Jedes Jahr aufs Neue habe ich den Eindruck, dass die Audio Video Show nochmals besser besucht ist als im Vorjahr. Während das neu erschlossene zweite Stockwerk der Ostseite des Stadiums im letzten Jahr noch etwas steril und vom Publikum übersehen wirkte, wurde es dieses Jahr vollumfänglich angenommen.
Auch das Interesse an den besonders teuren und großen Systemen erschien mir lebhafter als noch im letzten Jahr. Besonders mit der Acapella Sphäron Excalibur wollten sich viele Gäste fotografiert wissen. Überhaupt bewies das polnische Publikum wieder eine besondere Leidenschaft für das Thema Audio. Natürlich waren auch in den letzten Jahren deutsche Marken vertreten, aber dieses Jahr nehme ich eine nochmals größere Anwesenheit auch von deutschen Entwicklern und Firmenchefs war. Nicht nur ihre polnischen Vertriebe sind anwesend. Das Interesse beschränkt sich folglich nicht nur auf das Publikum. Gleich im zweiten Teil des diesjährigen Messberichts möchte ich Ihnen einige Highlights im Detail näherbringen. Wie üblich bieten die drei Tage der Messe nicht die Gelegenheit, mit jedem Entwickler sprechen zu können. Deshalb wechseln sich technische Details, eigene Eindrücke und eine reine Vorstellung von spannenden Komponenten ab.
Nicht selten passiert es leider, dass Vorführungen besonders teurer, aufwendiger Systeme neben ihrer schieren Größe, ihrem Status und ihrem Preis nicht sonderlich beeindrucken. Die Premiere der ersten spielenden Wilson Audio Autobiography in Europa allerdings beeindruckte dermaßen, dass ich, würde mein Konto mich zum potenziellen Kunden machen, nach der Präsentation den Kaufvertrag für das gesamte System unterschrieben hätte. Die größte, aufwendigste Wilson hat Daryl Wilson gewissermaßen dem Lebenswerk seines verstorbenen Vaters gewidmet. Ein Front-Firing- und ein Rear-Firing-Tweeter, zwei 2-Zoll Hochmitteltöner, zwei 7-Zoll Tiefmitteltöner, ein 12- und ein 15-Zoll Tieftöner machen in Summe 8 Treiber in einzelnen optimierten Gehäusen. Die Autobiography soll bis 18 Hertz tief spielen und kostet knapp eine Million Euro. Maßgeblich für das besondere Hörerlebnis war allerdings die Elektronik und Showbetreuung von Ubiqaudiolab aus Slowenien verantwortlich. Im Gespräch mit Ubiq Mastermind Igor Kante wurde mir schnell klar weshalb: dieser Mann lebt Leidenschaft und Perfektion für das Audioerlebnis. Kein Wunder, dass Igor Akrapovič, bekannter Produzent von high-end Auspuffanlagen und selbst Audioliebhaber, Ubiqaudiolab in seine Unternehmensgruppe aufgenommen hat. Dass er auf der Messe persönlich anwesend war, zeigt wie euphorisch er hinter dem Projekt steht. Die Endstufen Ubicube 700, 400 und 200 (190.000, 130.000 und 90.000 Euro Paarpreis) sind alle als bridged Mono-Verstärker konzipiert, da sich dieses Konzept als klanglich überlegen erwiesen haben soll. Sie alle teilen dieselbe Sorgfalt und extrem hochwertige Komponenten von Duelund, Jupiter und Mundorf. Beispielsweise wurden für die PCBs eigene Steckverbindungen aus silberbeschichtetem Kupfertellurid entwickelt. In der Nähe des Fußes ist ein im ausgeschalteten Zustand unsichtbares VU-Meter eingelassen. Das Gehäuse des Ubicube 700 wird aus einem 180 Kilogramm schweren Aluminiumblock gefräst. Insgesamt besticht das Design durch seine Ausdrucksstärke und Kraft. Der Ubiquitous 300B Preamp schließt an diese schlichte Eleganz an. Ein einziger zentraler Drehregler mit dezent eingelassener LED schmückt die Front. Als Poti kommt ein ALPS RK501 zum Einsatz. Die Motorisation wurde von ubiqaudiolabs selbst entwickelt und regelt in 330 Schritten zu je 0,3 Dezibel. Die Komponenten von ubiqaudiolabs werden in den Firmeneigenen Hörräumen in Slowenien an Wilson Audio Autobiography und Chronosonic XVX, Magico M9, M7, und M3, Marten Coltrane Supreme Extreme und Coltrane Quintet Extreme Statement Edition und Living Voice Vox Palladian feinabgestimmt. Ein kaum vorstellbares Markenportfolio – auch im Raum auf der AVS. Das Setup wurde unter anderem durch dCS Varèse, Oladra, Finite Elemente Pagode, Döhmann Helix One mit Reed Arm und dem Magnum Opus von Transparent vervollständigt. In dieser Präsentation wurde jedes einzelne Detail bedacht, bis hin zur Schokolade im Ubiqaudiolab-Verstärkerdesign. Das Logo der Marke spiegelt den Drachen aus dem Wappen der Herkunftsstadt Ljubljana wider. Selbstverständlich sind die Logos auf dem Stand aus Titan und Kupfer gefertigt und wurden mit einer Spezialbeschichtung aus dem Hause Akrapovič haltbar gemacht. Die Umsetzung des akustisch vollkommen optimierten Messerraums selbst hat einen sechsstelligen Betrag verschlungen. Spätestens als das Licht perfekt synchronisiert zum Musikbeginn heruntergedimmt wird und die weite, holografische und mühelos authentische Musikabbildung der Autobiography Gänsehaut erzeugt, hat sich der Aufwand gelohnt. Eine dem Preis der Anlage durchweg angemessene Präsentation, die auf diese Art kaum zu übertreffen ist.
Allein optisch ist die 900.000 Euro teure Acapella Audio Arts Sphäron Excalibur gewaltig. Ich habe Richard Rudolph, Geschäftsführer von Acapella gebeten, für einen Größenvergleich zu posieren. Wer ihn kennt weiß, dass Richard alles andere als klein ist, und dennoch wird er von der Excalibur mk7 überragt. Überragend fiel auch die Wiedergabe von großorchestralen Werken aus, die der Lautsprecher gemeinsam mit der Energèia Elektronik lebensecht in den Raum projizierte. Vier 18-Zoll Bässe, ein 8-Zoll Tiefmitteltöner, ein 2-Zoll Mitteltöner und der legendäre Ionenhochtöner bringen samt Gehäuse 800 Kilogramm pro Seite auf die Waage. Das System spielt bei einer Empfindlichkeit von 100 Dezibel und bis unter 20 Hertz. Gemeinsam mit einem Pink Faun, MSB The Cascade DAC und der ZenSati #X Verkabelung eine außergewöhnliche Präsentation, die zu Recht eine große Aufmerksamkeit der Besucher genoss.