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Die Köpfe der Szene und ihre Produkte – Teil 2: Steinmusic

31.05.2010 // Andreas Steiner

Zu meinem Erstaunen erklingt die Stimme von Lou Reed, nein, er ist nicht der Holger Stein Kunde, aber der Herr am Klavier: Friedrich Paravicini. Als Lou Reed sein Konzeptalbum Raven einspielte, brauchte er jemanden, der ihn bei den ersten Takes am Klavier begleitete. Friedrich Paravicini, anerkannter Studio Musiker, Begleiter von Annett Louisan, ja Holger Stein Kunde, wurde kurzfristig engagiert.

„It might be nice to disappear”, haucht Lou Reed heiser ins Mikrofon, „to have a vanishing act” und kommt dabei absolute authentisch in seiner Versunkenheit rüber. Auch die Lautsprecher sind ein totaler „vanishing act“, die Musik kommt aus dem Raum. Lou Reed ist unmissverständlich „close miked“ aufgenommen. Drei Röhrenmikrofone fangen die intime Aufnahmesituation ein, zwei am Flügel, eins am Gesang. Die Aufnahme ist faszinierend, ich möchte mehr vom Setting erfahren.
Holger Stein wählt kurzer Hand eine Nummer und reicht mir den Hörer. Die Verbindung ist hergestellt, Hr. Paravicini erzählt locker von seinen Erfahrungen mit dem Weltstar Lou Reed.

„Ich nahm an einem 50er Jahre Steinway Platz und habe mich nur kurz eingespielt. Das Instrument klang rund und weich, geradezu lieblich. Lou Reed hatte einen Kopfhörer schräg am Kopf, alles war sehr entspannt. Der Klang des Steinways hat mich sofort eingenommen. Der Flügel hatte einen runden Sound, wie man ihn ähnlich von Bill Evans kennt. Im Grunde sollte es nur ein Pilot-Vocal sein. Lou Reed wollte sich begleiten lassen, um für eine spätere Abmischung den Vocal Track fertig zu haben. Wir haben das also live eingespielt, ohne groß zu proben, beim Abhören war bald klar, dass es in dieser Intimität genau so perfekt war. Also wurde es gegen den ursprünglichen Plan nicht weiter remixed oder instrumentiert. Hört Ihr den Track gerade mit Holgers neuem Lautsprecher?“

„Ja, deshalb rufen wir an. Die Aufnahme ist geradezu beklemmend nah.“
„Ich mag Holgers Sachen, weil ich die Lebendigkeit und Dynamik brauche. Ich mag beim Musikhören nicht nachdenken, ob es richtig oder falsch ist, ich brauche auch bei der Wiedergabe Spaß und Freude. Den ganzen audiophilen Wahnsinn habe ich übrigens in der Vergangenheit auch schon mitgemacht.“
„Gab’s mit Lou Reed nach dieser kurzen Erfahrung noch weiteren Kontakt?“
„Nach einigen Wochen kam ein Anruf: Bin übermorgen bei David Letterman in der Show, hast Du Zeit? Also bin ich rüber geflogen. War cool.“

Kennt schon interessante Leute, der Herr Stein, denke ich. Noch während des Gesprächs mit Herrn Paravicini kommt ein Ruf aus der 3. Etage der Malzfabrik: Zeit zum Mittagessen. Wir nehmen den Lift, ich vermisse die Katze. In der großzügigen Wohnküche findet sich wieder die Erfahrung von savoir vivre und der organischen Verbindung von Lebenswelten. Gabriele Stein hat gekocht, man möchte ihr ungesehen ein paar Sterne verleihen.

Der tägliche Mittagstisch: Freunde, Kunden, Mitarbeiter
Der tägliche Mittagstisch: Freunde, Kunden, Mitarbeiter
Um den großen Tisch sitzen unter anderem zwei Mitarbeiter, deren Nach-Hause-Weg zu weit wäre, die Kinder im Teenageralter trudeln von der Schule ein und bringen Freunde mit. Ein Geschäftspartner schaut auch noch vorbei, bringt eine Flasche Wein mit, natürlich kriegt er auch noch eine reichliche Portion. Die Kinder gehen ihrer Wege, die Gespräche konzentrieren sich auf die Konzeptideen hinter den Entwicklungen bei Steinmusic.

