Die Köpfe der Szene: Teil 4 – Hidden Champion: Mundorf

13.04.2011 // Andreas Steiner
Die große Krise scheint überwunden. Deutschland hat es wieder einmal geschafft, über seine Exporterfolge die Wirtschaft anzukurbeln. Die großen Unternehmen können wohl nicht alleine für diese erfreuliche Entwicklung verantwortlich sein, zu wenig unterscheiden sie sich von den internationalen Mitbewerbern. Deutschland ist in der glücklichen Lage, dass es viele Mittelständler mit erheblichem Exportanteil gibt, die den Karren aus dem Dreck ziehen.


In der breiten Öffentlichkeit ist es kaum bekannt, wie viele kleine Unternehmen zu den Top Five der den Weltmarkt bestimmenden Unternehmen gehören. In der Fachliteratur hat Hermann Simon in seiner Veröffentlichung „Die heimlichen Gewinner“ für diese unbekannten Stars den Begriff Hidden Champions geprägt. Was für ein Glück, dass es gerade im Bereich der elektronischen Bauteile und des Audio-Zubehörs einen echten „Hidden Champion“ aus Köln gibt: die Firma Mundorf, die seit nunmehr 25 Jahren den Weltmarkt mit Produkten von unbestechlicher Qualität versorgt.

Raimund Mundorf interessieren nicht nur technische Details, er pflegt eine mehr ganzheitliche Herangehensweise
Raimund Mundorf interessieren nicht nur technische Details, er pflegt eine mehr ganzheitliche Herangehensweise
Jetzt sitze ich dem Inhaber dieses Hidden Champions gegenüber, Raimund Mundorf, der vor 25 Jahren aus Bastelleidenschaft eine Spulenwickelmaschine gebaut und auf die ersten Erfolge hin ein Unternehmen aufgebaut hat, an dessen Produkten niemand in der Audio Szene vorbeikommt. Geht man durch die expandierenden Räumlichkeiten des Familienunternehmens, kommt man aus dem Staunen nicht heraus, welche namhaften Lautsprecheranbieter ihre Frequenzweichen mit Mundorf Bauteilen bestücken beziehungsweise gänzlich von Mundorf als OEM Produkte fertigen lassen. Herr Mundorf übt sich in vornehmer Zurückhaltung, was seine Geschäftspartner anbelangt, kann aber der schon bekannten Tatsache, dass kein hochwertiger Lautsprecher von B&W bis Magico mehr ohne Mundorf Kondensatoren auskommt, nur ein bescheidenes Lächeln entgegensetzen.

Mein Besuch gilt weniger den begehrten Kondensatoren und Spulen von Mundorf. Nachdem sich die Mischung aus Feinsilber und ein Prozent Goldanteil als Kondensatorbelag im Markt bereits bestens bewährt hatte, war es nur folgerichtig, der audiophilen Gemeinde ein Fertigprodukt anzubieten: Die NF- und Lautsprecherkabel von Mundorf, die unter dem Markennamen zendo cable vertrieben werden.

Man kommt nicht umhin, Raimund Mundorf vor seiner unternehmerischen Leistung Respekt zu zollen. In Anbetracht der qualitativen Reputation des Hauses und der internationalen Akzeptanz seiner Produkte würde man erwarten, dass der Kopf der Firma dem Besucher die neue Produktlinie mit stolzgeschwellter Brust als das ultimative Produkt präsentiert, auf das die Welt des Kabelmarktes gewartet hat. Doch statt sich mit Marketing-Plattheiten und Klappern, das angeblich zum Handwerk gehört, aufzuhalten, entspinnt sich ein Gespräch voller Vielschichtigkeit und Tiefe. Anstelle eines herrisch auftretenden Unternehmensführers zeigt sich Raimund Mundorf als hoch reflektierte und bescheidene Persönlichkeit, deren Interessen weit über das berufliche Tätigkeitsfeld hinausreichen.

