Test: 

Forssell Technologies MADA-2

16.11.10  | Dirk Sommer
 
Orthographisch unterscheidet lediglich ein „s‟ den Chirurgen Dr. Peter Forsell, der vor der Jahrtausendwende in High-End-Kreisen mit seinen Tangentialtonarmen und den ebenfalls luftgelagerten Analog- und CD-Laufwerken Aufsehen erregte, und Fred Forssell, der seit über 35 Jahren professionelles Audio-Equipment entwickelt. Hier geht es um einen A/D- und D/A-Wandler von letzterem.

Mit Amarra hat alles angefangen: Nachdem mich die immensen, mit dieser Software möglichen Klangverbesserungen ungemein begeistert haben, stöberte ich natürlich ein wenig auf der Homepage des Herstellers herum und entdeckte auch bald Sonic Studios professionelle Programme für den Einsatz in Mastering Studios. Kurz darauf hatte ich eine befristete Lizenz von soundBlade, um unsere Downloads für Sie ohne Qualitätsverlust bearbeiten zu können. Aber was Profianwendern logisch oder gar selbstverständlich erscheinen mag, wirkt für jemandem, der wie ich von Hifi und analogen Aufnahmen zur digitalen Musikproduktion gekommen ist, oft eine wenig opak und umständlich. Deswegen stattete ich während der prolight+sound in Frankfurt Roland Storch von Adebar Acoustic einen Besuch ab, denn der ist der deutsche Vertrieb für die Produkte von Sonic Studio und konnte eine ganze Menge Fragen meinerseits auf der Messe beantworten.

Im Laufe des Gesprächs stellte sich dann heraus, dass Roland Storch auch ein ausgeprägtes Interesse für hochwertige Musikwiedergabe in den eigenen vier Wänden hegt und sich daher bei High End-Produkten ebenfalls gut auskennt. Eigentlich kein Wunder, wenn man weiß, dass er auch Ed Meitners Digital-Elektronik – dem Hifi-Fan wohl eher unter dem Markennamen EMM-Labs bekannt – nach Deutschland importiert. Als er dann anbot, vielleicht auch nur ganz privat einmal einen Forssell-Wandler zu testen, der in Profikreisen gerade für Furore sorge, sagte ich spontan zu. Und an dieser Entscheidung hatte der gute Ruf des mir zu dieser Zeit ausschließlich bekannten Namens Forsell keinen geringen Anteil. Nachdem meine Neugierde aber erst einmal geweckt war, konnte mich auch die Erkenntnis der Namensverwechselung nicht mehr von der Beschäftigung mit der Elektronik im schmucken blauen Ein-Höheneinheiten-Gehäuse abhalten: Ein vielversprechender D/A-Wandler für deutlich unter 3000 Euro dürfte nicht nur für den Autor, sondern auch für eine ganze Reihe von Lesern von Interesse sein.

Der Forssell ist für den Rack-Einbau konzipiert. Er besitzt die Normbreite von etwa 48 Zentimetern und ist eine Höheneinheit (4,5 Zentimeter) hoch

Forssell Technologies entwirft und baut seit über 35 Jahren Audio Equipment. Momentan werden unter eigenem Namen A/D- und D/A-Wandler, Equalizer, Kanalzüge und Mikrofonverstäker angeboten. Fred Forssell konstruierte unter anderem Schaltungen für Anthony DeMaria Labs, Millenia Media und Manley Labs. Dabei setzt er nur selten auf Operationsverstärker in Form von ICs. Ihnen zieht er Class-A-Elektronik mit Röhren oder diskreten JFETs vor. Transformatoren kommen nur in DI-Boxen, Signal-Splittern auf Mikrofon-Level und der in Bändchen-Mikrofonen eingebauten Aktiv-Elektronik zum Einsatz. Auch beim MADA-2 – wobei 2i für die Anzahl der Kanäle und ADA für Analog-Digital und Digital-Analog steht, der reine D/A-Wandler heißt MDAC-2 – sollen keine IC-Op-Amps im Signalweg liegen. Laut Produktinformation sind alle analogen Schaltungen mit diskreten JFETs in Class-A-Technik aufgebaut. Und wie es sich für Studioelekronik gehört, sind die analogen Aus- und Eingänge der Wandler symmetrisch ausgeführt. Digital-Signale werden über XLR-Buchsen nach AES/EBU-Standard oder Cinch-Buchsen nach S/PDIF ausgegeben respektive akzeptiert. Die Analog/Digital-Wandlersektion kann über BNC-Buchsen sowohl ein Wordclock-Signal ausgeben als auch empfangen. Und das ist es leider auch schon. Für den Musikfreund, der seinem CD-Player oder seinem Laufwerk zu besserem Sound verhelfen möchte, wird das reichen, wer sich aber mit Computer-Hifi beschäftigt, wird einen USB-Eingang – der dann auch 192 Kilohertz akzeptieren sollte – schmerzlich vermissen. Für Mac-User dürfte es natürlich auch ein Firewire-Eingang sein.

