Test: 

Tangentialtonarm Kuzma Airline

15.12.09  | Helmut Rohrwild
 
Der Airline von Franc Kuzma stellt sicher einen der Gipfelpunkte im Tonarmbau dar. Die Gelegenheit, sich damit ausgiebig zu befassen, hat Helmut Rohrwild gerne wahrgenommen.

Abb. 1
Über das weit gespannte Geräteangebot, das Franc Kuzma den Analogfreunden offeriert, habe ich mich bereits im Artikel über den kleinsten Kuzma-Plattenspieler Stabi S/Stogi S geäußert, so dass ich mich hier nicht zu wiederholen brauche. Hier geht es nun um das obere Ende von Kuzmas Produktpalette, den Tangentialtonarm Airline und um eine kurze Nachbetrachtung zum 4 Point, den ich Anfang 2009 (noch für eine Druckpublikation) besprochen habe.

Abb. 2
Tangentialtonarme sind relativ selten, was schon ein Phänomen ist. Aufgrund der theoretischen Vorteile müsste diese Bauform eine wesentlich weitere Verbreitung haben, als sie real hat, eigentlich sogar dominieren. Es ist ja völlig einleuchtend, die Platte ebenso abzutasten, wie sie geschnitten wurde, also auf einer geraden Linie. Zwar hat es über die Jahrzehnte nicht an Anläufen gefehlt, dieses Abtastverfahren einem breiten Kreis von Interessenten zugänglich zu machen. Dennoch war, zumindest bei den anspruchsvollen Analoghörern, kein durchschlagender Erfolg zu verzeichnen, was wohl der Tatsache geschuldet ist, dass ein Tangentialtonarm, der die theoretischen Versprechen auch wirklich in vollem Umfang einlöst, nicht billig sein kann. Folgerichtig sind die Billigversionen fast so schnell vom Markt verschwunden, wie sie vorgestellt wurden, und die richtig guten Tangentialtonarme waren und sind teuer. Ich beziehe mich hier ausdrücklich auf die hierzulande im Laden käuflichen Tonarme! Gänzlich ausgestorben sind die Tangentialtonarme mit elektromotorischem Vortrieb, denn diese Gattung hat sich als sehr zwiespältig, will sagen problembehaftet, erwiesen.

Darüber hinaus verlangt diese Tonarmgattung zwingend nach einigen Grundvorausetzungen, als da wären: Ein akribisch genau ausgerichteter Unterbau, damit der Arm auch wirklich exakt horizontal geführt wird, und die Möglichkeit, den Drucklufterzeuger für die luftgelagerten Arme, um die es im Folgenden gehen wird, außerhalb des Hörraums zu platzieren. Denn die gerne verwendeten Aquariumspumpen brummen vernehmlich vor sich hin, und auch aufwendige Kompressoren (wie der des Airline), die sehr leise laufen, blasen regelmäßig den Überdruck ab, was nicht zu überhören ist. Zudem ist die vermeintlich simple geometrische Einstellung mitnichten bei allen Tangentialarmen trivial, sie kann sich als durchaus zeitraubend erweisen.

Soweit mir bekannt, fertigt nur ein einziger Hersteller derzeit Tangentialtonarme mit mechanischer Lagerung. Alle anderen aktuell erhältlichen Modelle sind luftgelagert. Dieses Lagerprinzip verspricht die niedrigstmöglichen Reibungswerte, eine Grundvoraussetzung für diese Arme, bei denen der Tonabnehmer, genauer der Diamant via Rillenflanke, die gesamte Masse des Tonarms – einschließlich des Lagerteils! – bewegen muss. Die Länge des Nadelträgers und die Nadelnachgiebigkeit (neudeutsch Compliance) wirken sich sehr deutlich auf das Zusammenwirken von Tonarm und Tonabnehmer aus. Beim Drehtonarm ist dieser Aspekt wesentlich unkritischer, schon dadurch, dass aufgrund der Kröpfung des Arms eine Skatingkraft entsteht, die ihn nach innen zieht.

