Es als Verstärker allen Kopfhörern recht zu machen, die sich auf dem Markt tummeln, ist eine alles andere als leichte Aufgabe. Ob der Canor TP 10 ein Allrounder ist, der Kopfhörer von 15 bis 600 Ohm treiben kann oder eher einer der vielen Spezialisten, die nur ganz bestimmte Kopfhörer wirklich mögen, wollten wir genauer untersuchen.
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| Canor TP10 |
Canor mit Sitz in der Slowakei baut seit gut fünfzehn Jahren hifidele Röhrengerätschaft, nämlich Verstärker und CD-Player. Das aktuelle Portfolio umfasst 20 Geräte und die Slowaken sind stolz darauf, im eigenen Lande zu fertigen und dies nicht etwa in China tun zu lassen. Made in Slowakia hat vielleicht (noch) nicht den Ruf von Made in Germany, aber man sieht sich bei aller Bescheidenheit auf dem besten Wege dorthin. Zwischenzeitlich arbeitet man recht erfolgreich daran, Canor in audiophilen Kreisen bekannter zu machen. Ein wesentlicher Schritt in diese Richtung war der Auftritt von Canor auf der High End 2010, tatkräftig unterstützt von Empire, dem Deutschlandvertrieb des slowakischen Herstellers. Auf dieser Messe hatten der brandneue Vollverstärker TP106 VR+ und dem ebenso neuen CD-Player CD2 VR ihren auch optisch prächtigen Auftritt, während der kleine Kopfhörerverstärker TP 10 mit seiner einzigen Röhre in der ansonsten halbleiterdominierten Schaltung dagegen eher bescheiden um die Aufmerksamkeit des Publikums warb. Bescheidenheit kann eine Zier sein. Jedenfalls hat sie uns dazu animiert, uns erst einmal näher mit dem kleinen TP 10 zu befassen, bevor wir uns der glühenden Pracht seiner größeren Brüder zuwenden.
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| Eine Doppeltriode in der Eingangsstufe glüht zur Spannungsverstärlung still vor sich hin |
Hybridkonzepte können, wenn alles richtig gemacht ist, das Beste aus zwei Welten vereinen, im Falle eines Verstärkers das Beste der Röhren- und der Transistorwelt. Der Ansatz von Canor, die Röhre in der Eingangsstufe zur Spannungsverstärkung einzusetzen und die Transistoren – hier in integrierter Form – in der Ausgangsstufe zur Stromverstärkung, ist jedenfalls grundsätzlich goldrichtig, gelten Röhren doch als die kompetenteren Spannungs- und die Transistoren als die besseren Stromverstärker. Als Röhre kommt eine 12AT7, eine Doppeltriode, die der bei uns bekannteren ECC81 entsprich, zum Einsatz. Diese zieren auch so manchen Gitarrenverstärker und sind für ihre saubere, lineare Arbeitsweise bekannt. Dass aktive Bauelemente, wie diese Doppeltriode, je nach Hersteller und Baujahr den Klang von Röhrengeräten mehr oder weniger stark zumindest mitbestimmen, ist bekannt. Da lässt es sich sicherlich auch am TP10 trefflich experimentieren, ohne dass gleich Garantieverlust zu befürchten ist, zumal dieser Röhrentyp auch als NOS (New Old Stock) erschwinglich ist. Der Versuchung des Klangtuning durch Röhrentausch haben wir uns jedoch tapfer enthalten, da es vorrangig um den Klang des TP 10 mit originaler Röhrenbestückung geht.
Im Gegensatz zu Röhren, die ja leicht tauschbar in ihren Sockeln stecken, sind Halbleiter, wie der hier zum Einsatz kommende IC aus dem Hause Burr Brown, oder auch diskreteTransistoren direkt in der Platine verlötet und nicht leicht tauschbar. Und das ist auch gut so. Klangexperimente per Tausch von Schaltungsbauteilen sollten schließlich auch ihre Grenzen haben.
