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Test: 

Fonel Simplicité

18.10.10  | Amré Ibrahim
 
Wo eine Kraft wirkt, entsteht eine Gegenkraft. Während die einen prophezeien, dass das Vinyl die CD überleben wird und sich vollständig aus der CD-Player-Produktion zurückziehen, mühen sich andere, den klanglichen Abstand von Compact Disc zur Schallplatte weiter zu reduzieren. Ob der Fonel Simplicité dies schafft, ist eine Frage, die sich zu stellen lohnt.

Der CD-Player an und für sich ist längst nicht mehr das, war er einmal war. Zu keinem Moment in der Geschichte der HiFi-Industrie existierten mehr Theorien über den Fortbestand beziehungsweise das Ableben der CD und der guten alten Schallplatte wie zum jetzigen. Der Abschied von Linn aus dem CD-Player-Business wird von vielen als logischer und richtiger Schritt in die Datenzukunft interpretiert, resultierend aus dem Rückgang der CD-Verkaufszahlen und der stetigen Entwicklung neuer Technologien zur Datenspeicherung. Andere wiederum halten derlei Vorgehen für übereilt und überzogen. Ich weiß nicht, wie lange man schon den Tod der schwarzen Scheibe voraussagt, Fakt ist: Sie hat überlebt. Plattenfirmen lassen einen Teil ihres Back-Katalogs remastern und pressen, als ob Streaming und SD-Karten Begriffe aus einer unwirklichen Welt sind. Stichwort unwirklich – vielleicht ist es gerade das Unsichtbare, nicht wirklich anfassbare Element der modernen Datenträger, das das Überleben von CD und Platte auf absehbare Zeit sichern wird und das trotz CE, RoHS und abstruser Preise für NOS-Bestände die beinahe mystische Wiederauferstehung der Röhren erklärt. Es scheint, als sei eine Art analoger Widerstand gegen digitale Zukunftskonzepte und -visionen entstanden – bar jeder Vernunft. Auch wenn das Damoklesschwert der Energieverordnung drohend über der Gemeinschaft der Röhrenliebhaber schwebt, die Entwicklung neuer Röhrenschaltungen geht unbeirrt und munter weiter.

Die relativ junge Berliner Audio-Manufaktur Fonel machte bereits vor zwei Jahren mit der Transistor-Variante des Simplicité von sich reden. Interessanterweise geht Fonel in Sachen Entwicklung und Herstellung einen anderen Weg als viele Mitbewerber: Das Entwicklerteam sitzt in der Ukraine, die Fertigung selbst erfolgt in Deutschland. Die cremefarbene Holzkiste mit blauer Fonel-Prägung, die ich in Empfang nehmen durfte, wiegt nicht nur beachtliche 20 Kilogramm, sie vermittelt bereits einen kleinen Hauch von Kaviarlieferung.


Die äußerliche Verarbeitung des Fonel ist ohne Fehl und Tadel, zudem hebt sich das Design des Simplicité wohltuend vom üblichen Einheitsbrei der CD-Player-Landschaft ab. Ich will sogar noch einen Schritt weitergehen und behaupten, dass Fonel das seltene Kunststück gelungen ist, dem Simplicité eine eigene und unverkennbare Note zu verpassen. Wirkte die Materialselektion aus Holz und Metall beim Vorgänger noch etwas altbacken, trifft diese jetzt exakt den Schnittpunkt aus Eleganz und Moderne. Die Palisanderholz-Auflagen, das gelbe, dimmbare Display und der schwarze Metallkorpus verschmelzen zu einem stimmigen Ganzen, das sich harmonisch in unterschiedlichste Ketten und Racks integrieren lassen kann – ein dickes Kompliment für diese florentinisch anmutende Designhandschrift!

