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Test: 

Acoustic Solid Classic Wood

13.12.2010  | von Matthias Jung
 
In der Szene gelten Masselaufwerke momentan als die Krönung der analogen Schöpfung und erfordern neben stabilen Bandscheiben beim Aufbau auch noch eine prall gefüllte Brieftasche. Gegen diesen Trend stellt sich der Acoustic Solid Classic Wood. Masse ja, aber trotzdem preisgünstig. Geht das?

Acoustic Solid Classic Wood

Endlich mal was größeres Analoges dachte ich, als sich der Acoustic Solid Classic Wood zum Test ankündigte. Zwar sind auch kleinere Plattenspieler immer willkommen, aber ab und zu mag man dann doch auch mal aus dem Vollen schöpfen. Und diese Beschreibung passt für die Plattenlaufwerke der Wirth Tonmaschinenbau GmbH ziemlich genau. Nicht kleckern, sondern klotzen scheint bei der großzügigen Verwendung von Aluminium im Vordergrund zu stehen. Dabei ist der Teller des Classic Wood mit seinen 6 Kilogramm Gewicht und 35 Millimetern Höhe im Vergleich zu den größeren Modellen noch regelrecht bescheiden, das geht im Programm auch noch wesentlich dicker und schwerer.

AUF DEN ALUTELLER KOMMEN NOCH FILZMATTE UND SECHS MILLIMETER PLEXIGLASTELLER, UM LETZTES KLINGELN DES TELLERS ZU ELEMINIEREN
Der Classic Wood erinnert optisch an die gute alte Zeit, als noch Metallteller auf Holzkisten rotierten. Der Antrieb erfolgte natürlich per Riemen über einen Subteller, der von einem unter dem Teller angebrachten Motor angetrieben wurde. Im Unterschied zu damals ist der Teller beim Acoustic Solid massiv und mit extra Filzmatte und 6 Millimeter starkem Plexiglasteller zur Bedämpfung versehen. Der Unterbau aus massiver, furnierter 39 Millimeter MDF-Platte steht auf, inzwischen keine Überraschung mehr, ebenfalls massiven Alufüßen mit verstellbaren Spikes. Dazu gesellt sich die schwere Motordose (aus Aluminium), die den Synchronmotor beherbergt. Natürlich läuft der Riemen außen und die Antriebssteuerung obliegt einem Mikrokontroller gesteuertem Netzteil, im kleinen Gehäuse aus – nein, nicht Aluminium, sondern – Stahlblech. In dieser Ausführung wiegt das Ganze knuddelige 20 Kilogramm, die man dem Acoustic Solid nicht sofort ansieht. In der Grundversion wird der Spieler als Komplettpaket mit dem WTB 300 Tonarm – eigentlich ein Rega RB 300 mit sehr gut gemachter, komfortabler Höhenverstellung – und vormontiertem Denon DL-103 für gerade mal 1480 Euro ausgeliefert: Im wahrsten Sinne des Wortes viel Plattenspieler fürs Geld.

Das Testexemplar kam mit dem WTB 211 anstatt mit dem WTB 300. Der Ursprung dieses Arms liegt ganz offensichtlich bei Jelco in Japan. Konstruktiv erinnert er allerdings mehr an den Ortofon AS-212S als an die kleineren Jelco-Arme wie SA-250 beziehungsweise -750SD. Einzeln ist der Arm, je nach Tonarmkabel, ab 520 Euro erhältlich. Mit dem Jelco-Derivat plus Denon DL-103 nebst sehr gutem Phonokabel Ortofon 6NX kostet der Classic Wood ca. 2000 Euro.

