Dem Analogfan geht es gut in digitalen Zeiten: Nie hatte er die Wahl unter so vielen exzellenten Phonostufen wie heute. Was bleibt einem Hersteller vom Range Burmesters da zu tun? Einfach ein weiteres Modell auf den Markt zu bringen, ist der Berliner Edelschmiede natürlich zu wenig. Und deshalb können wir uns über einen der opulentest ausgestatteten Entzerrer voll neuer Ideen freuen.
| Selbstverständlich erstrahlt auch die Frontplatte des Phono Preamp ganzflächig im firmentypischen Chrom. Den dunklen Streifen hat unser Fotograf eingespiegelt |
Der Phono Preamp 100 verarbeitet die Signale von zwei Tonabnehmern, kann per Fernbedienung in der Lautstärke geregelt Endstufen direkt ansteuern und die feinstens aufbereiteten Signale auch gleich digitalisieren. Noch vor zwei, drei Jahren hätte mich das letztgenannte Ausstattungsmerkmal voll analoger Entrüstung vor der „Phonostufe der Superlative‟ – so die nicht sonderlich zurückhaltende Produktinformation – zurückschrecken lassen. Heute ist es eher ein Grund mehr, sich intensiv mit dem Gerät zu beschäftigen. Bei der Fülle der möglichen Varianten und Funktionen sollte dies allerdings ein wenig systematischer geschehen: Der Phono Preamp ist – wie bei Burmester-Komponenten in vielen Fällen üblich – modular aufgebaut: Das Grundgerät kann mit ein oder zwei Einschüben bestückt werden, bei denen man sich entscheiden muss, ob sie für den Anschluss von Moving-Magnet- oder Moving-Coil-Systemen ausgelegt sein sollen. Das MM-Modul bietet als Lastkapazitäten 68, 120, 180, 220, 300 oder 400 Picofarad an. Die Verstärkung kann in Drei-Dezibel-Schritten zwischen 37 und 53 Dezibel eingestellt werden. Beim MC-Einschub reicht der Bereich von 57 bis 72 Dezibel. Als Lastimpedanzen sind 33, 47, 91, 120, 390 und 47000 Ohm vorgegeben. Die Steuerlogik erkennt, welche Module eingebaut sind und merkt sich für dieses oder diese auch den Verstärkungsfaktor und die eingestellte Last, so dass beim Umschalten zwischen den Eingängen die vorher verwendeten Werte wieder zur Verfügung stehen.
| Die Steuerlogik speichert beim Umschalten zwischen den Modulen die gewählte kapazitive oder ohmsche Last sowie den Verstärkungsfaktor |
Nach der Eingangswahl folgt dann ein Subsonic-Filter, über dessen Spezifikationen allerdings keine Informationen zu bekommen waren. Ein weiterer Schalter erlaubt die Erhöhung der Ausgangslautstärke um sechs Dezibel. Damit kann sichergestellt werden, dass der Pegel der 100er auch dann ausreicht, wenn sie als Vorstufe eingesetzt wird und ihre Ausgänge mit Endstufen oder Aktiv-Boxen verbunden sind. Für diese Anwendung kann über die mitgelieferte Fernbedienung die Lautstärke geregelt werden. Ein versehentliches Umschalten zwischen fixem und variablem Ausgangspegel samt negativen Folgen für nachfolgende Geräte und die Ohren des Benutzers ist so gut wie ausgeschlossen, da man für die Änderung gleich drei benachbarte Schalter in der vorgegebenen Position halten muss, während man gleichzeitig von Standby auf On schaltet.
| Der Phono Preamp kann Endstufen und Aktiv-Lautsprecher auch direkt ansteuern. Dann wird die Lautstärke über die entsprechenden Tasten auf der schweren, metallenen Fernbedienung geregelt. |
Weit davon entfernt, zum Standard bei Phonostufen zu zählen, ist Burmesters – so weit ich weiß – bisher einzigartige Auto Adjust-Schaltung, die selbstätig Kanalungleichheiten von Tonabnehmern ausgleichen soll. Dazu benötigt man eine Messschallplatte mit einen 1-Kilohertz-Signal, die der Phonostufe beiliegt, drückt beim Ertönen dieses Signals den Auto-Adjust-Taster für zwei Sekunden nach oben und schon hat die Automatik Ungleichheiten von bis zu sechs Dezibel ausgebügelt. Ob man einen Tonabnehmer mit derart abweichenden Ausgangsspannungen überhaupt akzeptiert, sei dahingestellt. Beim Erstellen der Hifistatement Klangbeispiele habe ich mit Freude feststellen können, dass alle bisher vorgestellten Abtaster nach korrekter Antiskating-Einstellung eine Kanalungleichheit von maximal 0,5 Dezibel aufwiesen. Ich bin gespannt, ob Burmesters Innovation auch in diesem Fall noch Verbesserungen bringt.