Die Ein- und Ausgänge: symmetrisch für analog, S/PDIF und AES/EBU für digital und BNC für die Wordclock. Leider gibt es keinen USB- oder Firewire-Anschluss
Während der D/A-Wandler sowohl 16- als auch 24-Bit-Signale verarbeitet, gibt der A/D-Wandler lediglich 24-Bit-Worte aus. Eine Reduktion auf 16 Bit ist nicht möglich. Bei den Abtastraten hingegen hat man in beiden Fällen die Wahl zwischen 44,1 und 192 Kilohertz sowie allem, was dazwischen liegt. Die Pegel sind jeweils über Trimmpotis im Inneren des Gerätes einstellbar. Werksseitig sind 0 dBu (775 Millivolt) vorgegeben. Als lupenreines Studio-Gerät ist der Forssell natürlich für die Montage im Rack konzipiert, und das heißt, dass er ohne Füße ausgeliefert wird. Da ich ihn aber auf einer Plattform des Finite Elemente Pagode-Systems betreiben wollte, kam ich nicht umhin, eine paar geeignete Unterstellfüße zu finden. Aus rein ästhetischen Gründen fiel die Wahl auf die in vielen Fällen akustisch bewährten Ceraballs, die auch im Fotostudio mit dabei waren.

Da der Forssell, wie gesagt, leider nicht über eine USB- oder Firewire-Schnittstelle verfügt, bleibt mir nichts anderes übrig, als ihn statt mit dem iMac und Amarra mit einem CD-Laufwerk anzusteuern. Zum Glück steht noch der fantastische PS Audio Perfect Wave Transport (PWT) in meinem Rack, und von diesem geht es dann per Sun Digisym Reference zum Forssell. Gerade mal ein paar Minuten am Netz klingt der Forssell aber nicht ganz so offen und differenziert wie der über die I2S-Verbindung mit dem Laufwerk verbundene Perfect Wave DAC. Also versuche ich es  alternativ mit einem S/PDIF-Kabel höchster Qualität zwischen MADA und PWT: dem AudioQuest Wild Digital. Und das bringt spontan eine deutliche Verbesserung: Die Wiedergabe des Trios PS Audio, Audioquest und Forssell gewinnt an Durchzeichnung, und vor allem die Feininformationen über den Aufnahmeraum treten deutlicher hervor. Im fast kalten Zustand spielt der Forssell etwas fülliger und runder als der alles andere als kühl timbrierte PWT. Selbst weniger gelungene Produktionen bleiben so stets angenehm, das letzte Quentchen Auflösung fehlt jedoch.

Die „Over‟-LED signalisiert eine Übersteuerung des A/D-Wandlers solange, bis die „Reset‟-Taste betätigt wird
Aber wer sich auch nur rudimentär mit Digitaltechnik beschäftigt hat, weiß, dass hier eine nicht unbeträchtliche Aufwärmphase wichtiger ist als bei jeder anderen Gerätegattung. Deshalb lasse ich den MADA erst mal ein paar Tage am Netz, während derer ich eine Reihe lange nicht gespielter CDs wiederentdecke. Auch wenn einige davon nicht unbedingt audiophilen Ansprüchen genügen, kann ich sie mit dem Forssell doch ungetrübt genießen. Aber ich will Ihnen hier nicht von mediokren Aufnahmen berichten, sondern lieber von gelungenen wie vom Anouar Brahems zu Unrecht in Vergessenheit geratenen Album Thimar: Zusammen mit John Surman an Bass-Klarinette und Saxophon sowie Dave Holland am Bass vollführt der Oud-Virtuose eine gelungene Gratwanderung zwischen Folklore und Jazz: Weltmusik im besten Sinne des Wortes. „Al Hizam Al Dhahbi‟ beginnt in einem schönen, vom Toningenieur Jan Eric Kongshaug gestalteten virtuellen Raum mit einer langen Unisono-Einleitung zwischen Bass und Oud, der sich John Surman kurz anschließt, um dann melodienverliebt abzuheben – ein musikalischer wie klanglicher Hochgenuss. Der zum Vergleich herangezogene PS Audio PWD, der seine Daten über die einer S/PDIF-Verbindung technisch überlegenen I2S-Schnittstelle bezieht, platziert die Musiker in einem etwas größeren, kühleren Raum und rückt einige Detail einen Hauch weiter in den Vordergrund.

Ohne Vergleich fühle ich mich mit jedem der beiden Wandler wunschlos glücklich, höre ich sie jedoch nacheinander, halte ich eine Kombination der Stärken eines jeden für das Optimum. Das wird es allerdings nicht geben: Ein etwas fülligerer Bassbereich führt unweigerlich dazu, dass einige Feininformationen weniger präsent erscheinen. Man muss sich wohl oder übel für eine der beiden tonal leicht unterschiedlichen Feinabstimmungen entscheiden, wobei man seinen eigenen Präferenzen folgen, die Tendenz der übrigen Kette aber nicht unberücksichtigt lassen sollte.
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