klangBilder 2011 – Wien bietet mehr als Musik und Technik

17.11.2011 // Dirk Sommer
In dieser Nachbetrachtung geht es einmal nicht um Geräte und technische Innovationen. Die klangBilder geben sich traditionell facettenreicher als übliche Messen und lassen auch immer wieder die ein oder andere lukullische Entdeckung zu. Heuer möchte ich Ihnen deren zwei vorstellen.


Weindegustationen haben auf den von Dr. Ludwig Flich ohne jegliche Scheuklappen konzipierten Messen schon seit langem ihren festen Platz. Nun ist es gewiss Geschmacksache, ob man sich seinen Lieblingsscheiben bei einem Gläschen Single Malt, einem guten Wein oder lieber völlig nüchtern zuwendet. Für den Wein auf der Messe sprach bisher allein, das die österreichischen Hauptstadt auch zu den Weinbaugegenden zählt. Diesmal war die Verbindung zwischen einem der Kernthemen der klangBilder, der Musik, und dem Wein aber inniger als je zuvor: Am Freitagabend präsentierte Markus Bachmann die sogenannten Sonor Wines – Weine, die bei der Gärung mit Musik beschallt wurden.

Der zweite Teil der Verkostung fand in heimischer Umgebung mit den passenden Gläsern statt
Der zweite Teil der Verkostung fand in heimischer Umgebung mit den passenden Gläsern statt
Die besagten Weine wurden dem geneigten Publikum wie gesagt während der Messe kredenzt – allerdings ohne die Möglichkeit, diese mit der unbeschallten Variante zu vergleichen. Da der Audiophile im allgemeinen und der testende Redakteur im besonderen seine Urteile aber am liebsten im A/B-Vergleich findet, bat ich den Erfinder und Promoter der Sonor Wines, die gewünschte Gegenüberstellung möglich zu machen. Am späten Nachmittag des folgenden Tages erschien er dann mit dem Wein des ersten Experimentes am Stand von sommelier du son (und Hifistatement): Ein einfacher Grüner Veltliner des Jahrgangs 2009 mit 13,5 Prozent Alkohol war in der höheren Bundeslehranstalt und dem Bundesamt für Wein- und Obstbau in Klosterneuburg einmal auf übliche Weise ausgebaut worden, ein anderes Mal über einem im Gärtank installierten Unterwasserlautsprecher mit Mozarts vierter Symphonie in der Interpretation der Wiener Philharmoniker unter Leonard Bernstein beschallt worden. Und obwohl die beiden Flaschen während des Transportes etwas wärmer geworden waren, als ideal gewesen wäre, braucht man kein geschulter Sommelier zu sein, um die Unterschiede zwischen beiden Weinen festzustellen: Der „normale‟ wirkte etwas plump und eher marmeladig als fruchtig. Der von Mozart beflügelte Wein hingegen schmeckte leichter, spritziger und eleganter. Der Alkohol trat deutlich in den Hintergrund. Auf die Idee, dass man für das erste Experiment voller Vorsicht einen Landwein ausgewählt hatte, kam man beim Verkosten des „Jupiters‟ nun wirklich nicht.

Für das erste Experiment wurde ein Grüner Veltliner Landwein ausgesucht. Heute werden Weine renommierter Winzer der musikalischen Behandlung ausgesetzt, wie man unter www.sonorwines.com nachlesen kann
Für das erste Experiment wurde ein Grüner Veltliner Landwein ausgesucht. Heute werden Weine renommierter Winzer der musikalischen Behandlung ausgesetzt, wie man unter www.sonorwines.com nachlesen kann
Da wir den Wein auf der Messe probierten, können wir sicher ausschließen, dass etwa Gärdämpfe bei der Beurteilung vernebelnden Einfluss genommen hätten. Markus Bachmann hat auch eine durchaus plausible Erklärung für die Geschmacksveränderung: Die Bewegung des Weines soll selbst bei sogenannten Altweinen, bei denen der übliche Gärvorgang abgeschlossen ist, die bioaktive Hefe wieder zu weiterer Arbeit stimulieren. Diese führe dann dazu, dass höherwertiger, aber eben nicht, wie man vielleicht annehmen würde, mehr Alkohol produziert werde. Einen ähnlichen Effekt erreiche man durch die Beschallung während der ersten Gärung. Dadurch, dass der Wein bewegt werde und die Hefen keine Energie dafür verbrauchten, sich im Wein zu bewegen, könnten sie effektiver Arbeiten. Frequenzen von über 10 Kilohertz könnten übrigens im Wein nicht übertragen werden. Auch bedürfe es wechselnder Signale, um den gewünschten Effekt zu erzielen. Sinustöne seien so gut wie unwirksam. Auf die abschließende Frage, wie man denn auf die Idee komme, Wein und Musik auf diese Weise miteinander zu verquicken, antwortete Markus Bachmann schmunzelnd: „Viel trinken.‟ Das dürfte bei seinen Kreationen nicht schwerfallen.

 


Trotz der aprikotfarbenen Wand im Hintergrund gut zu erkennen: Die Weine unterscheiden sich auch in der Farbe. Der beschallte ist der hellere
Trotz der aprikotfarbenen Wand im Hintergrund gut zu erkennen: Die Weine unterscheiden sich auch in der Farbe. Der beschallte ist der hellere
Als geradezu exemplarisch für das besondere Flair der klangBilder darf der Ausstellungsraum von AviTech gelten: Edvard Potisk, der untere anderem Bryston und PMC vertreibt, konnte Heinrich Schläfer – bisher eher durch die fantastischen Quinton-CD-Produktionen in Erscheinung getreten – für die Gestaltung gewinnen. Der Barrista aus Leidenschaft verbannte als erstes die wenig aufregenden hoteleigenen Sitzgelegenheiten aus der Suite, ersetzte sie durch echte Thonet-Stühle und Kaffeehaustische und installierte eine mächtige La Pavoni Pub 1EL Espresso-Maschine. Das i-Tüpfelchen in diesem so stimmigen Arrangement waren die selbstgebackenen Cantuccini, von denen ich ein paar nach Gröbenzell entführen konnte.


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