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Ein Besuch bei Ortofon

27.01.2023 // Dirk Sommer

Aber neben dem Bau von Tonabnehmersystemen sind die Dänen noch in einem weiteren Geschäftszweig erfolgreich: Ortofon Microtech produziert hochpräzise Teile aus technischem Gummi und thermoplastischen Elastomeren für die Medizintechnik und für Hörgerätehersteller. Es ist den selbst produzierten Dämpfungsgummis geschuldet, dass Ortofon-Systeme – wie etwa mein SPU Silber und mein SPU Royal – bei nur sporadischem Gebrauch auch nach mehr als einem Dutzend Jahren ihre Spezifikationen beibehalten. Dass das nicht selbstverständlich ist, mussten EMT-Besitzer zumindest früher leidvoll erfahren: Ob benutzt oder originalverpackt, nach etwa fünf Jahren mussten die Dämpfer ausgetauscht werden.

In der Apparatur rechts wird eine Gummischeibe für den Test einer Mischung vulkanisiert. Der Test erfolgt dann im Gerät links
In der Apparatur rechts wird eine Gummischeibe für den Test einer Mischung vulkanisiert. Der Test erfolgt dann im Gerät links

Von der Gummi-Abteilung geht’s ebenerdig weiter zur Fertigung von MM-Tonabnehmern. Hier gab es auch früher schon Automaten, die die Spulen aus filigranem Draht wickelten. Aber der Rest war reine Handarbeit. Nun findet man hier eine recht große, rundum teilverglaste Maschine, die Nadeln auf Nadelträger montiert, letztere mit dem Dämpfungsgummi und anschließend mit einem Magneten versieht und schließlich mit einem Spritzgussteil verbindet: Fertig ist der Nadel-Einschub. Ich konnte eine der speziell in der Schweiz für Ortofon entwickelten und produzierten, kostspieligen Maschinen im Betrieb sehen. Wie Leif Johannsen verriet, sind aber weitere bereits in Auftrag gegeben worden. Daneben gibt es weiterhin eine Reihe von Arbeitsplätzen, an den durchweg weibliche Mitarbeiter MM-Systeme von Hand fertigen.

In dieser Form werden die Gummis für das Ortofon Diamond hergestellt
In dieser Form werden die Gummis für das Ortofon Diamond hergestellt

Wir verlassen das zweigeschossige Hauptgebäude und wenden uns einem Flachbau zu, der noch nicht lange von Ortofon genutzt wird. Hier finden wir im Entstehen begriffene Büros und eine weitere große Produktionshalle, in der mehrere Spritzgussmaschinen für TPE (Thermo Plastic Elastomer) und harten Kunststoff sowie eine Metallbearbeitungswerkstatt untergebracht sind. In der zweiten Etage des Hauptgebäudes werden wie zuvor Moving-Coil-Tonabnehmer hergestellt. Hier gibt es keine Spulenwickelmaschinen, hier wird der Kupfer- oder der silberbeschichtete Kupferdraht von Hand auf quadratische oder kreuzförmige Träger gewickelt. Dort treffen wir auch Tina Meincke Jacobsen, die die meisten von Ortofon High-End-Tonabnehmern gefertigt hat.


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