Das Team von Pracownia Wzmacniaczy Lampowych genießt bei mir Legendenstatus. Was hier jedes Jahr gezeigt wird, ist das Ergebnis eines Hobbys und prinzipiell unverkäuflich – in Anbetracht des betriebenen Aufwands geradezu absurd. Allein die GMI-2b Röhre, die wahrscheinlich ursprünglich als Modulatorröhre in Radarstationen eingesetzt wurde, wiegt gute 5 Kilogramm. Die Tetrodenröhre wird in Triodenkonfiguration verbunden. Die Spannungsverstärkung basiert auf einer E86C, die Treiberstufe auf einem Wolfspeed Siliziumcarbid MOSFET. Das CNC-gefräste Aluminiumgehäuse schafft ein Leistungsgewicht von 1:1. 120 Watt an 8 Ohm aus 120 Kilogramm. Als Vorstufe fungieren E88CC. Das Netzteil lädt eine gewaltige Kapazität von 120.000 Mikrofarad. Im Signalpfad sitzen Silberglimmer-Koppelkondensatoren aus der Militärtechnik mit einer Kapazität von 2,2 Mikrofarad bei einer Nennspannung von 3.000 Volt. Für die Lautstärkeregelung wurde eine Khozmo Autoformer verbaut. Die Dreiwegelautsprecher verfügen über einen JBL 2402H Tweeter, einen Scan-Speak 38WE Woofer und einen selbstgebauten 5-Zoll Field-Coil-Mittentreiber.
Adrian Krupowicz and Daniel Kostrzewa kenne ich noch aus ihrer Zeit bei Unitra. Jetzt haben die beiden SoundWorks gegründet. Zum einen wurde mit der „Akademia Gramofonu“ ein Onlinekurs rund um das Thema Plattenspieler und -wiedergabe geschaffen. Bisher ist der Kurs nur auf Polnisch verfügbar, aber früher oder später wird er sicher auch in anderen Sprachen, allen voran Englisch verfügbar sein. Des Weiteren hat SoundWorks eine neue Messplatte gefertigt. Dafür wurde sich zum Beispiel eingehend mit dem genutzten Vinylmaterial beschäftigt und herausgefunden, dass blaues Material zwar nicht den geringsten Noise-Floor aufweist – das Maß der Dinge ist in dieser Hinsicht noch immer schwarzes Vinyl –, dafür aber die höchste Linearität bietet. Nicht zuletzt soll diese Messplatte und die enthaltenen Erklärungen Neu- und Wiedereinsteigern, die tiefer in das LP-Thema abtauchen möchten, die Angst nehmen und ein Handwerkszeug anbieten. Nebenbei unterstützt Adrian den polnischen Künstler Leszek Komosa bei der Promo und in Sachen analoger Expertise.
Den ersten Teil meines ausführlichen Messeberichts möchte ich mit einem persönlichen Highlight beenden. Die Präsentation der tschechischen Firma Heeskof Audio war für mich ohne Frage eine der faszinierendsten der Show. Allein drei Wege in einem derart kleinen Gehäuse unterzubringen ist eine Kunst. Dem System dann aber auch noch so viel Dynamik, Spielfreude, Auflösung, Unangestrengtheit und eine Bühnendarstellung zu entlocken, die sich mit sehr vielen (deutlich teureren und größeren) Anlagen der Messe mit Leichtigkeit messen konnte: Chapeau! Den überaus günstigen Paarpreis von 1.240 Euro anzuführen, ist insofern ungerecht, da Jakub Pavel, Mastermind hinter Xyla, die Lautsprecher im Direktvertrieb anbietet. Händler- und andere Kosten, die Mitbewerber stemmen müssen, entfallen damit. Dennoch: Die Lautsprecher spielten an einem Devialet Expert Pro 220, der über einen Sonore ultraRendu direkt aus der USB-Buchse eines Notebooks und TIDAL versorgt wurde, ohne irgendeine Raumkorrektur oder Bassoptimierung einfach nur unbeschreiblich gut. Und das vollkommen unabhängig von ihrem Preis. Dank ihres Langhubwoofers von Peerless erreichen sie dabei 40 Hertz. Für den Mittel- und Hochton sind SB-Acoustic Treiber verantwortlich. Die parallele Frequenzweiche ist mit hochwertigen Jantzen-Komponenten bestückt und reiht sich in die durchweg hochwertige Bauteilauswahl ein.
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