Die Audio Group Denmark stattete wie üblich für die High End gleich drei Hörräume aus. Einer davon war gespickt mit Weltpremieren. Auf den Außenflächen zeigte sich der Aavik M-880 Monoblock (100.000 Euro). Ein U-288 mit durchsichtigem Deckel zeigt wie Streamer, DAC, Vor- und Endverstärker in einem Gehäuse zusammenkommen, mit Kupferplatten gegen elektromagnetische Störungen abgeschirmt werden und mit 72 Active Tesla Coils, 144 Active Square Tesla Coils, 4 analogen Dither-Schaltungen und 8 Anti-Aerial Resonance Coils direkt an den Lautsprecherterminals für niedrigste Störgeräusche optimiert werden. Sowohl der Kompaktlautsprecher Børresen A1 (Paarpreis 10.000 Euro), die kleinere Bassmodul-Ausführung Børresen BM2 (9.000 Euro) und Vollverstärker/Streamer/DAC Aavik U-301 (15.000 Euro) waren Weltpremieren. Die größeren A2 (16.000 Euro) und A3 (21.000 Euro) wurden vor den Hörkabinen ausgestellt. Nebenan spielte die teuerste der drei Anlagen: M1 Gold Signature (110.000 Euro/Paar) und BM3 (18.000 Euro) an I-880 Vollverstärker mit Streamer/DAC SD-880 (je 67.000 Euro) und Ansuz Komponenten und Kabeln aus der D-TC Gold Signature (ebenfalls nicht unter 20.000 Euro zu haben). Die C3 (35.000 Euro) im dritten Hörraum mit 588-Elektronik zu je 25.000 Euro wirkte preislich vergleichsweise fast gemäßigt. Dass die erschwinglicheren Hörräume kaum schlechter klangen, sollte man je nach Sichtweise nicht so laut sagen, oder ausdrücklich betonen.
Audio Reference lud zu einer umfangreichen Pressekonferenz. Mit einer Fläche von 1.800 Quadratmetern, 2 „Konzertsälen“, einem großen, einem kleinen Kino und vielen weiteren Anlagen auf Freiflächen gab es so einiges zu sehen und zu hören. Vor einer der aufwendigsten und teuersten Ketten der gesamten High End, kamen die Gründer/Geschäftsführer der von Audio Reference betreuten Firmen zu Wort. Dan D'Agostino beispielsweise kündigte die Progression Serie ab. Sie wird von der Progression Neo abgelöst. Relentless 800, 1200 und 1600 werden alle um die Z-Technologie verbessert. Letztendlich jage er nicht nach idealen Messdaten, sondern absoluter Musikalität. Daryl Wilson berichtet über das von seinem Vater hinterlassene Erbe und wie die Entwicklung der Wilson Autobiography (1 Million Euro) nicht nur eine technische, sondern auch emotionale Reise war, stets begleitet und beflügelt von Leidenschaft und dem Streben nach Vortrefflichkeit. VTLs Luke Manley berichtete, dass die über fünf Jahre entwickelte Mono-Endstufe Lohengrin (125.000 Euro/Paar) jetzt in Produktion ist. Kerry St. James verweist auf die Anfänge von SME (Scale Model Equipment) als Fertiger von Miniaturautos und auf das heute breit aufgestellte Unternehmen, das nicht nur im Audio-, sondern auch im Luftfahrt- und medizinischen Sektor tätig ist. Außerdem hat SME ein AAA-Label gegründet. Das Audio-Technica 80-MCD1 (11.000 Euro) feiert seine Weltpremiere und ist wohl das einzige derzeit spielende Modell. Sowie die Transientenwiedergabe ein Vorteil der Diamantnadel ist, bleibt die Masse des Werkstoffs ein Nachteil. Um diesen möglichst auszugleichen, wurde genaustens auf die Gewichtsverteilung geachtet. Mir persönlich hat die Einstellung zur Kreislaufwirtschaft von Vicoustics CEO César Carapinha besonders imponiert. Für den Echo Frame GEO, einem mit Sublimationsdruck bedruckten Absorber im Bilderrahmen (381 Euro/Stück) hat er ein Recyclingmaterial entwickeln lassen, das aus gebrauchten PET-Flaschen gewonnen wird. Die Fasern dieses Materials werden nicht geklebt, sondern mittels eines proprietären Verfahrens durch Nadeln „zusammengefilzt“. Eigens dafür wurde eine Fabrik in Indien gebaut und ausgestattet. César zeigte mir Aufnahmen vor Ort. Es handelt sich um eine hochmoderne Einrichtung, in der extrem sauber und strukturiert gearbeitet wird. Perlisten präsentiert die neue X-Series und stattet zusammen mit dCS' ersten 16-Kanal DAC und Trinnov die Kinosäle aus. Mansour Mamaghani zeigt stolz den neuen Riesen-Subwoofer seiner Marke Velodyne Acoustics mit gewaltigen 11 Kilowatt Endstufenleistung.