„Worauf konzentriert sich Steinmusic bei der Entwicklung neuer Produkte?“
„Das Grundkonzept muss natürlich bei jedem Produkt passen. Du kannst aus allen Zutaten gute und schlechte Sachen kreieren. Daneben gibt es aber eine handvoll Dinge, die mir als Rahmenbedingungen immer wichtig sind.“
„Das wäre?“
„Das ganze Thema Stromversorgung, die mechanische Seite, besonders der Umgang mit Schwingungen, die Leiterbahnführung mit einem zentralen Bezugspunkte der Masse oder die Qualität des Gehäuses als Teil des mechanischen Konzeptes.“

„Holger Stein ist seit Jahren dafür bekannt, die absolute Instanz im Thema Bauteileauswahl zu sein. Da gibt es doch immer wieder Anfragen von Kunden und sogar Herstellern, die einen Rat zur Optimierung brauchen.“
„Wir arbeiten nur mit diskret aufgebauten Schaltungen und verwenden viel Zeit darauf, zum Beispiel Kondensatoren auszusuchen, die vom Klangcharakter unseren Vorstellungen entsprechen. Gleiche Bauteilwerte klingen natürlich nicht automatisch gleich.“
„Worauf habt Ihr Euch fokussiert, Black Gates?“
„Die sind von der Qualität sehr gut, keine Frage. Im Digitalbereich verwende ich zudem gerne OSCONS, die blauen, die sind sehr ausgewogen und stimmig und zählen mit zu meinen Favoriten. Panasonic sind sehr offen und frei und haben einen sehr schlanken Charakter. Für manche Hörer kann sich dadurch ein Mangel an Substanz ergeben, wenn man sie allein verwendet. Dann kombiniere ich sie gerne mit Rubicon Kondensatoren, die sind wärmer und haben mehr Körper. Panasonic und Rubicon ergänzen sich fantastisch.“
„Das klingt wie die Beschreibung eines guten Kochrezeptes.“ Ich war gedanklich wieder kurz zu Gabriele Steins lukullischen Köstlichkeiten abgeschweift.
„Die meisten guten Gerichte haben mehr als ein Gewürz. Ich brauche beides, die Spannung und das Zusammenspiel.“
„Wenn also ein Verstärker am Prüfstand ist und die Wiedergabe eines Kontrabasses voller und wärmer gestaltet werden soll, greife ich also in die Kiste mit den Rubicons?“
„Das wäre zumindest eine Möglichkeit.“

Holger Stein legt Wert darauf, dass er die besonders feinen Teile gerne von der Firma Mundorf bezieht.
Holger Stein legt Wert darauf, dass er die besonders feinen Teile gerne von der Firma Mundorf bezieht.
Wir verlassen die Privaträume und fahren mit dem Lift ins Lager, wieder ohne Katze. Herr Stein packt ein paar der soeben angelieferten Gehäuse für CD Player und Verstärker aus. „Wir haben einen Industriedesigner beauftragt, sich einmal grundsätzlich Gedanken zu machen. Das Gehäuse als Teil des mechanischen Konzeptes darf auch schön sein und soll ästhetischen Ansprüchen gerecht werden. Im Inneren geben wir extrem acht, dass die unweigerlich auftretenden Schwingungen in Bereiche gelegt werden, wo sie der menschlichen Wahrnehmung angenehm sind. Dazu verwenden wir auch Materialien wie Geigenstege, Bronze, spezielle Holzverbindungen und Lacke.“

Famose Klangqualität aus kleinem Gehäuse: MASTER-CLASS-AMP 2
Famose Klangqualität aus kleinem Gehäuse: MASTER-CLASS-AMP 2


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