Stirling Broadcast SB-88

24.10.2016 // Matthias Jung

Vom Chefredakteur als „irgendwelche britischen Monitore“ angekündigt, stellten sich die auf den Seiten des Vertriebs hifi12a präsentierten Stirling Broadcast SB-88 als Lautsprecher in der BBC-Tradition heraus. Da ich selbst jahrelang eine Spendor SP 1/2E und eine Rogers Studio 1 besessen habe, bin ich natürlich besonders neugierig.

So etwas nennt man dann heutzutage auch gern mal vintage. Optisch orientieren sich die Stirling Broadcast SB-88 am klassischen Lautsprecherbau von der Insel
So etwas nennt man dann heutzutage auch gern mal vintage. Optisch orientieren sich die Stirling Broadcast SB-88 am klassischen Lautsprecherbau von der Insel

Stirling Broadcast hat früher gebrauchte Rundfunktechnik und eben auch Monitore repariert. Nach dem Produktionsende der LS 3/5a wurden dann noch Ersatzteillagerbestände zu neuen Lautsprechern verbaut. Im Jahr 2001 gab es, nach einem Intermezzo mit wieder aufgelegten KEF-Originalchassis, die erste Eigenentwicklung der 3/5a mit SEAS- und ScanSpeak-Chassis. Die folgenden Eigenentwicklungen LS 3/6 und SB-88 entstanden in enger Zusammenarbeit mit Derek Hughes, dem Sohn des Spendor-Gründers Spencer. Derek Hughes war federführend bei der Entwicklung einiger klassischer Spendor-Modelle und wurde dann selbständig als beratender Entwickler unter Anderem für Harbeth, Graham und eben auch Stirling Broadcast tätig, wo er erst die LS 3/6 designte. Lustigerweise ein Lautsprecher, der von Rogers als Konkurrenz zur BC1 gedacht war, von der BBC aber verschmäht und dann als Export-Monitor und in späteren Versionen als Studio 1 angeboten wurde. Die heutigen Entsprechungen dieser ehrwürdigen Ahnen sind dann Harbeth SHL5+ und Spendor SP 1/2R2.

Ist die LS 3/6 tatsächlich auch als Studio Monitor gedacht, stellt die SB-88 als der kleinere Ableger die „Domestic Version“ für den Heimgebrauch dar. So sehr ich das Konzept und die alten BBC-Monitore mag, kann ich mir kaum vorstellen, dass ein Studio heute noch eine LS 3/6 zum Abhören benutzt. Aber egal.

Beim Vertrieb hifi12a erhältlich: Lautsprecherständer im Studio-Look. Durch die Rollen lassen sich die Lautsprecher einfach und schnell in die gewünschte Hörposition bringen oder einfach schnell aus dem Weg räumen
Beim Vertrieb hifi12a erhältlich: Lautsprecherständer im Studio-Look. Durch die Rollen lassen sich die Lautsprecher einfach und schnell in die gewünschte Hörposition bringen oder einfach schnell aus dem Weg räumen

Ein Wort vorab zu den „BBC-Monitoren“. Nicht alles, was alt und von Rogers, Spendor, KEF oder Harbeth ist, ist auch ein BBC-Monitor. Ende der 60er Jahre wurde innerhalb des BBC Research Department unter anderem mit der Beteiligung von Spencer Hughes (Gründer von Spendor) und Dudley Harwood (Gründer von Harbeth) an der Entwicklung von Gehäusekonzepten und Chassismaterialien für Studiomonitore geforscht. Aus diesen Forschungen leiteten sich dann mehrere Modelle ab, die entsprechend der Spezifikation von mehreren Herstellern in Lizenz gebaut wurden. Wirklich bei der BBC eingesetzt wurden meines Wissens nur die Spendor BC1 (eine Eigenentwicklung von Spendor), die LS 3/5a (in Lizenz von KEF, Spendor, Harbeth, Chartwell und Rogers gebaut) sowie die LS 5/9 (als Radioübertragungsmonitor für hohen Schalldruck) und die LS 5/8 von Rogers. Alle anderen Produkte dieser Hersteller haben vielleicht von den Entwicklungen profitiert, sind aber keine BBC-Monitore. Ganz nebenbei waren die Vorgaben in den Pflichtenheften so strikt, dass nicht einfach Chassis von der Stange genommen werden konnten, allein der Selektionsprozess wäre in der Großserie unrentabel gewesen.