Eversolo ist eine der chinesischen Marken aus Shenzhen, die sich innerhalb kürzester Zeit nachdrücklich auf dem europäischen Markt positioniert haben. Mit wenigen Geräten gestartet, besteht das Portfolio inzwischen aus recht klar in drei Ausbaustufen unterteilbare 6er, 8er und 10er Serien mit verschiedensten Komponenten. Ich habe die Gelegenheit genutzt, den Blick ins Innere der Geräte festzuhalten. Ihr Aufbau ist beeindruckend sauber und hochwertig. Der Wandler Z10 kostet „nur“ 2.000 Euro ist vollsymmetrisch mit zwei AKM AK4191 und AK4499 aufgebaut, nutzte eine R2R-Lautstärkeregelung und war bereits bei Dirk Sommer im Test. Mit der C10 gehört jetzt auch eine Masterclock zur 10er Serie. Der „kleinste“ AMP-F6 basiert auf GaN-FET-Technik und ist für mich damit ein hochspannender Testkandidat. Er liefert bereits 225 Watt an 8 Ohm. Der R8 ist ein R2R DAC mit R2R Laustärkeregelung. Der SA200 ein Streaming-Vollverstärker. Den neuen T10 Streamer habe ich bei der Begeisterung für das Platinendesign von Eversolo versäumt zu fotografieren. Luxsin gehört zum selben Mutterkonzern Zidoo Group und zeigt neben dem B9 Kopfhörerverstärker mit R2R-DAC und austauschbaren Verstärkungsmodulen, was passiert, wenn man chinesische Ingenieure von der Leine lässt. Der kleine Lautstärkeregler des BD9-Wandlers ist abnehmbar und als Fernbedienung nutzbar – klar. Welchen Mehraufwand dies in der Entwicklung macht, dürfte jedem technikaffinen Leser klar sein. Mir fällt aktuell kein anderes Gerät mit dieser Fähigkeit ein, schon gar nicht in dieser sub-10.000-Euro Preiskategorie.
Canvas Slogan „The World’s first audiophile Soundbar“ ist zwar durchaus provokativ, man denke beispielweise nur einmal an den Stereomaster von Lyravox, der schon vor gut einem Jahrzehnt das Prinzip Soundbar neu ausgelotet hat, allerdings schmälert dies nicht die Leistung des recht jungen dänischen Unternehmens. Das auf der Messe Premiere feiernde Modell L kostet 7.000 Euro und wusste im Hörraum zu beeindrucken. Durch hochkomplexe DSP-Steuerung und Kombination der Lautsprecher, teilweise kompensieren sie sich gegenseitig, wurde ein Stereobild erreicht, das etwa drei Mal so breit war wie die Canvas selbst. Dabei hörte sich das Ergebnis aber keinesfalls gerechnet, sondern sehr natürlich an. Dank vollständig einstellbarer Halterung passt Canvas zu jedem Fernseher – auch in der Zukunft. Schon beim kleineren Modell konnten verschiedene Fernseherbreiten durch unterschiedlich breite Soundbarblenden optisch nahtlos zu einem einzigen rechteckigen Objekt verschmolzen werden. Die Füße dienen gleichzeitig auch als Wandhalterung. So ist jede Montageart realisierbar – mit oder ohne Fernseher. Natürlich ist die Soundbar App-gesteuert und Streaming-fähig. Mit dem iPhone oder dem Zen Mic (aus dem WiSA-System) ist eine automatische Einmessung auf den Hörraum möglich. Außerdem stehen ein neutrales auf Messtechnik basierendes maximal lineares Preset und ein vom Chefentwickler mit dem Ohr abgestimmtes Organic Preset zu Wahl.
Cayin zeigt nahezu sein gesamtes Produktportfolio. Viele Geräte sind erst im Laufe dieses Jahres erschienen. Mit dem Jazz 70 für 1.600 Euro sind 17 Watt im Triodenmodus möglich. Als Endstufenröhre dienen dabei vier EL34 in Class AB Push-Pull. Der Kopfhörerverstärker HA-1A MK3 (1.300 Euro) arbeitet mit JJ 12AU7 / ECC82 und EL84EH / 6BQ5 in Class A. Der HA-6A MK2 (4.500 Euro) verfügt im Gegensatz zu seinem Vorgänger über ein externes Netzteil. Die Soul 170C Röhrenvorstufe (4.500 Euro) bietet eine in zwei Stufen einstellbare Rückkopplung. Die Flaggschiff-Endstufe Soul 170P (7.500 Euro) soll bis zu 60 Class-A-Watt, im Mono-Modus die doppelte Leistung, liefern. Der CP6 CD-Player (1.000 Euro) ist eine Showpremiere und zusätzlich DAC, Bluetooth-Sender und -Empfänger und CD-Ripper.