Rocky Mountain Audiofest 2011

29.10.2011 // Danny Kaey
Jedes Jahr im Oktober hat man das Gefühl, es wäre schon Weihnachten. Und das Gefühl trügt nicht, trifft man doch auf eine Menge Freunde und kleine Aufmerksamkeiten. Denvers Rocky Mountain Audiofest entwickelte sich zum Ziel von Hifi-Fans aus der ganzen Welt. Im achten Jahr hat sich diese Zusammenkunft der wichtigsten Vertreter der Industrie de facto zum Audio-Ereignis des Jahres entwickelt, woran auch die CES und T.H.E Show – sowie ihr Ableger in Newport Beach im Juni – nicht ändern kann. Denn während sich die CES mehr ans Fachpublikum wendet, geht es in Denver und Newport vor allem um die Konsumenten.


Rocky Mountain Audiofest 2011
Rocky Mountain Audiofest 2011
Der großartigen und cleveren Gastgeberin Majorine Baumert ist es zu verdanken, dass sich auch die diesjährige Messe – wieder einmal – als die bisher größte erwies: Die Zahl der Industrievertreter und der Ausstellungsräume erreichten Rekordzahlen. Die Besucherbeteiligung schienen minimal geringer zu sein als im letzten Jahr, was aber an meiner Einschätzung liegen kann: Offizielle Zahlen liegen noch nicht vor. Was könnte man auch an Denver nicht mögen? Ein beeindruckendes Herbstpanorama, vorzügliches Essen und überbordende Gastfreundschaft fast überall, wohin man sieht.

Bisher gab es in jedem Jahr jemanden, der etwas wirklich Besonderes präsentierte: Diesmals war es das Team von Chad Kassem, James Guthrie und Kollegen, die allen anderen mit ihrer Live-Vorführung der heiß erwarteten Mehrkanal-SACD von Pink Floyds Wish You Where Here die Schau stahlen. Die Scheibe lief auf einem passenden Playback Designs-Laufwerk und dem Mehrkanal-DSD-Wandler MPS-5 – für mich die beste Digitalquelle, die es gibt –, und das klangliche Ergebnis war schlicht überwältigend. Wish You Where Here ist vielleicht dasjenige Pink Floyd-Album, das es am ehesten verdient, in Surround Sound neu abgemischt zu werden: Mit seinen bezaubernden Klanglandschaften und den mächtigen Kompositionen scheint es von Anfang an für Surround Sound prädestiniert zu sein. Es steht zu hoffen, das Chad und sein Team die Plattenfirma EMI überzeugen können, das Projekt mit weiteren SACD Mehrkanal-Veröffentlichungen – oder besser noch DSD Downloads! – aus Pink Floyds enormen klassischem Katalog fortzusetzen.

Á propos DSD: Es scheint gemeinsame Anstrengungen zu geben, die Musikindustrie insgesamt dazu zu bewegen, DSD Downloads auf den Weg zu bringen. Die Pionierarbeit von Playback Designs Andreas Koch und Jonathan Tinn, DSD-Wiedergabe über USB (!) zu ermöglichen, bringt nichts weniger als eine Offenbarung: Sie stellt jede PCM-High-Resolution-Wiedergabe, die ich kenne, in den Schatten. Die einzige Einschränkung: Wirklich native DSD-Files sind ziemlich rar, da sich die meisten Studios damit zufrieden gaben, Hoch-Bit-PCM in einen 1-Bit-Datenstrom zu konvertieren – und das, obwohl Firmen wie Korg superb klingende DSD-Recorder wie den MR-2000 entwickelt haben, die jeden High-Resolution-PCM-Recorder ihrer Klasse überstrahlen.

Computer-basierte Audioquellen gab es in fast allen Räumen, oft mit Pure Musics neustem iTunes-Add-On Software-Decoder. Natürlich konnte man auch in vielen Zimmern Amarra entdecken, aber ich persönlich ziehe es vor, meine Musik mit iTunes zu verwalten statt in irgendeiner anderen Umgebung. Offensichtlich sind wir in der Zukunft angekommen und die Wiedergabe hochaufgelöster Dateien – sei es nun PCM oder DSD – ist nicht wieder wegzudenken.

Selbstverständlich wurde auch analog vorgeführt: Viele Aussteller hatten Plattenspieler für das geliebte Vinyl mit gebracht. Eines der beeindruckendsten war Luxmans neues Laufwerk mit Jelco-Arm, dass über 40 Pfund auf die Waage bringt und respektable 6500 Dollar kostet. Viele Transrotors, Clearaudios und andere feine Laufwerke bewiesen nachdrücklich, dass das Vinyl-Revival so stark ist, wie eh und je.

Alles in allem war die Show ein gutes Beispiel dafür, wie man feines Hifi so präsentiert, dass die Besucher eine Wiedergabequalität erleben konnten, die weit über die der allgegenwärtigen Mehrkanal-Heimkino-Anlagen und beliebten iPhone/iPad/iPod-Anwendungen hinausgeht. Bleibt zu hoffen, dass immer mehr Konsumenten diese Qualitäten nicht mehr missen möchten.

Anmerkung der Redaktion

Nicht nur wir haben uns beim Reaktivieren der Seite während des Analogforums ein wenig unter Druck gesetzt. Der Kollege in den USA bekam die Folgen des raschen Wiedereinstiegs ebenfalls spüren. Unsere Bitte um einen Bericht vom Audiofest erreichte ihn vor Ort: Er war bereits in Denver, seine Spiegelreflexkamera in L.A. Als Apple-Repräsentant vertraute er aber einfach auf die Qualitäten seines iPhone 4 und lieferte uns eine ganze Reihe interessanter Fotos, die zwar nicht immer den Ansprüchen Helmut Baumgartners genügen, nach der Bearbeitung mit iPhoto aber einen recht guten Eindruck des Geschehens beim Rocky Mountain Audiofest vermitteln. In Zukunft kann es nur besser werden, meint Danny – nicht zuletzt wegen seines neuen 4S!