Besetzung akustische Gitarre, E-Gitarre oder Pedal Steel, Standbass und rudimentäres Schlagzeug, sondern auch auf die Zahl der Stücke auf der Platte (12), die bei je zweieinhalb Minuten Spielzeit eben nur eine halbe Stunde Musik ergeben. Das war auch auf den frühen LPs nicht anders, kommt einem aber für eine CD recht karg vor. Hoffentlich wird sie wenigstens etwas billiger angeboten! Dafür hätten die Sun-Studios mit der damaligen Technik niemals so ein satt tönendes, störungsfreies Klangbild hervorbringen können. Aber dies ist schon der einzige Tribut an den Perfektionismus unserer Tage.  

Butcher Holler – A Tribute To Loretta Lynn
Signature Sounds Recordings SIG 2030 (Vertrieb: In-akustik)
Spieldauer: 30:13

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