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| Für die Ausgangsstufe setzt Canor auf integrierte Halbleiter-Schaltkreise |
Was ist noch klangbestimmend an einem Verstärker wie dem TP-10, der ja im Prinzip ein Vollverstärker ist? Das Lautstärkepotentiometer. Greift man hier zu einem Alps, kann man grundsätzlich nichts falsch machen. So dachten wohl auch die die Entwickler des TP-10. Allerdings wollten sie dem Nutzer auch haptisch etwas bieten und haben deshalb die Achse des Potentiometers über eine flexible Kupplung so gelagert, dass sich ein nostalgisches „edles Drehgefühl“ einstellt, das vor 30, 40 Jahren bei noblen Verstärkern zur Lautstärkeeinstellung und zum Abstimmen von Tunern angesagt war und zwischenzeitlich beinahe ausgestorben ist. Dafür sind heutzutage dicke Frontplatten angesagt. Und auch die findet man beim TP-10. Die hat allerdings mit dem Klang rein gar nichts zu tun. Schaut man sich nach weiteren Indizien für guten Klang um, wäre da noch das Netzteil, das beim TP-10 ausgelagert ist, um die Signalspannungsabstand zu optimieren, und Polypropylen-Kondensatoren edler Abstammung.
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| Das Alps-Potentiometer zur Lautstärkeregelung wird über eine flexible Kupplung „soft“ betätigt |
Ein wenig spartanisch, oder wie man auch sagen kann, puristisch, geht es bei den Anschlüssen zu: Ein Kopfhöreranschluss und ein unsymmetrischer Eingang müssen reichen. Letzerer ist zu einem unsymmetrischen Ausgang durchgeschleift, um zum Beispiel den Tape-Out-Anschluss, der sich für den TP-10 anbietet, frei zu halten. Das Gehäuse des Kopfhörerverstärkers gibt es übrigens wahlweise in schwarz oder Silber.
Mit einer nominellen Spannungsverstärkung von etwa zehn Dezibel und der Empfehlung des Herstellers, Kopfhörer mit 30 bis 300 Ohm anzuschließen, ist die eingangs gestellte Frage, ob wir es mit dem TP-10 mit einem Allrounder à la Violectric HPA V200 oder einem Spezialisten zu haben bereits beantwortet: Er ist nämlich keines von beidem, da ein Allrounder auch Kopfhörer um die 500 Ohm, wie den formidablen Beyerdynamik T1 als auch Kopfhörer um die 15 Ohm optimal bedienen können muss. Mit seinem relativ breiten Arbeitsbereich und seiner Spannungsverstärkung ist er jedoch auch kein ausgesprochener Spezialist.
Ein Grado GS-1000 liegt am nominell unteren Ende seines Arbeitsbereichs, während ein Sennheiser HD 300 am oberen Ende liegt. Beide Kopfhörer hatte ich zum Ausprobieren des TP-10 zur Verfügung und beide hatte er sicher im Griff.
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| Ein Eingang, ein mit diesem gebrückter Ausgang und der Anschluss für das externe Netzteil: Minimalistisch, aber ausreichend |
Der niederohmige Grado mit seinen 30 Ohm fordert von einem Kopfhörerverstärker in erster Linie Strom. Und der sollte schnell und in großer Menge zur Verfügung stehen, um den Grado differenziert so in Bewegung zu versetzen, dass er neben Durchsichtigkeit, Transparenz und vielen Details auch in Sachen Körperhaftigkeit eine gute Figur macht. Kontrolle im Bass ist angesagt und die stellt der TP-10 wegen seiner Halbleitergene auch ausreichend zur Verfügung, während sich seine Röhrengene gleichzeitig um die Feinarbeit kümmern, die sich in Durchsichtigkeit und Transparenz ausdrückt. Das Hybridverstärkerkonzept des Canor geht also beim TP-10 dank zweistufiger Signalverarbeitung voll auf: Die Röhre kümmert sich um das Feinstoffliche kümmert, während die Halbleiter den Druck und die Kontrolle bringen.
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