  • Kaiser Acoustics Kawero! Classic

    Wer ab und zu einen Blick in die Liste der für den Test verwendeten Komponenten wirft, dem dürfte aufgefallen sein, dass die Kawero! Classic schon lange in meinem Hörraum zu Gast sind. Bei diesem Bericht der etwas anderen Art werde ich auch nichts über die Technik schreiben – und dennoch werden Sie zum Schluss umfassend informiert sein Meine Kollegen und ich genießen das Privileg, unsere Testobjekte unter vertrauten Bedingungen in der heimischen Kette erleben können.…
    12.05.2017
  • ICHOS Lautsprecher jetzt serienmäßig mit Duelund

    Der österreichische Lautsprecherhersteller ICHOS hatte bereits auf der letztjährigen Wiener HiFi-Messe klangBilder mit seinen speziell behandelten Breitbandsystemen einen starken Auftritt. Und mit den sehr hochwertigen Duelund-Frequenzweichen-Bauteilen soll der nun noch besser werden. Das Gehäuse der Ichos-Schallwandler beherbergt ein definiertes nach unten abstrahlendes Horn, das für den Bass zuständig ist. Der Hochtonbereich wird durch ein spezielles Dipol-Hochtonkonzept ergänzt. Besonders bedacht ist man bei ICHOS auf die heimische Produktion sowie die Verwendung von speziell selektierten Bauteilen und…
    19.04.2017
  • Buchardt Audio S300 MKII

    Was für eine hübsche Geschichte: Zwei hifi-begeisterte Sandkastenfreunde beschließen, den ultimativen Lautsprecher zu entwickeln – mit dem Fokus auf guten Klang. Optik egal, dafür sollen sie natürlich das beste Preisleistungsverhältnis überhaupt haben und alles andere in Grund und Boden spielen. Klar. Der eine ist Mads Buchardt, Musiker und ehemaliger Inhaber eines Instrumentengeschäfts in der Nähe von Århus, der andere Kaspar Raun, ein Ingenieur, der früher Entwickler bei Dynaudio und anderen Hifi-Herstellern war und heute für…
    03.04.2017
     
  • Q Acoustics 3050

    Bei der Fülle der hochpreisigen Testobjekte bleibt meistens kaum Platz für Geräte der unteren Preisklassen. Zum Glück nicht immer, sonst wäre dem Tester die Begegnung mit der Q Acoustics 3050 entgangen. Nicht nur ein Verlust für ihn, sondern auch für alle anderen preisbewussten Hifi-Liebhaber. Die 3050 sind das dritte Paar Lautsprecher des englischen Herstellers Q Acoustics aus Bishops Stortford nördlich von London, das seinen Weg in meinen Hörraum findet. Sie sind die Nachfolger der 2000i…
    20.03.2017
  • Zingali Twenty Evo 1.2

    Was hat die Zahl „Twenty“ mit den Lautsprechern der italienischen Edelschmiede Zingali zu tun? Wenn Sie jetzt weiterlesen, werden Sie noch viel mehr erfahren. Ende der achtziger Jahre gründete Giuseppi Zingali die Firma Zingali Acoustics und pünktlich zum zwanzigsten Firmenjubiläum brachte er sein Modell Twenty Evo auf dem Markt. Besonders erfolgreich ist seine Fima auf einem Markt, wo man italienische Nobelprodukte eher weniger vermutet – nämlich weitab der Heimat in Japan. In mehreren japanischen HiFi-Zeitschriften…
    12.03.2017
  • Russell K Red 150

    Dürfen gut aussehende Standboxen auch gut klingen? Da wir uns nicht von toller Optik blenden lassen, ist das für uns ein absolutes Muss! Russell Kaufmanns Leidenschaft sind Musik und Lautsprecher. Schon als Teenager hat er seine ersten Boxen gebaut. Nach einem Elektronikstudium führte ihn sein Weg zu so bekannten Herstellern wie B&W und Wharfdale. Bevor er sich selbständig machte, hat er zuletzt beim Chassis- und Lautsprecherhersteller Morel deren Flaggschiffmodell „Fat Lady“ akustisch optimiert, ein Lautsprecher…
    03.02.2017