tests/14-01-17_swiss
 
Test.
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Swiss Cables Reference

17.01.2014 // Jürgen Saile und Dirk Sommer

Noch mehr Klarheit und Durchzeichnung brachte dann der Austausch des Lautsprecherkabels, allerdings verschwand dabei auch ein wenig Fülle im oberen Bassbereich, die die in diesem Teil des Frequenzspektrums eher zurückhaltende LumenWhite zumindest bei weniger gelungenen Aufnahmen zu mehr Nachsicht verleitet. Erfreulicherweise blieben auch die sechs Meter symmetrischer NF-Leitung der Swiss-Cables-Charakteristik treu und enthüllten, dass die so bodenständige wirkende EAR 912 mehr Details und eine etwas größere imaginäre Bühne darzustellen vermag, als ich bisher angenommen hatte. Ich bestellte also für die weitere Beschäftigung mit den überraschend leichten schweizer Kreationen Lautsprecherkabel mit Gabelschuhen, um sie auch mit den Ayons hören zu können.

b_250_0_16777215_10_images_content_tests_14-01-17_swiss_prism.jpgSobald dann die passend konfektionierten Lautsprecherkabel eintrafen, schloss ich auch wieder die langen NF-Strippen an und musste an einem ruhigem Abend feststellen, dass in Spielpausen den Lautsprechern ein am Hörplatz noch so eben wahrnehmbares elektronisches Flirren und Zirpen entströmte, das beim ersten Test weder Anton Suter noch mir aufgefallen war – dafür waren wir von dem Gewinn an Feinzeichnung und -dynamik einfach zu begeistert. Da der Ausgang der EAR 912 trafosymmetriert ist und es sich bei der Ayon um ein vollsymmetrisches Schaltungskonzept handelt, sollte hier eigentlich völlige Stille herrschen. Des Rätsels Lösung: „Serienmäßig“ werden die Swiss Cables ohne Abschirmung geliefert, da diese Variante klanglich die überlegenere sein soll. In meinem Hörraum, in dem ich mir mit jeder unsymmetrischen Moving-Coil-Phonostufe unabhängig von den verwendeten Kabeln ein Radioprogramm einfange, geht es aber nicht ohne Schirmung. So wartete ich dann wieder auf Swiss Cables, diesmal auf geschirmte, symmetrische NF-Leitungen. Während dieser Zeit verblieben die Lautsprecherkabel zwischen Endstufen und Lautsprechern und hatten so Zeit, eine Menge weiterer Betriebsstunden zu sammeln.

Als mich dann Thomas Wendt, der Inhaber von Genuin Audio, dem deutschen Swiss Cables Vertrieb, besuchte, nahm ich das zum Anlass, die geschirmten NF-Kabel anzuschließen. Bei allen vertrauten – und meist hervorragend aufgenommenen und produzierten – Songs, die üblicherweise bei Tests zu Einsatz kommen, war das Ergebnis eindeutig: Hier bevorzugten wir einmütig die minimal schlankeren, dynamisch feiner differenzierenden und einen etwas größeren Raum suggerierenden Swiss Cables. Doch dann wollte Thomas Wendt nach all den Klangspektakeln, die zwar leicht Aufschluss über die Fähigkeiten von Kabeln oder Komponenten in speziellen Disziplinen geben können, aber nicht in jedem Falle Musikgenuss garantieren, quasi zur Entspannung Pink Floyds „Money“ hören. Aus Bequemlichkeit spielte ich das damals noch mit iTunes gerippte File von der Festplatte: Und das war alles andere als eine audiophile Offenbarung. Wir wechselten wieder zurück und wurden von einem fetteren Oberbass verwöhnt, der die leichten Härten der von Hause aus eher dünnen Aufnahme kaschierten. Dann fiel mir aber ein, dass ich noch eine Version des Songs auf LP im Regal stehen habe: „Money“ ist auch auf der Vier-LP-Box Echoes enthalten. Am Remastering der Klassiker soll übrigens Tim de Paravicini einen maßgeblichen Anteil gehabt haben. Bei der mit einem Brinkmann-EMT reproduzierten Scheibe gab es jede Menge Tieftonenergie, aber schon vorher beim Kassengeklingel wünschten wir uns mehr Auflösung. Und genau die bekamen wir dann, als wir wieder zur Swiss-Cables-NF-Verbindung zurückkehrten. Bei Scheiben dieser Qualität waren das Lautsprecher- und das geschirmte XLR-Kabel aus der Schweiz für uns erste Wahl.

b_250_0_16777215_10_images_content_tests_14-01-17_swiss_echoes.jpgDa die Charakteristik der Swiss Cables und der LumenWhite nahezu identisch ist, kann die beiden eigene famose Durchzeichnung, die enorme Basskontrolle und die Liebe zum Detail bei schlechten Aufnahmen schon einmal ein bisschen zuviel des Guten sein. Aber momentan behaupten die Swiss Cables ihren Platz zwischen Vor- und Endstufen sowie zwischen diesen und den Lautsprechern. Selbst wenn die Kabel die Schwächen der Aufnahme ungeschminkt präsentieren: Auf den weiten, luftigen Raum, die filigranen dynamischen Abstufungen und die so ungemein stimmig ins Klangbild integrierte Fülle an Details kann man nur schwer verzichten, wenn man sie einmal gehört hat.

Wie der Kollege schon in der Einleitung festgestellt hat, sind die Swiss Cables nicht für fünf Euro zu haben. Ich habe in den letzten fünfzehn Jahren eine Menge auch extrem teurer Kabel ausprobieren dürfen – wobei sich mir die Preisgestaltung auch nicht in jedem Falle erschlossen hat. Das ist hier anders: Im überhitzten High-End-Kabel-Business beeindrucken die absolut betrachtet gewiss nicht billigen Swiss Cable mit einem enorm verlockenden Preis/Klang-Verhältnis.

 

STATEMENT ZWEI

Die Swiss Cables verschweigen nichts: Hier geht keine noch so kleine Information zur Größe des – oft imaginären – Aufnahmeraumes, keine rhythmische Delikatesse, keine Klangfarbe und auch nicht die subtilste dynamische Abstufung verloren. Dennoch bleibt das Klangbild ungemein stimmig: Die Swiss Cables neigen keinesfalls zu übertriebener Analytik – allerdings auch nicht zu beschönigendem Weichzeichnen.
Gehört mit (Jürgen Saile)
Digital-Laufwerk Ayon CD-T
DAC Borbely Audio
Laufwerk Apolyt
Tonarm Triplanar
Tonabnehmer Clearaudio Goldmund, van den Hul Grasshopper
Vorstufe Shindo Monbrison
Endstufe Shindo Cortese, Thomas Mayer ELROG 211SE, 6HS5 PSE
Lautsprecher WVL A100i, Ancient Audio Studio Oslo
Kabel Audio Consulting RCA Reference, Auditorium 23 LS

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