Soulines Dostoyevsky DCX

09.03.2015 // Matthias Jung

Kompletter Szenenwechsel. Edvard Griegs „Landkjenning“ (Unicorn, 1979). Großer Chor, volles Orchester mit Schlagwerk. Die dramatischen Szenen werden in kompletter Breite gereicht, weiblicher und männlicher Chorpart sehr schön getrennt wiedergegeben und mit großer Verständlichkeit. Ich bin mir da sicher, bestimmt – verstünde ich nur norwegisch. Die verschwenderisch eingesetzten Becken sind sauber getrennt vom Rest hörbar, die tiefen Streicher hallen schön in den großen Raum aus. Allein die Abbildungsgröße ist mir etwas zu eingeschränkt, und auch den Pauken fehlt der letzte Impetus und Punch. Ich erinnere mich, den Jelco schon in anderen Kombinationen in diesen Disziplinen als zurückhaltenden Kandidaten gehört zu haben. Wenn jetzt der soulines Dostojevsky hier nicht korrigierend eingreift, kann man das nicht dem Laufwerk zum Vorwurf machen. Spielt er in eben diesen Bereichen auch etwas zurückhaltend, kann es auch mal etwas mager werden. Das für sich ganz ausgezeichnet spielende WSS Silverline ist ziemlich neutral und hochauflösend, wie ein Quercheck mit dem Van den Hul M.C.D 501 zeigte, das etwas mehr Fleisch in die Wiedergabe bringt. Schade, dass keine SME-Basis zur Verfügung steht, ein SME V hätte sicher Klärung an dieser Stelle gebracht. Ein probeweise ein zweites Mal eingebautes Goldring G-1022GX bestätigt die gewonnenen Eindrücke, wenn es auch etwas weiträumiger und detaillierter als das Ortofon zu Werke geht und fetziger klingt.

Die verschiedenen Lagen Multiplex haben Ausschnitte zur Resonanzoptimierung erhalten
Die verschiedenen Lagen Multiplex haben Ausschnitte zur Resonanzoptimierung erhalten

Widmet man sich wieder etwas handfesterem Material, fällt dafür besonders in der Mitte ein ausgeprägter Hang zu Feinheiten und Klangschattierungen auf, wie er in dieser Preisklasse eben auch nicht selbstverständlich ist. Das ist dann schon ganz schön delikat. Auch Frauenstimmen fehlt es an nichts. Im Gegenteil, Tori Amos mit „Beauty Queen/Horses“ von der Boys for Pele (WEA, 1996) singt sich mit jeder Phrasierung direkt unter die Haut, das mächtige Klavier, das mit viel Pedaleinsatz fast gläsern im Raum steht, hat Autorität und Kraft, das Ausklingen hängt schwerelos im Raum.

STATEMENT

Schnell, trocken, kontrolliert mit viel Sinn für Feinheiten katapultiert sich der soulines Dostoyevsky DCX in die erste Reihe seiner Preisklasse. Tonal spielt er auf der schlanken Seite. Experimente mit anderen, durchaus teureren Tonarmen als dem Jelco bieten sich an, lotet dieser die Qualität des Laufwerks wohl bei weitem noch nicht aus.
Gehört mit
Analoglaufwerk Technics SL-151/II, Roksan Radius
Tonarme SME V, Roksan Tabriz
Tonabnehmer Goldring G-1022GX, Ortofon Quintet Blue, Linn Asaka vdH
Phonopre AMR ifi iPhono
CD-Laufwerk Denon DCD-1290
Verstärker Unison Unico, music hall a15.2
Lautsprecher Spendor A5, Heißmann Acoustics Cinetor
Kabel TaraLabs, RG142, Vovox, Sommer, Oehlbach, Baumarkt, Funk-Tonstudiotechnik, Supra Cable, Audioquest
Herstellerangaben
Soulines Dostoyevsky DCX
Abmessungen (B/T/H) 460/350/85(150) mm
Gewicht 9,5 kg
Plattenteller 2,6 kg aus PTE, 40 mm stark
Chassis 3 x 20 mm Birkenschichtholz-Lagen, verleimt
Ausführung Birke Multiplex natur, fein sandgestrahlt, satiniert
Preis (mit Jelco Tonarm) 2500 Euro

Vertrieb
hifi12a KG
Anschrift Am Herrengarten 12 A
D-49504 Lotte-Wersen
Telefon +49 5404 9175899
Fax +49 5404 918870
E-Mail info@hifi12a.de
Web www.hifi12a.de


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