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Klangbeispiele statt Klangbeschreibung!

06.01.2011 // Dirk Sommer
Der Artikel Das Ende der Klangbeschreibung hat eindeutig positive Reaktionen von Ihrer Seite hervorgerufen – und das, obwohl Sie Ihren Kommentar statt einfach im Anschluss an den Artikel „damals‟ noch per Mail an uns schreiben mussten. Wie dem auch sei, Ihre Zuschriften haben uns ermuntert weiterzumachen: mit neuen Musikstücken, Tonarmen, Abtastern und einer Vorschau.


Aufmacher_content
Außer „Griff“ mit dem Paul Kuhn Trio verwenden wir ab sofort für die Klangbeispiele auch Chico Freemans „Duet“ und „How Deep Is The Ocean“ von der Saxophon-Allstar-Band Roots. Die Nagra lief bei allen Aufnahmen mit 96 Kilohertz

Was wir hier vorhaben – und da beziehe ich Sie und Ihre Dialogbereitschaft unbedingt mit ein – ist das, was man im Englischen so schön work in progress nennt. Und das bedeutet unter anderem, dass es nichts Endgültiges oder Statisches gibt. Wir sind für Anregungen offen. Andererseits macht diese Klangbibliothek nur dann Sinn, wenn wir uns an einmal gesetzte Standards halten. Da bisher aber lediglich drei Files im Umlauf sind, werde ich Sie bitten, diese Dateien zu löschen und statt ihrer die hier angebotenen zu speichern. Nicht, dass ich es bei der Überspielung beispielsweise an Sorgfalt bei der Justage der Pegel hätte fehlen lassen. Aber während ich mir Gedanken um eine Standardisierung des Verfahrens und beinahe parallel die ersten Aufnahmen machte, habe ich nicht daran gedacht, die Tonabnehmer zumindest ein, zwei Plattenseiten lang einzuspielen. Dabei weiß jeder halbwegs erfahrene Analog-Fan, dass manche Abtaster schon nach einem Tag Pause mindesten ein paar Minuten Spielzeit benötigen, um ihre gewohnte Leistung zu bringen. Mich hatten aber vor der Überspielung der Songs von der Platte auf die Nagra die Aufnahmen für unsere Downloads und für eine in diesem Jahr zu erwartende LP schon seit geraumer Zeit so in Trab und vom analogen Musikgenuss im trauten Heim abgehalten, so dass das Lyra Olympos und das Brinkmann EMT bei der Überspielung bestimmt nicht unter optimalen Bedingungen arbeiteten. Ob dies nun auf den Files hörbar ist oder nicht, sei dahingestellt. Ab jetzt aber gilt: Es wird kein Tonabnehmer mehr aufgenommen, bevor er nicht mindestens eine LP abgespielt hat.

Denon
Das Denon DL 103: ein Klassiker, dessen Befestigung sofort den Wunsch nach einem moderneren Gehäuse aufkommen lässt

Die neue Aufnahmerunde macht auch deshalb Sinn, weil Frank Kleinschmidt, der Inhaber des Labels in + out records, uns zwei seiner Produktionen aus der „Limited Audiophile Edition‟ für Klangbeispiele freigegeben hat: Die Live-Doppel-LP Saying Something der Saxophonisten-Allstar-Band Roots (IOR 77031-1) und Chico Freemans Threshold (IOR 7022-1), die gut klingen und für etwaige eigene Experimente Ihrerseits noch zu äußert zivilen Preisen erhältlich sind (www.inandout-records.com/artists/freeman-chico/freeman-chico.html). Aus Threshold habe ich das kurze „Duet‟ ausgesucht, aus dem Album von Roots den letzten Teil der „Ballads For Trane‟: „How Deep Is The Ocean‟. Der gesamte Track setzt sich aus fünf Songs zusammen, die Coltrane häufig spielte, und in jedem Song hat einer der vier Saxophonisten sein Solo. Das fehlende fünfte steuert Pianist Kirk Lightsey bei, der auch die Verbindung zwischen den fünf Teilen herstellt. Während der letzten dieser Brücken steigen wir abrupt ins Geschehen ein: Eine sanfte und punktgenaue Einblendung ist nahezu unmöglich, wenn man den Pegel auf 0,1 Dezibel genau einstellen will, was bei der Nagra mit etwas Fingerspitzengefühl und Zeit möglich ist. Hier gebe ich dem exakten Pegel Vorrang vor einer gelungenen Einblendung.

Die Mischung aus Stimmen und Studioeffekten sowie die live aufgenommenen akustischen Instrumente dürften zusammen mit dem groovenden „Griff‟ des Paul Kuhn Trios ausreichend Material sein, um verschiedene Komponenten zumindest tendenziell einzuordnen. Dass alle drei Stücke trotz ihrer Verschiedenheit dem Begriff Jazz zugeordnet werden können, hat übrigens nicht das Geringste mit meinen persönlichen musikalischen Vorlieben zu tun. Wer lieber Pop hören möchte, kann gerne einmal mit einer Major-Plattenfirma über die Freigabe von Songs für unsere Zwecke verhandeln. Mir sind da kleine, feine und unabhängige Label lieber.

konstant
Wenn der SME V den Platz für eine Basis langfristig besetzt, würde mehr Platz nicht schaden ...

Doch nun zu unseren heutigen Downloads: Auch wenn Sie nicht der im Artikel Das Ende der Klangbeschreibung dargestellten Standardkonfiguration mit dem SME V entsprechen, reiche ich Ihnen die Aufnahmen vom nun eingespielten Brinkmann EMT ti im Brinkmann 12.1 entzerrt von der symmetrischen Einstein-Phonostufe nach. Statt allein Paul Kuhns „Griff‟ erhalten Sie nun aber den kompletten Drei(er)-Satz mit Chico Freemans „Duet‟ und „How Deep Is The Ocean‟ von Roots. Dieselben Songs habe ich dann auch mit dem Lyra Olympos im Kuzma 4Point überspielt. Weiter geht’s dann mit der ersten Standardkonfiguration: einem Denon DL-103 im SME V, ebenfalls entzerrt vom Einstein.

Sie merken schon, mir macht die Spielerei mit Tonabnehmern, Armen und Phonostufen nach so langer analoger Enthaltsamkeit wieder richtig Spaß. Und deshalb habe ich auch noch gleich eine akustische Vorschau produziert: Sie können noch einmal das Lyra Olympos hören, diesmal entzerrt von dem famosen Burmester Phono Preamp 100, mit dem ich mich gerade ausführlich beschäftige. Weitere Downloads mit anderen Abtastern werden dann zeitgleich mit dem Test des chromglänzenden Schmuckstücks veröffentlicht.

Die Downloads finden Sie, wie schon erwähnt in der Rubrik Klangbibliothek. Viel Spaß!

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