tests/19-10-25_aperion
 

Aperion Audio Novus Tower 5

25.10.2019 // Matthias Jung

Der Hochtöner sitzt hinter einem Gitter, das seine empfindliche hochauflösende Seidenkalotte schützt, gleichzeitig wirkt er als Diffusor. Der Antrieb erfolgt mit einem Neodymmagneten
Der Hochtöner sitzt hinter einem Gitter, das seine empfindliche hochauflösende Seidenkalotte schützt, gleichzeitig wirkt er als Diffusor. Der Antrieb erfolgt mit einem Neodymmagneten

Beim ersten Reinhören erstaunt mich vor allem die Fülle, die man den kleinen Säulen so gar nicht zugetraut hat. Voll und mit nicht wenig Druck steht ordentlich Bass im Raum. Nach längerem Hören wird klar, dass der Hersteller zu einem kleinen Trick gegriffen hat, indem er den Oberbass etwas anhebt. So etwas kann zu einem undeutlichen und weichen Tiefton führen. In diesem Fall hat Aperion Audio eine sehr gelungene Abstimmung gefunden. Trotz des Volumens behalten gezupfte Kontrabässe Struktur und den richtigen Slap. Darüber, dass man auch aus kleinen Lautsprechern mal den Korpus gut hören kann, will ich mich nicht beschweren. Trotzdem werden die darüber liegenden Bereiche nicht überdeckt und verschmiert, auch Stimmen komplett ungestört wiedergegeben.

Es liegt gerade eine alte Aufnahme des Tschaikowsky-Violinkonzerts im Player, und obwohl ich da ansich nur kurz reinhören wollte, bleibe ich tatsächlich dabei, bis alle Sätze durch sind. Neben den bulligen Kontrabässen verfügt die Novus T5 nämlich über eine andere Gabe: Sie kann mitreißen. In dem an sich sehr neutralen Mittenband entwickelt sie einen richtigen Drive, der einfach nur Spaß macht. Darüber recht prominente Höhen, die sehr gut aufgelöst und klar, aber auch mit ordentlich Pegel spielen, und mir in Verbindung mit dem ebenfalls ausgeprägten Bass in meinem Raum zu viel werden. Das erinnert ein wenig an die traditionelle amerikanische Abstimmung mit ein paar Pfund zu viel im Bass und ordentlich kräftigen Höhen ohne Mittenloch – ein Resultat der vielen Holzhäuser in den Staaten, die auch noch dämpfende dünne Wände haben. Auf der einen Seite ist der Bassbereich der Novus T5 dafür aber viel zu sauber, auf der anderen gibt es ja noch die Höhenanpassung, und nachdem ich die Brücken entfernt habe, passt alles. Der Hochton verliert Pegel, aber keine Auflösung und Brillianz und lässt die Mitten klarer und offener durchscheinen. Bis zum Einpacken blieb die Absenkung drin beziehungsweise die Steckbrücken draußen.

Durch die höhere Durchhörbarkeit im Mitteltonbereich bekommt das Klangbild seine Ordnung zurück und auch der Raum gewinnt. Nicht in den Abmaßen, sondern in seiner Struktur. Die Aperion Audio vermögen jetzt eine beachtliche Raumtiefe aufzubauen, während es nach links und rechts zwar keine Überbreite gibt, aber genug Weite. Dabei verstehen es die Novus 5T, ohne jede analytische Ambition Atmosphäre zu verbreiten. Detailfetischisten kommen hier zwar nicht auf ihre Kosten, aber der Markt ist ja groß. Es macht mir einen Riesenspaß, auch ältere Pop-Produktionen rauszukramen. Wann habe ich wohl das letzte mal Talking Heads oder Stereolab gehört? Ich frage mich spontan, warum eigentlich? Bemerkenswert auch die klare ungetrübte Stimmwiedergabe mit guter Abbildungsgröße und Höhe. Nett dazu die Fähigkeit, höhere Pegel und Lautstärken lässig wegzustecken. Gerade elektronische Musik verführt geradezu zum Aufdrehen. Allerdings fällt dann auch auf, dass unten im Keller doch noch mehr geht und der Tiefsttonbereich weitestgehend ausgeblendet wird. Richtig harte E-Drums weichen die Aperion dann doch auf. Auch richtig bösem Filmton von „Antman“ gehen sie etwas aus dem Weg und drücken sich um zerbrechende Gebäude herum – die Kinder hatten trotzdem einen Heidenspaß und ich auch!

Die Steckbrücke passt den Höhenfrequenzgang effektiv den akustischen Gegebenheiten an
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