DER WTB 211 PASST KLANGLICH UND OPTISCH AUSGEZEICHNET ZUM CLASSIC WOOD. PRODUZIERT WIRD ER BEI JELCO IN JAPAN

Vor dem Aufbau kommt das Auspacken, und das macht einfach nur Spaß. Damit man alles nötige von Anfang an dabei hat, gibt es, in viele Kunststofftüten verpackt, eine Menge an sinnvollem Zubehör. Wie aus einer Wundertüte zieht man eins nach dem anderen hervor. Da sind natürlich die Baumwollhandschuhe, damit man keine Fingertapser auf Teller und Plattentellerauflage hinterlässt. Eine Stroboskopscheibe ist dabei, um die Drehzahl justieren zu können, eine elektronische Waage für die Einstellung der Auflagekraft, genug Tellerlageröl für die nächsten Jahre und für jede Einstellung der passende Schlüssel. Sowas bezahlt man anderswo teuer als extra Zubehör.

SEHR SINNVOLLES ZUBEHÖR BEIM ACOUSTIC SOLID: MIT DER BEIGELEGTEN DIGITALEN TONARMWAAGE LÄSST SICH DIE AUFLAGEKRAFT GENAU AUF DER ABTASTHÖHE DER LP EINSTELLEN
Der Aufbau des Spielers gestaltet sich, abgesehen vom Gewicht, äußerst einfach. Der Teller muss abgenommen, fünf Tropfen Öl ins Lager gekippt und Teller samt Lagerachse mit Kugel wieder eingesetzt werden. Es kann dann einen Moment dauern, bis sich der Teller ganz gesetzt hat. Das Ausrichten des Laufwerks geschieht mittels der Spikes, die man über einen kleinen Inbusschlüssel sehr leicht und feinfühlig einstellen kann. Am besten nimmt man dafür die Filzmatte und den Plexiglasteller ab und legt eine Wasserwaage oder Libelle direkt auf den Plattenteller. Sollte die Stellfläche kratzempfindlich sein, gibt es speziell für die Spikes konstruierte Füßchen mit Filzboden zum Unterlegen. Jetzt muss man nur noch die Motordose hinten links hinstellen, den dünnen Silikon-Rundriemen auflegen, die Dose mit den Kontroller verbinden und den Arm einstellen.

DURCH DIE ÖFFNUNG IM SPIKE WIRD EIN INBUSSCHLÜSSEL GESTECKT UND DIE HÖHE PRÄZISE UND EINFACH JUSTIERT
Ein Wort zum Tellerlager des Classic Wood, das im Gegensatz zu den wie sonst in dieser Gewichtsklasse üblichen, kein invertiertes ist, sondern klassisch die Tellerachse am Teller aufnimmt. Diesen Konstruktionen wird gemeinhin eine geringere Kippneigung nachgesagt.  Auf dieses Lager ist Karl Wirth, der Geschäftsführer, das heißt Herz und technischer Kopf der Wirth Tonmaschinenbau GmbH, besonders stolz. Anstatt eine Messingbuchse zu nehmen, wie oft üblich, wird die Innenwand des Lagers im Gussverfahren mit einem Kunststoffgleitbelag versehen, der sowohl minimierte Toleranzen, als auch sehr geringe Lagerreibung mit sich bringen soll. Der Lagerspiegel aus Teflon und die in die Edelstahlachse eingepresste Keramikkugel dürfen ob der Vorteile der Lagerbuchse dann auch konventionell ausfallen.

Am liebsten mag der Acoustic Solid schwere Unterbauten als Standfläche, die am besten von sich aus im Lot stehen sollten. Zwar ist das Einstellen des Laufwerks ein Kinderspiel. Will man aber die Motordose ebenfalls exakt ausrichten, bleibt einem nichts übrig, als mit Papierschnipseln unter den fünf geklebten Gummifüßchen der Dose zu hantieren. Stehen Dose und Teller nicht exakt waagerecht zueinander, wandert der Riemen den Teller hoch und runter beziehungsweise schlimmstenfalls hebt und senkt sich die Motorlagerachse samt Pulley, was sich in einem mechanischen Klackern äußert.
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