Die Holzfront an der CD-Schublade und die rechte Holzseitenwange sind nicht nur optisches Schmankerl. Während der Erprobung verschiedener Designs haben die Fonel-Entwickler bemerkt, wie stark die ursprünglich als Dekor geplanten Elemente den Klang beeinflussen. Man begann mit unterschiedlichen Materialien in diversen Dicken zu experimentieren, um sich zu guter letzt auf eine Auswahl handbearbeiteter Hölzer festzulegen. So bietet Fonel den Simplicité auf Wunsch auch mit Mahagoni (Sapeli), Amerikanisch-Nussbaum und Esche in Hochglanzlackierung an – ein Customizing, das den optischen Vorlieben des potenziellen Käufers sehr entgegenkommt. Laut Fonel gibt das Holz vermutlich zusätzliche Schwingungen/Resonanzen ab, die nicht unbedingt gemessen werden können, die aber vom Körper wahrgenommen werden. Dieses Phänomen kommt besonders subtil bei der Wiedergabe komplexer klassischer Werke zum Tragen und äußert sich in einer Weichheit und Natürlichkeit, die eben bei dieser Art von Musik von besonderer Wichtigkeit ist. Die Holzart selbst spiele dabei wiederum keine wesentliche Rolle, aber je härter das Holz und je prägnanter die Struktur der Maserung, desto deutlicher wahrnehmbar sei dieser Effekt. Doch dazu später mehr.

Auch die Fernbedienung des Simplicité mag sich nicht in die inzwischen hinlänglich gefühlte Zweiklassengesellschaft der Standardfernbedienungen einreihen. Die hochglanzlackierte Holzoberfläche ist ein wirklich erfreulicher Anblick im Gegensatz zu den lieblosen Plastiktrumms, die zur Serienausstattung einiger selbst wirklich hochwertiger CD-Player gehören. Ebenso erfreulich ist ihr Gewicht: Nicht zu leicht, nicht zu schwer, habe ich doch in vergangener Zeit so manche Fernbedienung in der Hand gehalten, die mich eher an Saurierknochen oder Hanteln erinnerte. Inzwischen habe ich mich daran gewöhnt, dass ein Großteil der Fernbedienungen etwas ungenau in puncto Zielgenauigkeit und Druckpunkt reagiert. Hier hebt sich die kleine Fonel-Grazie leider nicht von ihrer Konkurrenz ab. Man muss halt ab und zu genauer zielen respektive zweimal drücken, damit die Befehle wie gewünscht ausgeführt werden.

Zum Thema Gewöhnung: Nach wie vor wird für meinen Geschmack der Einfluss der Stromversorgung auf den Klang sträflich unterschätzt. Dies betrifft nicht nur die meist schon verunreinigte Stromquelle selbst, sondern natürlich auch Netzleisten, Stromkabel et cetera. Inzwischen mache ich mir nicht mal die Mühe, in einer Verpackung nach dem mitgelieferten Netzkabel zu schauen. Beinahe wäre mir entgangen, dass Fonel  tatsächlich den Aufwand nicht scheut und ein hochwertiges Netzkabel zum Lieferumfang gehört – das nenne ich mal eine Überraschung. Das im Auftrag von Fonel gefertigte Netzkabel von HB Cable Design in Köln macht optisch nichts her, liefert dem Simplicité aber gegenüber einem Standardnetzkabel noch ein zusätzliches Schübchen an Dynamik.  

Auch bei der Verarbeitung des rückwärtigen Anschlussfeldes beweist Fonel penible Sorgfalt  – etwas anderes war eigentlich nicht zu erwarten. Selbst schwere und steife NF-Kabel wie meine Bastanis Epilog beziehungsweise die symmetrischen Bastanis Meta lassen sich fest, sicher und ohne übermäßigen Kraftaufwand mit den Cinch- respektive XLR-Terminals verbinden, ohne dass das Gefühl aufkommt, die Terminals könnten mit dem Gewicht der Kabel überfordert sein. Auch das nicht gerade leichtgewichtige Netzkabel rastet satt in der dafür vorhergesehenen Kaltgerätebuchse ein.

Natürlich stellt sich beim Anblick der XLR-Buchsen unmittelbar die Frage, ob es sich  hierbei um einen echten symmetrischen Ausgang handelt. Ja, lautet die Antwort: Der Simplicité ist vollsymmetrisch aufgebaut. Um das digitale Signal möglichst störungsfrei durchzureichen, entschlossen sich die Fonel-Entwickler, dieses noch vor der Analog-Wandlung zu invertieren. Eine sinnvolle Vorgehensweise, die dem Simplicité auch Pluspunkte hinsichtlich des Rauschabstands beschert. Der regelbare Signalausgang ermöglicht eine direkte Ansteuerung von Endstufen oder aktiven Lautsprechern. Vollsymmetrisch mit meinen Silvercore 833c Monos verbunden zeigt der Simplicité, welch ungeheures Potenzial tatsächlich in ihm steckt … doch auch dazu später mehr.
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