Jeder Tangentialtonarm besteht aus einem Führungselement und dem eigentlichen Tonarm. Bei den luftgelagerten Armen gilt es, zwei grundsätzlich verschiedene Luftzufuhren zu unterscheiden: Entweder wird die Luft durch das Tragrohr eingeblasen oder durch die Führungshülse, die den Tonarm selbst trägt. Die erste Variante ist leichter zu realisieren und führt auch zu weniger bewegter Masse. Da über die gesamte Länge des Führungselements Bohrungen verteilt sind, ist hier immer ein Strömungsgeräusch zu hören, das zwar recht leise ist, dennoch schon störend sein kann – in welchem Maße, hängt allerdings von der Entfernung zum Hörplatz ab.

Franc Kuzma hat sich für die letztere Lösung entschieden, die, obschon schwieriger umzusetzen, bessere Ergebnisse verspricht. Schwieriger deshalb, weil neben den Signalkabeln auch noch der Luftschlauch mitgeführt werden muss, was zusätzliche Kraft bedeutet, da die zu bewegende Masse insgesamt relativ üppig ausfällt.

Abb. 3
Das wiederum ist durch die spezielle Ausführung bedingt, die Franc Kuzma gewählt hat. Die blaue Führungshülse besteht innen aus einem Kunststoff mit poröser Oberfläche, durch die die Luft über die Zylinderfläche gleichförmig verteilt einströmt und so ein rundum gleichmäßiges Luftpolster aufbaut, auf dem der Tonarm praktisch reibungsfrei und dennoch sehr stabil gleiten kann. Den dafür erforderlichen Luftdruck von viereinhalb Bar liefert ein ausgewachsener Kompressor; eine Aquariumpumpe wäre hier heillos überfordert. Der Kompressor läuft zwar sehr leise, aber nicht leise genug, um ihn im Hörraum stehen zu haben. Obendrein bläst er immer wieder mal seinen Überdruck ab, was einen anfangs schon erschreckt.

Abb. 4
Die Führungshülse wird von der Tonarmhalterung umfasst. Das konische Armrohr ist oberhalb montiert. In bester Kuzma-Manier ist der Azimuth verstellbar: Mit zwei Schrauben wird das Armrohr gesichert und kann mit einer separaten Schraube um die Längsachse verdreht werden. Die Headshell ist fest mit dem Armrohr verbunden, um hier Masse einzusparen. Die abnehmbare Ausführung à la 4 Point wäre einfach zu schwer an dieser Stelle. Der Ausleger für das Gegengewicht ist unterhalb der Hülse angebracht. An der Rückseite der Halterung münden die Tonarmkabel, an der Oberseite der Druckluftschlauch.
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#1 Bernhard 2012-01-26 20:16
Hallo Hifi Team,
habe mit Interesse euren Test des Kuzma Airline gelesen.
Ich weiss nicht wie lange ihr zurückschaut, aber es gab schon vor über 30 Jahren High End Laufwerke mit Tangentialtonar m, die nicht annähernd so abenteuerlich teuer waren und trotzdem einen Vergleich mit diesem nicht scheuen brauchen.
Sicher habt ihr schon mal was vom Pioneer PLL-1000 Laufwerk mit Tangentialtonar m, bewegt durch einen Linearmotor - sicher die intelligenteste Lösung um das Rumpeln eines schnell drehenden Motors wie z.B. beim Revox Tangential jener Zeit zu vermeiden.
Ich besitze seit 1979!! einen und hab nach mehreren anderen Systemen ein Audio Technica 20SLa mit Shibata Diamant dran - das Teil hat mich damals DM1000.- plus DM250.-für das AT und er funktioniert heute noch perfekt. Ich bin sicher - vom Design sowie von der Steuerung des Tonarms wäre das Teil immer noch konkurrenzfähig , aber ohne HighEnd Preis. Natürlich würde man heute die Steuerung mit einem einzigen Prozessor hinbekommen und bräuchte nicht x- ICs wie damals. Ich hab das Service Manual - der Hammer.
Was den Pioneer, ganz abgesehen vom Design vom Revox von damals unterscheidet ist, dass er Auslenkungen in beide Richtungen erkennt und ausregelt, d.h. auch keine Probleme mit welligen LPs hat, welche meines Wissens der Revox gar nicht mochte.
Die Gleichlaufschwa nkungen hatte Pioneer mit PhaseLockLoop schon damals im Griff, zumal der Plattenteller eine dynamisch gewuchtete Einheit zusammen mit dem Direktantrieb war.
Mich würde wirklich interessieren wie der PLL-1000 im Vergleich zu einem heutigen High End Gerät abschneidet!!!
Beste Grüsse Bernhard
 

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