In kurzen Worten schildert er die Meilensteine der Produktentwicklung, erst bei der besonderen Wirkung unterschiedlicher Metalllegierungen auf das menschliche Befinden leuchten seine Augen voller jugendlichem Tatendrang. Das Nachdenken über die größeren Zusammenhänge, das hinter die Kulissen schauen scheint diesen Mann mehr zu bewegen, als bloße technische Details. Und gerade diese ganzheitliche Sicht führt zu einer Herangehensweise, die Produkte entstehen lässt, die neben technischen Parametern auch noch eine Botschaft enthalten, die der Markt wohl mehr unbewusst als unverzichtbar honoriert. So ist die intuitive Kompetenz in der Materialauswahl der entscheidende Erfolgsfaktor, der Mundorf bei aller technischen Präzision von Konkurrenzprodukten abhebt. Um es vorweg zu nehmen, auch die zendo cable gründen ihre Faszination auf den verwendeten Edelmetallen, die in produktionstechnisch hochqualitativer Form verarbeitet werden.

Großzügig werde ich mit NF- und Lautsprecherkabeln versorgt, in unterschiedlichen Längen und Konfektionierungen. Keine Gebrauchsanweisungen, keine Belehrungen, keine Warnhinweise, keine Verkaufsslogans: Die edlen Produkte dürfen für sich selbst sprechen. 

Ausgeliefert werden sie in runden Metalldosen, die auch einer Filmrolle gut Schutz bieten könnten. Die Kabel selbst sind von schnörkellosem Aufbau. Das NF Audio Kabel Ai605 hat zwei mal drei SilberGold Leiter mit je 0,5 Millimeter Durchmesser, solid core und verwendet PTFE als Dielektrikum. Die Abschirmung besorgt ein Schirmungsgeflecht, das einseitig am Signalempfängerstecker angelötet ist und somit ausschließlich vor Hochfrequenzeinstreuungen schützt und nicht der Signalübertragung dient.

Insgesamt ist das Kabel schlank und hochflexibel und vermittelt einen unverhohlenen Qualitätseindruck, der im Gegensatz zu einigen Mitbewerbern nicht mit spektakulären Querschnitten oder exotischen Ummantelungen erkauft werden muss. Manche Anbieter versuchen die Geheimnisse ihrer Konstruktion zu wahren, bei zendo cable liegt alles offen: Traditionelle Verseilung der Einzeladern, völlige Transparenz des verwendeten Leitermaterials. Und dennoch ist es genau das Leitermaterial, das zendo cable interessant macht.

4N Feinsilber wird ein Prozent Gold höchster Reinheit beigemischt. Mundorf gibt in seinen Produktbeschreibungen an, dass das beigemischte Gold die kristalline Struktur des Silbers verändere und seine sehr guten elektrischen Leitfähigkeiten maximiere. Skeptiker mögen in die Diskussion die Frage einbringen, wie denn Silber als das anerkannt am besten elektrisch leitende Material durch die Beimischung eines weniger leitfähigen Edelmetalls in seinen Eigenschaften noch optimierbar wäre. Dem ist entgegenzuhalten, dass der Kunde nicht für den besten Leiter zahlt, sondern für den aus dem Leiter resultierenden Musikgenuss. Ob dieser sich einstellt, kann nur ausführliches Hören klären.

Die Lautsprecherkabel kommen ebenfalls als solid core Variante, mit zwei mal einem (SG 215, 1,8 Quadratmillimeter) beziehungsweise zwei mal zwei (SG815, 7,2 Quadratmillimeter) Silber-Gold Leitern mit je 1,8 Millimeter Durchmesser. Diese Durchmesser wurden nach zahlreichen Untersuchungsreihen ausgewählt, um eine optimale Balance von geringem Skin-Effekt und einer optimalen Leistungsübertragung bei größeren Kabellängen sicherzustellen. Ebenso wie das NF-Kabel sind die Lautsprecherkabel trotz des im Bi-Wiring Modus eindrucksvollen Querschnitts flexibel und lassen sich gut verlegen.

Preislich sind die zendo cable interessant positioniert. Das NF Kabel ist für 320 Euro, die Basisausführung des Lautsprecherkabels ist für 600 Euro pro Stereometer erhältlich. Nachdem bei größeren Querschnitten der schiere Edelmetallgehalt als Kostenfaktor massiv zum Tragen kommt, sind beim Bi-Amping Kabel auch schon mal knapp über 2000 Euro zu bezahlen, was man angesichts der steigenden Rohstoffpreise aber auch als Investition in die Zukunft sehen kann.